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    Verschenkte Kultur

    Verschenkte Kultur

    Verspricht Matteo Renzi 500-Euro-Schecks, um Schülern die digitale Identität schmackhaft zu machen? Warum der missglückte Start des Kulturbonus beim Land für Stirnrunzeln sorgt.

    Von Anton Rainer

    Daran, dass sich der italienische Staat tatsächlich an die selbst gesetzte Frist halten würde, glaubte am Ende niemand mehr. Ein korrekt funktionierendes Online-Portal, das sich einen Tag vor Stichtermin noch nicht einmal aufrufen lässt? Wie soll das gehen?

    Am gestrigen Donnerstag bestätigten sich die Befürchtungen: Die Website „18app.it“, die 18-jährigen ab dem 15. September den Zugriff auf den versprochenen 500-Euro-Kulturbonus ermöglichen sollte, lässt weiter auf sich warten – und mit ihr die Sicherheit für rund 600.000 betroffene Jugendliche. Woran liegt’s?

    „Wir tun uns selbst schwer damit, auf diese Fragen zu antworten“, gibt Bildungslandesrat Philipp Achammer zu, „seit Monaten wollen Jugendliche wissen, wo und wie sie sich für diese Förderung anmelden können.“ Aber: „Wir haben keine Unterlagen, wir haben kein Dekret, wir haben überhaupt nichts.“ Der im Stabilitätsgesetz vorgesehene Bonus, den 18-jährige für kulturelle Güter und Dienstleistungen (sprich: Kino, Bücher, Theater etc.) ausgeben können, hätte bereits Ende Jänner per Ministerialdekret detailliert festgelegt werden sollen. Ähnlich wie das angekündigte Online-Portal fehlt das jedoch bis heute – ebenso wie eine Liste der teilnehmenden Kulturträger.

    Weil Verlage, Theater, Kinos und Co. direkt mit den staatlichen Stellen kommunizierten, weiß man beim derzeit Land nicht, wo sich die Kulturschecks schlussendlich einlösen lassen. Stadttheater Bozen, Teatro Stabile, Filmclub, Cineplexx und größere Verlage dürften laut Informationen der TAGESZEITUNG zwar Teil des Angebots sein – wie es außerhalb der Landeshauptstadt aussieht, weiß derzeit allerdings niemand. Auch deshalb zirkuliert im Bildungsressort die Vermutung, es habe sich bei dem versprochenen Kulturbonus nur um einen Vorwand gehandelt, um Jugendlichen die dafür notwendige digitale Identitätskarte (SPID) schmackhaft zu machen. „Ich hoffe nicht, dass sich Rom derart unglaubwürdig verhält“, sagt Philipp Achammer, „wobei die Verspätungen und Unsicherheiten schon sehr fragwürdig sind.“ Sollte der Bonus doch irgendwann zur Verfügung stehen, haben Jugendliche zumindest keine Eile, ihn auszugeben – bis zum 31.12.2017 ist der Kultur-Gutschein gültig.

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