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Kein Geld fürs Impfen

Mit einer Gehaltsprämie wollte die Landesregierung Ärzte für die Erhöhung der Impfraten belohnen. Der dafür erforderliche Prozentsatz wurde nicht erreicht.

von Irina March

„Die Allgemeinmediziner Südtirols haben den gewünschten Prozentsatz für die Durchimpfungsrate nicht erreicht“, erklärt Gesundheitsrätin Martha Stocker. 2015 wurde eine Prämie für Allgemeinmediziner ausgeschrieben: Sollten sie es schaffen, die Durchimpfungsrate für Grippe-Impfungen bei Über-65-Jährigen von 36 Prozent auf 45 Prozent anzuheben, hätten sie sich über einen kleinen Gehaltsbonus freuen können. Ein ambitioniertes Ziel – aus dem leider nichts wurde. Weil der neunprozentige Anstieg ausblieb, wird der 289.000 Euro schwere Fördertopf nicht geöffnet.

„Nur einige Ärzte von vielen haben die vorgegebenen Prozentsätze erreicht“, sagt Martha Stocker, „Es ist schließlich nicht so, dass man Leute zum Impfen überredet. Es ist einfach ein Angebot, das den Menschen nahegebracht wird“.

Ist die im Juli gestartete Impfkampagne des Sanitätsbetriebs ein Beweis für das Scheitern finanzieller Anreize? „Die Weltgesundheitsorganisation hat darauf hingewiesen, dass das Unterschreiten eines bestimmten Prozentsatzes die Gefahr der weiteren Ausbreitung von Krankheiten erhöht“, erklärt die Gesundheitslandesrätin. Auch das römische Ministerium, die Vereinigung der Allgemeinmediziner, aber vor allem die Ärzteverbände hätten darauf hingewiesen, dass es „einfach wichtig ist, sich impfen zu lassen.“

Auch Paolo Conci, Primar des Dienstes für Basismedizin im Krankenhaus Bozen bestätigt: „Die WHO und das Gesundheits-Ministerium geben uns vor, die Über-65-Jährigen vor der Grippe zu schützen.“

Die bisher gescheiterte Maßnahme sei jedoch nicht als „Prämie“ zu verstehen „sondern eher als wirtschaftlichen Anreiz, dessen Ziel leider nicht erreicht wurde.“ Laut Primar Paolo Conci ist die Impfung „eigentlich eine Leistung im Vertrag der Ärzte, welche bezahlt wird. Jedes Mal, wenn ein Arzt eine Impfung durchführt, bekommt er dafür einen bestimmten Betrag. Da die Durchimpfungsrate in der Provinz Bozen sehr niedrig ist, wollte und will man diese Rate erhöhen. Nur deshalb kam es überhaupt dazu, dass man diesen Anreiz eingeführt hat.“

„Das Ziel war ziemlich anspruchsvoll“, sagt Conci und widerspricht Landesrätin Martha Stocker: „Man muss die Menschen zum Impfen überreden. Wenn man sie nicht überredet, werden sie sich auch nicht impfen lassen.“

Heutzutage trifft man immer wieder auf Menschen in Südtirol, die sich nicht impfen lassen wollen – darunter auch viele Eltern von nicht geimpften Kindern. Aus ideologischen Gründen? Paolo Conci sieht bei der von der Prämie angesprochenen Altersgruppe vor allem praktische Überlegungen. „Ältere Personen wollen sich nicht impfen lassen, da sie es als unnötig bezeichnen. Eltern von kleinen Kindern sind dafür oft gegen das Impfen, weil sie es mit Schmerzen in Verbindung bringen.“

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