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    Dackelei

    „Wiener Dog“ von Todd Solondz führt an der Leine eines Dackels in US-Abgründe. In Europa gibt es die Abgründe auch.

    von Renate Mumelter

    Wiener Dog“, „Kacka“, „Tumor“ unter diesen und anderen anderen Namen führt ein Dackel durch die 90 Minuten von Todd Solondz‘ „beißender“ Komödie. Der Dackel, der die einzelnen Episoden des Films miteinander verbindet ist allerdings gar nicht bissig, obwohl Dackel normalerweise eigensinnig sind, gern und ausdauernd bellen und ganz schön lästig werden können. Der Filmdackel mit den vielen Namen punktet mit Sympathiewerten, vor allem in Episode eins. Da wird es im Kino möglich, das Leben im Hundekäfig aus Dackelperspektive zu betrachten. Unerträglich. Das neue Herrchen befreit den Wiener Dog aus dem Käfig, um ihn daheim gleich wieder einzusperren. Er will den Dackel abrichten, „seinen Willen brechen“, erklärt er dem kleinen Sohn.„Was ist ein Wille“, fragt der Bub. Die Antwort bleibt aus. Als der Dackel, der eine Dackelin ist, wegen Durchfalls eingeschläfert werden soll, nimmt sich die Tierarzthelferin des Wesens an. Die Hündin „Kacka“ landet schließlich bei einem Ehepaar mit Downsyndrom. Die tierliebe Arzthelferin fährt mit ihrem Lover weiter solange das Benzin reicht. Bis hierher ist „Wiener Dog“ unterhaltsam, manchmal ätzend, gut gespielt und in fein komponierten, statischen Bildern erzählt. Dann kommt die Werbepause im Film, und es beginnt Teil zwei. Der Dackel ist jetzt bei Danny DeVito, dem Filmschuldozenten Dave Schmerz. Dessen Leben ist ein Schmerz, die Filmschule auch und das Filmgeschäft sowieso. Jetzt zieht sich die Story. Zu oft schon wurden Geschichten von erfolglosen Kulturschaffenden erzählt. Auch bei der letzten Protagonistin, einer alten Frau mit Rollator, überwiegen die Klischees, obwohl der Dackel „Tumor“ vom LKW überfahren wird und ausgestopft als Kunstobjekt in der Ausstellung der Künstlers Fantasy landet. Todd Solondz wird manchmal als Ulrich Seidl der USA bezeichnet, als einer also, der in Abgründe schaut und gnadenlos zeigt, was Sache ist. So gnadenlos ist’s diesmal nicht.

    Wiener Dog (USA 2016), 90 Min., Regie: Todd Solodnz. Bewertung: Episodenfilm mit wechselnden Qualitäten

    Was es sonst noch gibt: „La pazza gioia“ von Paolo Virzì

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