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    Die Pragser Blechlawine

    Ferragosto-Eindrücke aus Prags (Foto: M. Demanega/Facebook)

    Ferragosto-Eindrücke aus Prags (Foto: M. Demanega/Facebook)

    Hochbetrieb am Pragser Wildsee. Referent Hubert Appenbichler ist zurückgetreten, weil er eine Beteiligung für die öffentliche Hand einforderte, aber sich nicht durchsetzen konnte. Heute fühlt er sich bestätigt.

    von Silke Hinterwaldner

    Ferragosto am Pragser Wildsee: Eine endlos erscheinende Blechlawine zieht sich hin bis zum See, neue und alte Parkplätze sind überfüllt, unzählige Tagestouristen wandern den Rundweg am See entlang. Ein entspannter Ausflug sieht für die meisten Menschen anders aus.

    „Heute“, sagt Hubert Appenbichler, „bin ich froh, dass ich einen Schlussstrich gezogen habe. Für mich gibt es momentan auch kein Zurück in die Gemeindepolitik, auch wenn sie mir manchmal zugegebenermaßen fehlt.“ Appenbichler war lange zuerst als Gemeinderat und dann ein Jahr lang als Referent in der Gemeinde Prags tätig. Aber vor rund zwei Monaten hat er seinen Rücktritt eingereicht.

    Der Grund: Der Streit um den neuen Parkplatz am Pragser Wildsee, der noch lange nicht ausgestanden scheint. Nachdem für den Bau der Stellplätze in unmittelbarer Nähe zum Hotel Pragser Wildsee die notwendigen Genehmigungen fehlten, gibt es jetzt wohl auch ein rechtliches Nachspiel (die TAGESZEITUNG berichtete).

    Aber das war gar nicht der Grund für Appenbichlers Rücktritt. Sein Ansinnen war es immer, dass am See zwar etwas unternommen werden muss, um der Blechlawine Herr zu werden. Aber er bestand darauf, dass die Gemeinde als öffentliche Verwaltung zumindest beteiligt werde. Jetzt aber wird der Parkplatz am See privat geführt. Die öffentliche Verwaltung muss dafür sorgen, dass der Müll entsorgt wird, aber die Einnahmen bleiben in privater Hand: Der Parkplatz wurde von der Hoteliersfamilie Heiss errichtet und wird auch von ihr geführt.

    „Zumindest“, sagt Appenbichler, „hätte man eine angemessene Beteiligung der Gemeinde anstreben müssen. Aber das ist nicht passiert. Deshalb habe ich gesagt: Ich kann ja auch gehen.“ Mittlerweile wurde der Platz im Ausschuss von Meinhard Sinner nachbesetzt. Es wird weitergearbeitet.

    Anfangs schien die Zusammenarbeit mit dem neuen Bürgermeister Friedrich Mittermair gut zu funktionieren. Aber dann warf der Bürgermeister seinem Referenten vor, dass er zu wenig Präsenz zeige. Als Hubert Appenbichler dann bei der Entscheidungsfindung für eine Verkehrslösung am Pragser Wildsee nicht eingebunden wurde, zog er die Reißleine. Er fühlte sich hintergangen.

    „Es kann doch nicht sein“, erklärt Hubert Appenbichler, „dass die Bürger von Prags zwar mit dem vielen Verkehr und all den damit verbundenen negativen Folgen leben müssen, aber im Gegenzug nicht am Profit beteiligt werden. Schließlich muss jeder einzelne hier auch für die Müllentsorgung aufkommen. Das ist nicht fair und in meinen Augen keine sinnvolle Lösung.“

    Als der Gemeindeausschuss im Frühjahr eine Entscheidung treffen musste, hielt er dem Bürgermeister noch die Stange und stimmte für den Bau des Parkplatzes in seiner heutigen Form. Auch deshalb, weil Referentin Caroline Heiss als Besitzerin des Parkplatzes nicht mitstimmen durfte und Appenbichlers Zusage deshalb unerlässlich wurde. Trotzdem reichte er kurze Zeit später seinen Rücktritt ein.

    Appenbichler ist immer noch Obmann der SVP in Prags. Aber auch in diesem Gremium wird es Änderungen geben. Für den Herbst sind Neuwahlen angesetzt und Hubert Appenbichler will nicht länger an der Spitze der SVP-Ortsgruppe stehen. Höchstens eine Mitarbeit im Ausschuss kann er sich noch vorstellen.

     

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    Kommentare (11)

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    • einereiner

      Öffentliche Beteiligung führt zu öffentlicher Misswirtschaft. Der Kommunismus lässt grüßen.
      Die Gemeinde kann die Kosten für das Müllsammeln als Gebühr von den Parkplatzbetreibern einfordern. Also gibts hier keinen Grund zum Jammern.
      Lieber ein funktionierender Privatbetrieb, der zwischen 40 und 68% Steuern zahlt, als ein defizitärer öffentlichen Betrieb.

    • Warum muß die Gemeinde an einem Parkplatz beteiligt sein? Leben wir etwa jetzt in der DDR oder UDSSR? Wenn ein Hotelier auf eigene Kosten einen Parkplatz errichtet dann soll er auch damit verdienen! Er bezahlt ja Steuern dafür und genau mit diesen Steuern werden dann auch die Wünsche des Herrn Appenbichler bezahlt!

      Bei manchen ist es wirklich besser, dass Sie zurücktreten!

      • andreas

        Der Parkplatz wurde illegal errichtet. Er gehört sofort geschlossen und der Bürgermeister sofort hinausgeworfen.
        Meines Wissens gibt es ein Gesetz, welches jede größere Umgestaltung im Umkreis von 300 m absolut verbietet. Diese Willkür von manchen Dorfkaisern ist nur noch zum Kotzen.

        Manche Parkplätze und -häuser sind Gelddruckmaschinen. Natürlich soll sich eine Gemeinde beteiligen, wenn es ev. Gemeindegrund ist.

    • Andreas hat ein Problem weil ein Parkhaus eine Gelddruckmaschine ist? Neid? Missgunst? Unbefriedigung? Warum ist dies zum Kotzen wenn ein Bürgermeister endlich handelt? Warum soll der Parkplatz geschlossen werden? Warum informierst Du Dich nicht vorher? Denn dann würdest Du wissen, dass ein solch sinnloses Gesetz zum Glück nicht existiert! Unter dem Mäntelchen/Vorwand „Naturschutz“ gedeiht bei vielen der blanke Neid und Hass!

    • andreas

      @monika
      Was genau hast du nicht daran verstanden, dass der Parkplatz ohne Genehmigung gebaut wurde und der Bürgermeister sich darüber hinweggesetzt hat?
      Eine Institution, welche die Einhaltung der Regeln überwachen soll, kann sich nicht einfach selbst über diese hinwegsetzten, auch wenn du das jetzt vielleicht nicht nachvollziehen kannst.
      So ein Blödsinn mit einem Totschlagargument wie Neid oder Unbefriedigung zu kommen, sag mal, hast du eigentlich einen an der Waffel um so zu argumentieren? Ist dir nichts dämlicheres eingefallen?

    • einereiner

      naja, ohne Genehmigung?!
      Manchmal ist man einfach den Beamten etwas voraus. Wie soll man denen sonst Beine machen ohne deren Allerwertesten zu berühren?

    • @ Andreas: Ohne Genehmigung ist wieder falsch! Schon wieder werden Tatsachen verdreht bzw. falsche Aussagen gemacht!

      Es gibt kein 300-m Gesetz und es gab eine Genehmigung! Und deshalb bitte ich die Gegner einfach um mehr Ehrlichkeit – denn billige Polemik mit Unwahrheiten zu schüren ist einfach nicht seriös! Wenn schon dann sollte man sich anständig informieren und nicht Stammtisch-Gerüchte in die Welt setzen!

    • yannis

      ich möchte bloß wissen was die Masse an Leuten, oder sollte man besser sagen diese „Tölm“ alles da schönes zu sehen bekommen ? Automobil_Ausstellung, einen kleinen Bergsee um den sie im Gänsemarsch herum pilgern, oder nur einfach weil ALLE dahin fahren, müssen sie auch hin ?

      Aber eine Wohlstands-Gesellschaft ist alles imstande nur selten was „VERNÜNFTIGES“

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