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    Tempolimit 90

    TempolimitDas Land will auf der Brennerautobahn ein dynamisches Tempolimit einführen, um die Stickoxid-Belastung in den Griff zu bekommen. Im Unterland soll es eine Pilotphase geben.

    von Heinrich Schwarz

    Wenn doch Rom nicht wäre, wird sich Umweltlandesrat Richard Theiner öfters gedacht haben. Vor zweieinhalb Jahren hat die Landesregierung einen Maßnahmenkatalog zur Reduzierung der Stickoxid-Belastung entlang der Brennerautobahn verabschiedet und dem Ministerrat vorgelegt. Auf eine Genehmigung in Rom wartet das Land seither vergeblich. „Wir beobachten eine regelrechte Trägheit in den zuständigen Ministerien“, hieß es vor einem Jahr. Südtirol selbst kann nicht handeln, da der Staat für die Autobahnen zuständig ist.

    „Es fehlt zwar immer noch ein Okay aus Rom, doch es ist schon etwas weitergegangen“, erklärt Georg Pichler, Direktor im Amt für Luft und Lärm. Mit Dekret des Ministerrates sei ein Arbeitstisch eingerichtet worden, dem die verschiedenen Ministerien, das Ministerratspräsidium und das Land angehören. „Dort versucht man, über die Vorschläge der Landesregierung zu diskutieren. Unter anderem auch über das dynamische Tempolimit. Es gibt einen ersten Entwurf für ein Dekret, wonach das dynamische Tempolimit provisorisch für Studienzwecke eingeführt werden kann“, so Pichler.

    Das sogenannte dynamische Tempolimit ist ein zentrales Projekt des Landes, um die gesundheitsschädlichen Stickoxid-Emissionen einzudämmen. Die EU hat den Stickoxid-Grenzwert auf 40 Mikrogramm pro Kubikmeter festgelegt. Entlang der Brennerautobahn wurde dieser Grenzwert im Vorjahr deutlich überschritten: an der Messstation in Schrambach bei Brixen lag der Jahresmittelwert bei 60 und in Neumarkt – etwas weiter weg von der Autobahn – wurde der Grenzwert im Jahresmittel ebenfalls leicht überschritten. Die angrenzenden Häuser sind demnach Stickoxid-belastet.

    „Heuer haben wir zwar noch keine Auswertung gemacht, aber man kann davon ausgehen, dass die Grenzwerte auch heuer nicht eingehalten werden. Ein Rückgang von 50 Prozent in einem Jahr ist nicht möglich“, erklärt Georg Pichler.

    Wegen der hohen Stickoxid-Belastung an den italienischen Autobahnen hat die EU bereits ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Laut Pichler ist Südtirol dabei nicht involviert. „Das Ganze wird heuer aber wohl neu aufgerollt, sodass es gut möglich ist, dass wir danach mit dabei sind“, so der Amtsdirektor.

    Das angestrebte dynamische Tempolimit sieht vor, dass die Maximalgeschwindigkeit bei Überschreitung des Stickoxid-Grenzwertes automatisch gesenkt wird. Verkehrsaufkommen, Wind und Wetter sollen in die Berechnung mit einbezogen werden. Digitale Anzeigetafeln sollen eine schnelle Anpassung des Tempolimits ermöglichen.

    Angedacht ist ein Tempolimit von 90 Stundenkilometern im Raum Brixen und von 100 Stundenkilometern unterhalb von Bozen. Derzeit sind zwischen Brenner und Bozen Süd 110 und südlich von Bozen 130 Stundenkilometer erlaubt.

    Dass das dynamische Tempolimit auf der Brennerautobahn wohl für Studienzwecke eingeführt werden kann, passt dem Land durchaus ins Konzept: „Wir wollen zusammen mit der Autobahn und der Provinz Trient ein EU-Pilotprojekt auf die Füße stellen“, so Georg Pichler.

    Bereits vor zwei Jahren wurde ein entsprechendes Projekt auf EU-Ebene eingereicht – hat aufgrund der Punktezahl aber keinen Zugang zum Fördertopf erhalten. Inzwischen wurde diese Hürde gemeistert.

    „Die geplanten Maßnahmen werden Anfang September vorgestellt. Es geht aber nicht nur um die Luftwerte, sondern auch um die Verkehrssteuerung und die Sicherheit auf der Autobahn“, erklärt Amtsdirektor Pichler.

    In Sachen dynamisches Tempolimit soll das Pilotprojekt auf einer kurzen Strecke im Unterland durchgeführt werden. Das Ziel: den Nutzen des dynamischen Tempolimits wissenschaftlich belegen, um das Gesamtprojekt später fix umsetzen zu können.

    LESEN SIE IN DER SAMSTAG-AUSGABE DER TAGESZEITUNG: DIE KRITIK VON SVP-POLITIKER HERBERT DORFMANN AM PROJEKT.

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    Kommentare (9)

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    • ahaa

      Solche Aktionen beweisen doch das es viele angemeldete, legale Arbeitslose gibt.

    • einereiner

      Bravo ahaa…recht hast du.
      Ein Tempolimit für Studienzwecke….ja super. Die Südtiroler als Versuchskaninchen für unterbeschäftigte Landesbeamte. Wollen sie studieren, wieviele sich bei 90km/h auf die Landstrasse verabschieden? Oder sich nicht an die 90km/h halten?
      Warum führt man nicht zwischen Salurn und Mezzocorona einen Versuch mit Tempo 10km/h ein, zeitlich limitiert vom 1. Dezember bis zum 6. Januar und vom 1. Juni bis zum 1. September?

    • meinemeinung

      Pichler ,mir Südtiroler sein einfach die Nr. 1
      wir schaffen das ,die Hürden in Brüssel ,um an das Geld zu kommen ,wieder bezahlte Nichtsnutz Arbeit für Beamte und unsere Landespolitiker klatschen.
      Grenzwerte wurden überschritten und unsere Meute lauft los und ist nicht mehr zu halten wir sind die Nr. 1 und mir zeigen´s die Anderen ,aber sicher

    • george

      Durchgehend Tempolimit 100 km wie im Nordtiroler Unterland, wo sich dies bereits bewährt hat, wäre gerechtfertigt. Dazu bräuchte es keine Experimente, sondern nur die Zusammenarbeit mit Nordtirol. Wieso wollen die Südtiroler immer gescheiter sein als die Nordtiroler und dabei auch noch gegen deren bewährte Umweltmaßnahmen auftreten?

      • ahaa

        Was hat sich bewährt?Die Abnützung der Bremsbelege sind es nicht.Die haben doch auf der 4 Spurigen Bahn meistens 80.Stau,und damit auch viele Auffahrunfälle.Sind nicht in der Lage einen gescheiten Autobahnzugang zu bauen,haben dauernd Geisterfahrer,und von denen soll man sich was abschauen?
        Bei Tempo 80 ist der Verbrauch durchschnittlich am geringsten,aber wenn es abwerts geht oder mit viel Rückenwind ist die Geschwindichkeit deutlich höher.
        Die Bremsbelege sind oft noch aus Aspest.Wieviel Staub glaubst du bleibt da hinten.Die Rechnung nie ohne den Wirt machen.

        • george

          @ahaa
          Da ist bei ihnen aber wenig hängen geblieben aus dieser Lehre. Nicht einmal richtig schreiben haben Sie gelernt, geschweige denn folgerichtig zu denken. Von Abgasreduzierung und anderen physikalischen Grundlagen, zumindestens die neueren, wie sie naturgemäß funktionieren, haben sie einigen Nachholbedarf. Physikalische Grundgesetze sind Naturgesetze und lassen sich nicht durch Menschengehirn beugen. Der Mensch kann nur lernen, diese besser anzuwenden.

    • george

      @ahaa
      Ihre Aussagen beweisen beweisen nur, dass Sie nicht fahren können. Sie sollten eigentlich nochmals in die Praxis-Fahrschule gehen. Vielleicht lernen Sie dann auch umwelt- und verbraucherfreundlich fahren und vielleicht auch sprachlich korrekt schreiben. Im Unterinntal hat jedenfalls durch Einhaltung von Tempo 100 der Schadstoffausstoß und besonders der Ausstoß von Stickoxiden abgenommen.

    • ahaa

      Habe eine Kfz-lehre hinter mir.Geh du weiter in die Fahrschule um technische Daten zu lernen.
      Haben sie dir in der Fahrschule nicht gelernt das sie schon vor 30 Jahren Motoren entwicket haben die ohne Probleme 1 Million Km laufen ,und das unter 3 L/100Km?Michelin machte es doch vor in den 80ern mit ihrem Wunderreifen, der problemlos über 100.000km schaffte,mit der besseren Haftung.Langlauföl nie nachfüllen,Lampen mit 100.000St,…….
      Für die Wirschaft der Tod.Es gibt Bestimmungen in denen vorgeschrieben wird wie die Autos laufen müssen.Du denkst Tempo 100 ist die Lösung?Ok

    • gurgiser

      Das ist das „wunderschöne an der vielgepriesenen Euregio“, wenn es um Verkehrsbelastungen geht. Da wird dann im Süden Tirols jahrelang das angestrebt, was im Norden Tirols längst WISSENSCHAFTLICH gescheitert ist – das „flexible Tempolimit“, von Anfang an der größte Schwachsinn, denn Überschreitungen von JahresMITTELwerten um + 50 bis + 100 % an den Nord- und Südtiroler Luftgütemessstellen kann man nicht „flexibel“ reduzieren. Dazu braucht es kein Studium, sondern nur ein ganz wenig Mathematik und ein „gesundes Maß Hausverstand“.
      Vom Brenner bis Salurn wäre es daher wesentlich EFFIZIENTER, zunächst dafür zu sorgen, dass die derzeit vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeiten rigoros kontrolliert, überwacht und damit eingehalten würden.
      Mit dem Schwachsinn passiert im Süden Tirols genau das, was im Norden jahrelang Streitthema war: Bei wenig Verkehr plötzlich „flexibel Tempo 100“ und bei viel Verkehr, aus welchen Gründen immer, wieder Tempo 130 – mit der Folge Ärger, Unverständnis. Vermutlich politisch gewollt, denn niemanden würde im privaten oder betrieblichen Bereich so ein Schwachsinn einfallen.
      Denn die Kernaussage bleibt damit „flexibel“ offen:
      Ist der Sachbefund aus dem Norden noch an der Brennergrenze hängen geblieben und nicht bis zum Schreibtisch des Herrn Theiner oder Herrn Pichler gelangt? Oder sind beide zum Schluss gekommen, diese Pkw-Pflanzerei, die von Kufstein bis Brenner jahrelang politische Übung war, nun zeitverzögert auch vom Brenner bis Salurn zu installieren, um dann nach Jahren „offiziell“ feststellen zu können, nein, das war zu wenig, wir müssen doch etwas anderes machen?
      Ab und zu schäme ich mich direkt, wenn ich täglich zwei Mal den Tiroler Adler in meiner Haustür sehe: Was ist bloß aus diesem Tirol rund um den Brenner geworden, wo nicht Bevölkerung, einzigartige Natur und Wirtschaft geschützt werden, sondern nur die „heilige Kuh Verkehr“ und wo die Bevölkerung mit solchen Maßnahmen bewusst genarrt wird.
      LG
      Fritz Gurgiser
      Obmann Transitforum Austria-Tirol

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