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Die gefühlte Ungleichheit

Sparschwein geldWie zufrieden die Südtiroler Arbeitnehmer mit ihrem Gehalt sind. Wie sie die Kluft zwischen Arm und Reich wahrnehmen. Und: Was wichtig ist, um in Südtirol die Nase vorn zu haben.

von Heinrich Schwarz

Der Umstand ist bekannt: Die kollektivvertraglichen Löhne stehen in den meisten Sektoren der Südtiroler Wirtschaft still. Doch die Inflation ist in Südtirol höher als in anderen italienischen Regionen. Die Kaufkraft sinkt also. Kein Wunder, dass es eine große Unzufriedenheit mit der Entlohnung gibt.

Das Arbeitsförderungsinstitut (AFI) hat nun im Rahmen eines Sonderthemas zum AFI-Barometer Südtirols Arbeitnehmer befragt, wie zufrieden sie mit ihrem Gehalt in Bezug auf die Lebenshaltungskosten sind. Das Ergebnis: Mehr als die Hälfte (58 Prozent) gibt an, wenig bis gar nicht zufrieden zu sein. Gar nur neun Prozent der Arbeitnehmer sind mit ihren Gehalt sehr zufrieden.

In diesem Zusammenhang ist auch die Ungleichheit ein großes Thema. Laut dem aktuellen AFI-Barometer, das am Donnerstag präsentiert wurde, meinen 85 Prozent der Arbeitnehmer, dass die Unterschiede zwischen denen, die viel haben und jenen, die wenig haben, groß sind.

Die Hauptgründe für die Kluft zwischen Arm und Reich sieht Südtirols Arbeitnehmerschaft im Steuersystem (29 Prozent), in der Lohnpolitik (28 Prozent) und in der Wirtschaftspolitik (22 Prozent).

37 Prozent der Befragten glauben, dass es eine gute Schulausbildung braucht, um in Südtirol die Nase vorn zu haben. Für 27 Prozent brauche es auch Glück. Immerhin 24 Prozent meinen, man müsse nur die richtigen Leute kennen. Nur für 16 Prozent ist es ausschlaggebend, hart zu arbeiten. Die anderen Antwortmöglichkeiten: einer wohlhabenden Familie anzugehören (15 Prozent), ein Mann zu sein (sechs Prozent) und jene zu bestechen, die an der Macht sind (vier Prozent).

„Internationale Studien zeigen eine andere Reihung“, betont AFI-Direktor Stefan Perini. „Harte Arbeit“ stünde an zweiter Stelle – „Glück“ nur an vierter Stelle.

„Die von den Südtiroler Arbeitnehmern hilfreichen Interventionsschienen, um Ungleichheit entgegenzuwirken, entsprechen jenen, die von der OECD vorgeschlagen sind: die Garantie einer soliden Bildungsbasis, eine aktive Beschäftigungspolitik, ein progressives Steuersystem mit Transferleistungen sowie die Förderung der Beteiligung von Frauen am Wirtschaftsleben“, erklärt Perini.

LESEN SIE IN DER FREITAG-AUSGABE DER TAGESZEITUNG:
– Das eingetrübte Stimmungsbild der Südtiroler Arbeitsnehmer
– Südtirol ist Voucher-König
– Was Landesrätin Martha Stocker zur zunehmenden Voucher-Verwendung in Südtirol sagt

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