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    Monatelanges Warten

    wartezeitIn rund 30 Südtiroler Krankenhausabteilungen beträgt die Vormerkzeit für fachärztliche Visiten mehr als 100 Tage. Die Liste. Und: Warum Termin-Schwänzer künftig zur Kasse gebeten werden sollen.

    von Heinrich Schwarz

    Die Vormerkzeiten in den Südtiroler Krankenhäusern sind eine ewige Baustelle. Seit vielen Jahren wird versprochen, das Problem der teils monatelangen Wartezeiten in den Griff zu kriegen. Doch die Situation hat sich inzwischen sogar noch verschlimmert. Dies hängt mit der neuen EU-Arbeitszeitenregelung zusammen, die den Ärztemangel noch einmal verstärkt hat. In ganz Europa haben sich die Probleme verschärft.

    Ein Blick auf die Vormerkzeiten der wichtigsten nicht-dringenden Leistungen zeigt, dass sich ein Patient in rund 30 Abteilungen der sieben Südtiroler Krankenhäuser länger als 100 Tage gedulden muss. Besonders kritisch ist die Situation unter anderem bei Augenvisiten, dermatologischen Visiten und HNO-Visiten. Gleich in mehreren Spitälern ist monatelanges Warten angesagt, sodass die Ausweichmöglichkeiten begrenzt sind.

    Am längsten gedulden muss man sich – die letzte Aktualisierung erfolgte am 29. Juni – im Falle einer Augenvisite im Krankenhaus Sterzing mit sage und schreibe 314 Tagen (siehe Grafik ganz unten).

    Martha Stocker

    Martha Stocker

    „Ein Beitrag zur Reduzierung der Wartezeiten ist es natürlich, neue Ärzte einzustellen. Die Ausschreibung läuft bereits“, heißt es von Sanitätslandesrätin Martha Stocker.

    Damit allein wird es aber nicht getan sein. Seit Jahren wird bereits eine landesweit einheitliche Vormerkstelle angekündigt. Diese lässt noch immer auf sich warten. „Es gibt die einheitliche Vormerkstelle nach wie vor nur für vier Fachbereiche. Wir müssen den Ausbau nun endlich vorantreiben. Denn man kann von den Bürgern nicht verlangen, immer selbst nach den kürzesten Wartezeiten zu suchen. Es ist einfacher, wenn dies über eine zentrale Stelle sofort geklärt wird. Besonders Sprengel haben häufig sehr kurze Wartezeiten“, so Stocker.

    Eine weitere Initiative zur Problembehebung: eine Termin-Erinnerung für Patienten. Dies werde zwar bereits so gehandbabt, jedoch nicht flächendeckend. Vor zwei Jahren hieß es im Rahmen einer Erhebung, dass sich zehn Prozent der vorgemerkten Patienten nicht abmelden, wenn sie nicht erscheinen können. Diese Terminschwänzer könnten künftig sogar sanktioniert werden, indem ihnen die fachärztliche Leistung in Rechnung gestellt wird, obwohl sie diese nicht beansprucht haben.

    „Wir arbeiten darauf hin“, betont Martha Stocker, „denn es sollte keine große Herausforderung darstellen, sich abzumelden, um anderen Personen den Termin zu überlassen.“ Aufgrund des chaotischen Zustandes in der Informatik des Sanitätsbetriebes fehle derzeit aber noch ein System, um ein nicht gemeldetes Fernbleiben nachweisen zu können.

    Hinweisen möchte Martha Stocker in Bezug auf die langen Vormerkzeiten, dass es die Möglichkeit einer Vergütung in der Höhe von 50 Euro gibt, falls der Sanitätsbetrieb keine Vormerkung innerhalb von 60 Tagen garantieren kann und sich der Patient für eine externe fachärztliche Visite entscheidet.

    Und: „Ich möchte sofort eine Meldung erhalten, falls die gesetzliche Zeit bei dringenden und prioritären Leistungen nicht eingehalten wird. In diesen Fällen muss die Leistung durch den Sanitätsbetrieb unbedingt klappen.

    wartezeiten grafik

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    Kommentare (3)

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    • ahaa

      Wenn man das Geld hat geht es schneller,behaubte ich!
      Zweiklassengeselschaft!
      Kann es sein das manche Ärzte private Kunden im öffentlichen Dienst empfangen?
      Oder bin ich nur verwirrt? 😉

    • Gründe für die Wartezeiten? Voilà:
      Planwirtschaftliche Milchmädchenrechnungen mit zentralistischen Entscheidungen am grünen Tisch ohne Einbezug wesentlicher Player,
      2. Durch die s.g. Sanitätsreform fehlt auf allen Ebenen gesunde Wettbewerb, vom Management bis hin zu den Ärzten. Statt dessen haben wir einen Monopolisten, auf den die Patienten in jeder Hinsicht angewiesen sind,
      3. Zu viele sinnlose und unangemessene Leistungen (auch wegen Defensivmedizin),
      4. Demotivierte, frustrierte und verunsicherte Mitarbeiter,
      5. Konflikte über alle Ebenen, Verwaltung gegen Mitarbeiter, Abteilungen gegen Abteilungen, Peripherie gegen Zentralkrankenhaus, Krankenhaus gegen Sprengen, Ärzte gegen Ärzte, Ärzte gegen Pfleger und schließlich Direktion gegen den Rest….
      5. Politik gegen …

    • Zu oben 5. nicht „sprengen“ sondern Sprengel…, um keinen Fehlalarm auszulösen!

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