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    Kein Geld für den Urlaub

    x-scheidungskind--olly-FotoDie Caritas Schuldnerberatung rät: Auch Scheidungen müssten finanziell geplant werden. Viele Alleinerziehende können sich keine Urlaub leisten.

    Erst spät kam Anna drauf, dass ihr Mann ein Spieler ist und Schulden angehäuft hat. Trotz Trennung hat sie immer wieder große finanzielle Engpässe zu meistern, besonders weil ihr Ex-Mann den Unterhalt für die beiden gemeinsamen Kinder nicht bezahlt. Das ist besonders während der Sommermonate ein Problem, weil Anna arbeiten muss und sich keine Sommerbetreuung für die Kinder leisten kann.

    In ihrer Verzweiflung hat sie sich an die Schuldnerberatung der Caritas gewandt.

    Anna ist nicht die einzige, der es so geht.

    Laut staatlichem Statistikinstitut Istat können sich 49,5 Prozent der italienischen Haushalte finanziell keinen Urlaub leisten. Besonders betroffen sind Alleinerziehende, deren Einkommen grad für das Lebensnotwendige reicht, aber keine Sonderausgaben für Urlaub, Sommerkurse etc. erlaubt. Ihre finanzielle Situation ist vielfach so knapp bemessen, dass sie ohne regelmäßige Zahlung des Unterhaltes nicht über die Runden kommen würden. Und davon gibt es auch in Südtirol inzwischen mehr als genug: Von den insgesamt 1.300 Personen und Familien, die sich im vergangenen Jahr an die Caritas Schuldnerberatung gewandt haben, sind ganze 30 Prozent Alleinerziehende.

    Sie haben meist leidvolle Trennungsgeschichten verbunden mit heftigen Streitereien rund um das Sorgerecht der Kinder hinter sich. Dazu kommen auch finanzielle Sorgen. Elf Prozent der Ratsuchenden haben sich 2015 aufgrund einer Trennung bzw. Scheidung sogar überschuldet.

    Bei solchen Beratungsgesprächen geht es deshalb häufig auch um das Thema Unterhalt. Hier ist die Rechtslage ganz klar: Der unterhaltspflichtige Elternteil muss für die Kinder bis zur ökonomischen Unabhängigkeit einen monatlichen Unterhaltsbeitrag zahlen. Das Gericht setzt den Betrag fest, dieser Verpflichtung muss nachgekommen werden. Geschieht dies nicht (war bei zwei Prozent der Klienten der Schuldnerberatung der Fall), gibt es in Südtirol Mittel und Möglichkeiten, den Unterhalt einzuheben: entweder über Pfändungen (Lohn oder Bankguthaben, Immobilien, etc.) oder die Unterhaltsvorschuss-Stelle des Landes.

    Die vorgestreckte Summe wird dann von der Autonomen Provinz Bozen zu einem späteren Zeitpunkt beim säumigen Elternteil eingefordert. „Diese Leistung stellt eine große Hilfe für Alleinerziehende mit geringem Einkommen dar, denn nur so kann vermieden werden, dass sie in eine finanzielle Notlage kommen“, sagt Stefan Plaikner, der Leiter der Caritas Schuldnerberatung.

    Die Caritas Schuldnerberatung berät unter Berücksichtigung der rechtlichen, sozialen und wirtschaftlichen Aspekte kostenlos und diskret Personen und Familien, die in Südtirol ansässig, ver- bzw. überschuldet, von Überschuldung bedroht sind oder präventiv Informationen einholen möchten, bevor sie sich verschulden. Frauen und Männern, die sich in einer Trennungsphase befinden bzw. sich schon getrennt haben, helfen die Beraterinnen und Berater gerne im Erstellen eines Haushaltsplanes.

    „Wir verschaffen einen Gesamtübersicht über die persönliche Ein- und Ausgabensituation, erstellen gemeinsam einen Schuldenrückzahlungsplan und suchen nach Lösungen, wie der Unterhalt gezahlt und damit eine weitere Überschuldung mit all ihren Folgen vermieden werden kann“, rät Stefan Plaikner auch hier zur sorgfältigen Planung. „Wir Schuldnerberater sind zwar keine Experten im Familienrecht, wir können aber gemeinsam mit den Klienten an ihrer finanziellen Situation arbeiten. Alles andere muss sowieso über einen Rechtsanwalt geklärt werden.“

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    Kommentare (3)

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    • Es ist traurig,dass sich manche Familien in diesen reichen Südtirol nichts mehr leisten können.
      Trotzdem topfen sich Einige/Viele die fetten Bäuche immer weiter.

    • werner

      Väter sind alleinerziehend und können sich den Urlaub erst recht nicht leisten. Pauschal ausgesprochene Richerurteile entsprechen oft nicht der wahren Einkommenssituation. Soll der Mann hungern damit die Frau im Falkensteiner Hotel, von Bozen aus, hinfliegen darf?
      Dieser Artikel und auch die Landesgelder sind die reinste Politikermasche.
      Es gelingt meistens dem teuren Landesangestellten nicht das bezahlte Geld wieder einzutreiben, weil einfach der Mann pleite ist. Wie horrend teuer aber das Büro und die zuständigen Landesangestellten sind, wird hier nicht gesagt. Hinzu kommt noch die Rente die weit über die eingezahlten Beiträge liegt und oft noch eine sponsorisierte Wohnung, Mensa usw als draufgabe.

    • thefirestarter

      Ist das wirklich schon eine Existenzproblem wenn man mal im Urlaub nicht wegfährt?

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