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„Mahnmal gegen die Diktatur“

Foto Relief: Roland Lang

Foto Relief: Roland Lang

Bozens Bürgermeister Renzo Caramaschi möchte die faschistischen Denkmäler zwar stehen lassen, will sie aber verhüllen. Als Statement gegen die Gräuel der Vergangenheit.

TAGESZEITUNG: Einige Stimmen in Bozen meinen, die Renovierung faschistischer Denkmäler wie kürzlich in der Freiheitsstraße sei „skandalös“. Was denken Sie?

Renzo Caramaschi: Es ist nur teilweise ein Skandal. Wenn solche Denkmäler zur Geschichte gehören, so sollten sie auch erhalten bleiben und unter Denkmalschutz stehen. Natürlich sollten die Renovierungen vom Staat und nicht von der Provinz finanziert werden. Ich kann Ihnen aber auf alle Fälle versichern, dass die Renovierungen nicht mit Geldern der Gemeinde Bozen durchgeführt werden.

Empfinden Sie die Monumente als störend? Würden Sie sie stehen lassen?

Ich kann Ihnen sagen, dass ich oft in der Roenstraße zu Fuß unterwegs bin und ich das Gerichtsgebäude meist gar nicht wahrnehme. Man gewöhnt sich daran. Wenn ich vor den lateinischen Inschriften und den Reiter-Figuren stehe, muss ich nur den Kopf schütteln, weil es mich daran erinnert, wie verrückt die Menschheit oft sein kann. Ich finde, wir können viel aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Es wird in Zukunft immer wieder Konflikte geben, deshalb würde ich die Monumente stehen lassen – als historisches Zeugnis und als Mahnmal gegen Diktatur und Unterdrückung.

Würden Sie an den Reliefs trotzdem was ändern?

Ich muss gestehen, dass ich die Idee von Eva Klotz gar nicht so schlecht finde: Die Monumente für 15 Tage mit weißen Leinen bedecken. Christo und Jeanne-Claude haben es mit der Verhüllung des Reichstags in Berlin bereits vorgemacht. Ich würde die gleiche Aktion gerne in Bozen erleben. Wir könnten auf diese Weise ein Statement setzen: „Verhüllen wir die Obszönität und das Grauen der Vergangenheit!“ Das Zeugnis sollte den Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bozen klar machen, das die Menschheit oft ziemlich dumm sein kann und zu unüberlegten Handlungen neigt. Die Monumente stehen für ein Jahrzehnt, das wir nie wieder erleben möchten.

Interview: Manuel Lavoriero

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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