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Arme Studenten

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Die Stadt Innsbruck will die Mietzinsbeihilfe einschränken. Viele Studenten aus Südtirol sind von den geplanten Änderungen betroffen und könnten künftig drei Jahre auf Beihilfen warten. Wird den Studenten zu wenig geholfen?

von Manuel Lavoriero

Dass ein Studium nicht einfach zu bewältigen ist, das ist allseits bekannt. Wenn gleichzeitig aber überhöhte Mietbeträge anfallen, dann leidet auch die finanzielle Lage der Studenten darunter.

In der Sitzung des Innsbrucker Gemeinderates am 14. Juli wurde über einen drastischen Einschnitt bei der Mietzinsbeihilfe diskutiert. Die Forderung: Es soll eine Wartefrist für die Mietzinsbeihilfe eingeführt werden. Nur wer seit mindestens drei Jahren seinen Hauptwohnsitz in Innsbruck hat, soll die Beihilfe künftig beantragen dürfen.

ÖVP, SPÖ und die Bürgerliste „Für Innsbruck“ hatten sich schon auf diese Verschärfung der Regelung geeinigt, während ihre Koalitionspartner, die Grünen, dagegen sind. Anlass der geplanten Maßnahme ist der massive Anstieg der Mietzinsbeihilfen in den vergangenen Jahren: 2006 wurden 8,1 Millionen Euro an bedürftige Mieter gestiftet. 2015 waren es rund 18,5 Millionen Euro – eine Summe, die die Stadt Innsbruck unter anderem den vielen jungen Südtirolern nicht mehr vergüten möchte.

Von Seiten der Studenten kam, wie zu erwarten, starker Widerstand. Der Vorsitzende der Österreichischen HochschülerInnenschaft, Benjamin Walch, äußerte sich bereits zur Situation in Tirol: „Wenn hier Geld einspart wird, dann muss man es den Studierenden an anderer Stelle zukommen lassen, um ihre ohnehin schon angespannte finanzielle Lage nicht noch weiter zu verschlimmern.“

Auch Fabian Frener, Vorsitzender der Südtiroler HochschülerInnenschaft, ist sich der Problematik bewusst. Er schätzt die Anzahl der Südtiroler Studenten, die in Innsbruck Mietzinsbeihilfe beziehen, auf rund 1.000. Ein großer Teil davon würde die neuen Voraussetzungen nicht erfüllen und somit leer ausgehen. „Persönlich finde ich es eine Schweinerei, dass sich Innsbruck stets als Universitätsstadt rühmt, aber Schritt für Schritt alle finanziellen Förderungen, von denen auch Studenten profitieren, abbaut.“

Frener kritisiert neben den teuren Mieten auch das für Innsbruck „unverhältnismäßig teure“ Semesterticket und die einseitige Politik: „Leider gehen die meisten unserer Mitglieder während des Sommers einem Ferialjob nach. Es wird deshalb schwierig für uns, unmittelbar in Innsbruck Maßnahmen zu ergreifen.“

In Südtirol scheint die Wohnsituation für Studenten hingegen relativ gut geregelt zu sein. „Es gibt hier derzeit ein gutes Stipendiensystem. Die Stipendien der Provinz Bozen ermöglichen sehr vielen jungen Südtirolern ein Universitätsstudium. Viele könnten es sich ohne Beihilfe nicht leisten.“ Der Vorsitzende der Südtiroler Hochschülerschaft bemängelt aber, dass die Stipendien nun seit Jahren nicht mehr den inzwischen gestiegenen Lebenserhaltungskosten angepasst worden seien. „In einer Stadt wie Bozen würde eine Mietzinsbeihilfe für Studenten durchaus Sinn ergeben“, so Fabian Frener.

Er rät allen angehenden Studenten, den Studienort nicht nach den angebotenen finanziellen Förderungen auszuwählen. Dennoch sollte man sich frühzeitig über den Studienort informieren, da man eine wichtige Zeit seines Lebens dort verbringen werde und der Wechsel in andere Universitätsstadt oft schwierig und umständlich sein könne.

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