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    „Verkrusteter Apparat“

    „Verkrusteter Apparat“

    Wie Paul Köllensperger dem Problem mit den fehlenden Ärzten Herr werden will – und wo für ihn die größten Problemfelder liegen.

    TAGESZEITUNG Online: Herr Köllensperger, wie akut ist der Ärztemangel in Südtirol?

    Paul Köllensperger: Der Ärztemangel stellt nicht nur Südtirol, sondern ganz Europa vor eine große Herausforderung. Für Südtirol muss es oberstes Ziel sein, auch in Zukunft ein gut funktionierendes und allgemein zugängliches öffentliches Gesundheitswesen anzubieten. Dafür braucht es gut ausgebildete Ärzte. Der Ärztemangel wird dazu führen, dass in den peripheren Krankenhäusern nur mehr bestimmte Dienste angeboten werden können. Die lukrativen Dienste werden immer mehr von den Privaten übernommen. Deshalb ist ein Eingreifen der politischen Hand dringend nötig.

    Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf?

    Südtirol muss erstens festlegen, in welche Richtung das Gesundheitswesen gehen soll. Wenn ein Arzt nicht weiß, ob es das Krankenhaus Sterzing in ein paar Jahren noch geben wird: Warum soll er dann nach Sterzing gehen? In der Schweiz, in Deutschland oder Österreich verdienen Ärzte viel mehr als in Südtirol – und das Leben ist bei uns teurer als in anderen italienischen Regionen. Ein Primar bekommt bei uns so viel wie ein deutscher Oberarzt. Weiters müssen die Bürokratie und die Zettelwirtschaft bekämpft werden. Der Verwaltungsapparat im Sanitätsbetrieb ist viel zu starr und verkrustet. Dessen Reform hätte man schon in der ersten Hälfte der Legislatur angehen sollen. Zudem sollte man für die Ärzte in Südtirol Forschungsanreize schaffen.

    Sie haben bereits Anträge im Landtag eingebracht …

    Ein angenommener Antrag sieht die Ansiedlung von jungen Hausärzten in Altersheimen in strukturschwachen Gebieten vor. Die Hausärzte sollen mehr ambulante Tätigkeiten übernehmen und damit das Krankenhaus entlasten. Gemeinschaftspraxen von Jungätzten sollen stärker gefördert werden. Zudem habe ich gefordert, die Zweisprachigkeitspflicht für die ersten drei Jahre auszusetzen – dieser Antrag wurde aber abgelehnt.

    Interview: Matthias Kofler

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