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Die verschwundene Million

05-GERICHT3In einem Prozess am Landesgericht beantragt die Staatsanwaltschaft Haftstrafen gegen vier Unternehmer aus dem Vinschgau. Sie sollen beim Verkauf einer Holzvergasungsanlage eine Firma aus dem Trentino betrogen haben.

von Thomas Vikoler

Das Produkt, das die Firma Bio Energy (BE) aus Schlanders, auf den italienischen Markt bringen wollte, war offenbar nicht sehr ausgereift. Dafür aber teuer. Rund zwei Millionen Euro kostete eine der in Deutschland hergestellten Holzvergasungsanlagen, von denen Bio Energy insgesamt vier verkaufte.

Lediglich eine – sie steht in Burgeis und wird von einem fähigen Techniker betreut – erbringt halbwegs die versprochene Leistung.

Die Anlage, welche an eine Firma aus dem Nonstal verkauft wurde (Bimo Srl), funktionierte ebenfalls nicht richtig, ist dafür aber mit einem großen Betrugsfall verbunden. Es geht um die stattliche Schadenssumme von einer Million Euro.

Der Prozess gegen die mutmaßlichen Betrüger am Landesgericht Bozen steht vor dem Abschluss, ausständig ist nur mehr das Urteil. Bei der gestrigen Verhandlung im Rahmen eines verkürzten Verfahrens beantragte Staatsanwalt Markus Mayr für vier Unternehmer aus dem Vinschgau mehrmonatige Haftstrafen: Acht Monate für Paul Hauser, 34, dem Verwalter der Firma Bio Energy, und jeweils sechs Monate Haft für die beiden Gesellschafter Bernhard Wellenzohn, 55, und Klaus Mayr, 53, beide aus Schlanders. Für einen weiteren Gesellschafter, Florian Schwembacher, beantragte der Staatsanwalt einen Freispruch. Die Verteidigten forderten einen solchen für alle vier Angeklagten.

Die Firma Bio Energy ist inzwischen bankrott, zum Zeitpunkt des mutmaßlichen Betrugs muss sie sich in finanziellen Schwierigkeiten befunden haben. Denn die Firma aus Schlanders und die Bimo Srl aus dem Nonstal hatte im Kaufvertrag für die Holzvergasungsanlage Folgendes vereinbart: Zunächst musste Bimo eine Anzahlung in der Höhe von 1,2 Millionen Euro leisten. Sobald die Bankgarantie für den vollen Kaufpreis – zwei Millionen Euro – vorlag, sollte Bio Energy die Anzahlung zurückzahlen.

Das ist aber laut Anklageschrift nicht geschehen. Die Firma aus Schlanders nutzte die Anzahlung, um anderweitige finanzielle Löcher zu stopfen.

Und die Bankgarantie? In einem Zivilverfahren gelang es der Bimo Srl, die Auszahlung der zwei Millionen Euro an Bio Energy zu verhindern.

Der Gesamtschaden des vermeintlichen Betrugs wird in der Anklage auf eine Millionen Euro beziffert. Teilweise soll er bereits von Gesellschaftern beglichen worden sein.

 

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