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    „Rabenschwarzer Tag“

    „Rabenschwarzer Tag“

    Großbritannien votiert knapp für den Brexit. Die Grünen sehen Europa steht vor seiner bisher größten Herausforderung, mit Folgen auch für Südtirol.

    Eine denkbar knappe Mehrheit der abstimmenden Briten hat für den Brexit optiert, sodass einer der wichtigsten Staaten von weltweiter Ausstrahlung der EU den Rücken zukehrt; der Ausstieg wird in wenigen Jahren besiegelt sein.

    „Gesiegt haben begründete Sorgen“, schreiben die Südtiroler Grünen in einer ersten Reaktion, „vor allem aber von Lügen geschürte Ängste und Abschließung. Die Sieger sollten sich nicht vorschnell freuen, denn die wirtschaftlichen Folgen werden ebenso gravierend ausfallen, wie die politische und kulturelle Isolation.“

    Die Zuwanderung werde damit nicht gestoppt, die Handlungsfähigkeit Englands in viele Richtungen beeinträchtigt. Es sei bitter, dass eine große Nation, die den Kontinent seit Jahrhunderten angeregt hat, die für Demokratie, liberale Rede- und Meinungsfreiheit einsteht ebenso wie für offenen Lebensstil, sich nun absondert. Die EU, ihre Institutionen in Brüssel, vor allem aber die Staaten und der Europäische Rat würden den Weckruf schockiert zu Herzen nehmen.

    „Europa, das als Friedensgemeinschaft und Wirtschaftsunion in bald 60 Jahren große Fortschritte erzielt hat, aber auch bürokratisch und bürgerfern erstarrt und vielfach zum Spielfeld der Eliten verkommen ist, braucht eine neue Begründung.“, finden Brigitte Foppa und Co., und zwar: „Weit mehr Demokratie und soziale Gerechtigkeit, weniger Extratouren der Nationalstaaten, einen Stopp von neoliberaler Deregulierung und Sozialabbau auf Kosten von Millionen Bürgerinnen und Bürgern. Falls Europa nicht zum Spielball von Eliten und Populisten verkommen soll, mit weiteren Sondertouren, in der Sorge vor deutscher Dominanz, benötigt es durchgreifend erneuerte Perspektiven.“

    Für Südtirol sei ein erneuertes und weltoffenes Europa lebenswichtig: Der spürbare Abbau der Grenzen, aber auch sein Wohlstand, zumal im ländlichen Raum, verdanke sich wesentlich dem Einigungsprozess. Sie wiegen mehr als die Umweltbelastung, zumal durch den entfesselten Transit, mehr als die bürokratische Überregulierung.

    Unser Land könne sich ein Europa der Sonderwege und der Abschließung nicht wünschen: das sog. „Europa der Völker“ sei nur begrenzt Ausdruck von Bürgernähe, sondern oft nur eine neue Form scharfer Abgrenzung von den „Anderen“. Wenn in der schmerzlichen Rosskur des „Brexit“ ein Sinn liege, so nur in einer gründlichen Kurskorrektur Europas hin zu einem demokratischen, sozialen und weltoffenen Projekt des 21. Jahrhunderts.

    „Dies“, so die Grünen, „ist der einzige Weg, den der Brexit aber nicht fördert, sondern länger und schwieriger macht.“

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    Kommentare (14)

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    • franz

      „Weit mehr Demokratie und soziale Gerechtigkeit, weniger Extratouren der Nationalstaaten, einen Stopp von neoliberaler Deregulierung und Sozialabbau auf Kosten von Millionen Bürgerinnen und Bürgern
      Genau das ist es zu wenig Demokratie und Verordnungen von oben Rücksicht auf den Mitgliedstaaten bzw. deren Bürger zu nehmen. Besonders zum Thema Immigration trifft das zu..Wenn die EU nicht imstande ist ihre Außengrenzen und somit ihre Bürger zu schützen, müssen eben die Innengrenzen kontrolliert bzw. geschlossen werden.
      Unbegrenzte unkontrollierte Immigration wie es Grüne und Linke fordern, darf es nicht geben
      Bürger nähe ist die Meinung der Bürger zu respektieren und in deren Interesse zu handeln. und nicht genau das Gegenteil dessen zu tun was das Volk die Bürger fordern.
      Vorschläge der EU-Kommission, jene Mitgliedstaaten, die keine Flüchtlinge aufnehmen, mit Strafzahlungen zu belegen, dazu übt der österreichische Außenminister Kurz heftige Kritik: „Wenn wir die EU zerstören wollen, dann ist das ein sinnvoller Weg“.

    • zusagen

      Jetzt mal abwarten was auf Großbritannien zukommt. Das könnte einige zurückschrecken die glauben mit einem Austritt wird alles besser. So einheitlich war die Abstimmung nicht. Was ist mit jenen die in der EU bleiben möchten. Kommt es zum großen Bruderkampf?

    • andreas

      GB hat die EU seit Jahrzehnten vor sich hergetrieben und die EU ist wegen der angeblichen Wichtigkeit von GB immer wieder eingeknickt. Wenn die Briten nun selbst entschieden haben zu gehen, soll es halt so sein, wenigstens hören diese ewigen Kuhhandel und Bevorzugungen auf.
      Nebenbei bin ich überzeugt, das der Austritt von den Briten rückgängig gemacht wird. Heute spüren sie die ersten wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Entscheidung und wenn jetzt Banken und Unternehmen, welche GB als Eintrittsland in die EU gesehen habe, abziehen, werden noch einige Befürworter Augen machen wie schnell wirtschaftlicher Abstieg gehen kann.
      GB hat sich isoliert, Obama sagte Ihnen z.B., dass sie keine Bevorzugung bei Handelsabkommen zu erwarten haben, ich denke die Briten haben ihre Wichtigkeit etwas überschätzt und werden noch überrascht sein wie schwierig es als unwichtiger kleiner Verhandlungspartner sein kann.

      • issy

        Ob der Austritt durch die Briten wieder rückgängig gemacht wird, hängt davon ab, ob die EU zerfällt oder nicht.
        Wenn Leute wie Juncker und wohl auch Merkel weiterhin an verantwortungsvollen Stellen agieren dürfen, dann sehe ich eher schwarz.

        Witzig ist übrigens immer wieder wenn Grüne unrealistische Ideale proklamieren und sich danach echauffieren, wenns nicht machbar ist.
        Ich habe sowieso den Verdacht, dass Grüne so vehement für offene Grenzen sind, weil sie insgeheim wissen, dass das einen enormen Rechtsruck verursacht.
        Und das Erfüllenste für einen Grünen ist wohl, sich dann als Helden aufspielen zu können, so a la Freiheitskämpfer, der sich dann im Kampf gegen die Nazis beweisen kann…

      • issy

        Ob der Austritt durch die Briten wieder rückgängig gemacht wird, hängt davon ab, ob die EU zerfällt oder nicht.
        Wenn Leute wie Juncker weiterhin an verantwortungsvollen Stellen agieren dürfen, dann sehe ich eher schwarz.

        Witzig ist übrigens immer wieder wenn Grüne unrealistische Ideale proklamieren und sich danach echauffieren, wenns nicht machbar ist.
        Ich habe sowieso den Verdacht, dass Grüne so vehement für offene Grenzen sind, weil sie insgeheim wissen, dass das einen enormen Rechtsruck verursacht.
        Und das Erfüllenste für einen Grünen ist wohl doch, sich dann als Helden aufspielen zu können, so a la Freiheitskämpfer, der sich dann im Kampf gegen die Nazis beweisen kann…

        • yannis

          issy
          24. Juni 2016 um 13:43

          Stimme Dir zu ! insbesondere bezüglich der Grünen.
          >>>Wenn Leute wie Juncker weiterhin an verantwortungsvollen Stellen agieren dürfen, dann sehe ich eher schwarz.<<<

          Nicht nur Juncker, auch Merkel, Schulz und weitere Konsorten..

          Die Ursache der Ergebnisses liegt nicht in London, sondern in Berlin*) und Brüssel.
          *) Immigrationspolitik.

          • josef.t

            Die Ursache der Ergebnisses liegt nicht in der Stadt
            „London“ ,sondern in den ländlichen Gebieten……..
            Was “ Nationalistisches Gedankengut “ bedeutet,
            erfuhren wir zur Genüge in den letzten
            Jahrhunderten…..

      • yannis

        >>>Obama sagte Ihnen z.B., dass sie keine Bevorzugung bei Handelsabkommen zu erwarten haben<<<

        Nur ist der "Obama" bereits so gut wie Geschichte, das was dieser gesagt hat interessiert in den USA schon jetzt niemand.

    • ft

      Die dumme Hälfte des Volkes hat an die Lügen der Brexit Jünger geglaubt. Nun werden sie draufkommen was sie erwartet. England produziert, ausser Whisky nichts was auf der Welt eine Namen hat.Sogar Rolls Royce gehört der BMW. Die Briten lebten jahrhundertelang von ihren Raubzügen in der ganzen Welt. Heute leben sie in einem verstaubten, heruntergekommenen Land, das ausser Gas (gehört eigentlich den Schotten) und Finanzgauklereien nichts hervorbringt. Der Rest muss alles importiert werden. Da das Pfund den Bach runtergeht, wird alles teurer. Die Wirtschaft geht in die Rezession. Das ist die
      Quittung. Es würde mich nicht wundern wenn sie in einem Jahr wieder in die Eu aufgenommen werden wollten. Aber das wäre absolut zu verhindern.Die sollen bleiben wo der Pfeffer wächst.

    • franz

      ft
      Welche Häfte des Volkes dumm ist steht noch nicht fest: Wer lügt ist auch nicht so eindeutig,festzustellen. zumindest zum Thema Brexit.
      Großbritannien wird das überstehen und die Briten haben eine starke Währung im Schengen sind sie ohnehin nicht. Wenn si e die Immigration selbst regeln haben sie nur einen großen Vorteil. Für Italien hätte ein Austritt schwerwiegendere Folgen. Dann könnten Verwalter von Auffanglagern – mit System “ mafia capitale“ nicht mehr Immigranten am Brenner durchwinken. ( und weiterhin von den selben Immigranten die 35 € zu kassieren. )
      http://palermo.repubblica.it/cronaca/2016/06/22/news/mafia_capitale_numero_di_migranti_gonfiati_al_cara_di_mineo_sei_indagati-142543602/
      Den Rest werden die Briten mit Handelsabkommen regeln.
      Auch in der Schweiz funktioniert das.
      Die linken und grünen Populisten in Brüssel und Rom werden einsehen müssen, dass sie die Sorgen und Wünsche der Mitgliedsstaaten und deren Bürger respektieren sollten, wollen sie nicht den Ast absägen auf den sie selbst sitzen.

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