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Die Zweiklassen-Medizin

Die Zweiklassen-Medizin

Die Freiheitliche Tamara Oberhofer warnt: Die Privatisierungswelle im Sanitätswesen sei der Beweis für die Zweiklassenmedizin in Südtirol.

„Die eigene Gesundheit ist dem Menschen heutzutage wichtiger denn je, auch weil das Wissen um mögliche Erkrankungen und stark beworbene Präventionsinitiativen den Menschen zur höchsten Vorsicht erziehen“, schreibt die Freiheitliche Landtagsabgeordnete Tamara Oberhofer in einer Pressemitteilung einleitend.

„Die über die Jahre hinweg entstandenen Mängel im Sanitätswesen sind vielen Bediensteten bestens bekannt und es darf nicht abgestritten werden, dass einen Großteil der Schuld die Politik trägt. Zu lange hat man Reorganisationen und Umstrukturierungen gescheut. Diese politische Schwäche nutzen nun viele Ärzte und eröffnen Privatkliniken und Privatpraxen. Mit leistbaren Behandlungen, einer individuellen Termingestaltung und vielen Zusatzangeboten mehr, soll den Mängeln, welche vor allem in den großen öffentlichen Krankenhäusern beklagt werden, entgegengewirkt werden“, stellt Oberhofer fest. Dass die Bürger private Angebote vermehrt nutzen werden, das ist sicher. Inwiefern diese Dienstleistungen jedoch auch für den breiten Mittelstand leistbar sein werden, darüber herrscht Unklarheit.

„Tatsache ist, dass der Mensch immer stärker auf Individualisierung, Vertrauen und Sicherheit setzt, aber auch auf Betreuung mit Herz. Dies sind Eigenschaften, die derzeit an unseren peripheren Krankenhäusern außerordentlich geschätzt werden, vor allem an den Geburtenstationen. Aber wie lange wird man dort die Zeit für diese menschlichen Dienstleistungen haben, wenn die großen Krankenhäuser terminlich aus allen Nähten platzen? An dieser Stelle ist es mir wichtig zu betonen, dass die oftmals vermisste Wärme an den großen Krankenhäusern nicht dem Personal zugeschrieben werden darf, das wäre nicht korrekt. Es ist die Belastung, die vieles einfach zeitlich nicht mehr zulässt“, meint die Freiheitliche.

„Die derzeitigen Entwicklungen gefallen mir jedenfalls in dieser Form nicht. Ich lehne nämlich Zweiklassenmedizin strikt ab und dorthin entwickelt sich das Ganze. Um dem Problem entgegenzuwirken, könnte ich mir eine punktuelle Kooperation von privaten und öffentlichen Angeboten im Sanitätswesen vorstellen, denn die Privatkliniken werden als bestehendes Angebot für Menschen, die sich die Behandlungen dort leisten können, ohnehin weiterbestehen. Vor allem die großen Krankenhäuser könnten durch gute Zusammenarbeit aufatmen und das Personal hätte mehr Zeit, um sich intensiver mit den Patienten zu beschäftigen. Zudem kann ich mir vorstellen, dass sich durch die eine oder andere Übernahme von Dienstleistungen sogar Geld sparen ließe“, schlägt Oberhofer vor.

„Sollten jedoch private und öffentliche Strukturen künftig in Konkurrenz stehen, dann wird dies zweifelsohne Folgen für das Ansehen der öffentlichen Krankenhäuser mit sich bringen und die Zweiklassenmedizin wäre somit bestätigt. Auch die Attraktivität der Arbeitsplätze an Südtirols Krankenhäusern, egal ob groß oder klein, könnte zunehmend verloren gehen, sodass dem herrschenden Ärztemangel nicht mehr entgegenzuwirken wäre. Weitere Schließungen einzelner Abteilungen wären somit lediglich eine Frage der Zeit“, befürchtet die Abgeordnete abschließend.

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