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    Seconda visione

    Die „seconda visione“, der Blick zurück, lohnt sich immer. Er kann amüsant sein und erleichtert das Zurechtfinden im Hier und Jetzt

    Heute läuft’s so: Wenn das Möbelstück wackelt – auf den Sperrmüll damit und das nächste her. Wenn das T-Shirt ein Loch hat – in den Mülleimer und das nächste her. Wenn der Film zwei Wochen im Kino war – weg damit und den nächsten her. Schade. So kommt Mundpropaganda nicht zum Zug und Interessierte versäumen gute Filme. In größeren Städten gibt es Kinos, die Filme nachspielen, in Südtirol ist es damit aus und vorbei. Entweder du schaffst es in den zwei Wochen Laufzeit, oder du bist raus. Dann bleibt Streaming oder DVD am Diwan, aber das ist nicht dasselbe. Ich wünsche mir die „seconda visione“. Sondervorführungen für ältere Meisterwerke der Filmgeschichte gibt es, sie schulen Geist und Auge. Wer bewegte Bilder lesen möchte, sollte wissen, wie sich Filmsprache entwickelt hat. Aber das ist eine andere Geschichte. Unsere visuell konditionierte Gesellschaft hätte hier gewaltigen Nachholbedarf. Ich weiß von keiner Pflichtschule, die das Lesen bewegter Bilder im Lehrplan hätte.

    A propos Blick zurück: Kannten Sie Maria Luisa Mangini persönlich? Wenn ja, melden sie sich doch bei Franco Delli Guanti oder Lodovico Maillet (www.lafirmariva.it). Die beiden Filmfachleute aus dem Trentino haben alles zusammengetragen, was es über die Boznerin Mangini gibt und freuen sich über Zeitzeugen. Die am 2. Februar 1931 in Bozen Geborene hat als Schauspielerin Dorian Gray in Rom eine steile Filmkarriere hingelegt, wurde als „Malafemmina“ an der Seite von Totò zu einer Ikone des italienischen Films. Sie hat auch mit Fellini und Antonioni gearbeitet. In den 1960er Jahren zog sie sich ins Familienleben zurück und schied 2011 aus dem Leben. Die Ausstellung, die Delli Guanti und Maillet über sie gemacht haben, ist derzeit im Kulturzentrum Trevi zu sehen. Dort gibt es auch einen Katalog, die Film-DVDs können ausgeliehen werden. Ein Dokumentarfilm ist in Vorbereitung.

    Ausstellung „Chiamatemi Divina. Dorian Gray. Storia di un’attrice dimenticata“ nur noch bis zum 24. Juni im Kulturzentrum Trevi in der Kapuzinergasse 28. Eintritt frei

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