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    „Wir sind die Baby-Gang“

     

    Sie nannten sich so, wie sie von den Medien betitelt wurden und sorgten in Bozner Schulhöfen und Supermärkten seit Februar für Angst und Schrecken. Die Polizei verkündet die Zerschlagung einer multiethnischen Jugendbande, zwei Mitglieder sind in Haft.

    Von Thomas Vikoler

    Vielleicht hätten einige von ihnen, sofern sie sie nicht schwänzten, in der Schule besser aufpassen sollen. Ab dem vollendeten 14. Lebensjahr ist man in Italien strafmündig, es greift, bis zur Erreichung der Volljährigkeit, das Jugendstrafrecht.

    Gegenüber der Polizei sagten sie etwas anderes: „Was wollt Ihr? Ich könnt uns eh nichts tun, wir sind minderjährig“.

    Tatsächlich waren etliche mutmaßliche Mitglieder der 15-köpfigen Bozner Jugendbande, deren Zerschlagung Jugend-Staatsanwältin Donatella Fava und Exponenten von Polizei, Carabinieri und Stadtpolizei vermeldeten, unter 14 Jahre alt und somit nicht schuldfähig. Maßnahmen gegen sie wurden aber dennoch verhängt: Sechs von ihnen wurden per richterlichem Beschluss von ihren Familien entfernt und in geschützten Einrichtungen untergebracht.

    Zwei Jugendliche, beide 15 Jahre alt, befinden sich seit wenigen Tagen im Jugendgefängnis von Treviso. Sie waren, wie berichtet, zunächst in ein Heim außerhalb der Provinz gebracht worden. Weil sie dort gegen die Regeln verstießen, beantragte Staatsanwältin Fava Haftbefehl, der nun vollstreckt wurde.

    Bald soll Anklage gegen die beiden Burschen wegen Erpressung und Raub erhoben werden. Zusammen mit anderen identifizierten Jugendlichen sollen sie für einen Zwischenfall in der Bozner Gutenberg-Berufsschule verantwortlich sein. „Sie wollten von einem etwas älteren Schüler Geld, verprügelten ihn, und haben in bis in den Schulhof verfolgt“, berichtet Anklägerin Fava.

    Der Raub soll sich in einem Bozner Supermarkt ereignet, die Täter hätten Messer bei sich gehabt.

    Insgesamt 30 Straftaten werden den Mitgliedern der Jugendbande zugerechnet: Gewaltsame Attacken gegen andere Jugendliche, die Erstürmung des Schulhofs einer Mittelschule, gegen welche auch die Schulwarte nichts ausrichten konnten, der Diebstahl von Decken im Baumarkt Eurobrico in der Avogardo-Straße, mit denen sich einige Jugendliche in Gartenhäuschen des Geschäfts schlafen legten. Der letzte Zwischenfall, eine Schlägerei im Pestalozzi-Park, liegt wenige Tage zurück.

    Mit der Attacke gegen einen Jugendlichen im Wohnquartier Casanova, bei der ein Hund gestohlen wurde, hat die mutmaßliche Bande übrigens nichts zu tun.

    Ihre Mitglieder sind durchaus zur Ironie fähig. Medien hatten wiederholt von Zwischenfällen mit Jugendgruppen berichtet und sie als „Baby Gang“ bezeichnet. Die nun aus dem Verkehr gezogene Bande begrüßte die Polizei bei einem Zusammentreffen vor einem Despar-Supermarkt mit dem Satz: „Hey, wir sind die Baby Gang“.

    Die wiederholten Provokationen gegen Ordnungshüter mögen ein weiterer Grund für die gestrige Pressekonferenz am Bozner Jugendgericht sein. Normalerweise geben sich die Ermittler in Sachen Jugendkriminalität äußerst bedeckt. In diesem Fall werden, wie vorgeschrieben, die Anonymität der Betroffenen gewahrt, die Ermittlungserfolge aber detailliert geschildert.

    Zu den Ermittlungsakten gehört ein von einem Jugendlichen aufgenommenes Handy-Video, das eine heftige Drohung gegen einen Schüler zeigt. Der Täter ist elf Jahre alt. „Nicht selten wurden die Jüngeren von den etwas Älteren angestiftet“, sagt Stefano Mamani von der Bozner Quästur.

    Auffallend ist die Zusammensetzung der mutmaßlichen Jugend-Gang: Multiethnisch, Buben und Mädchen, wohnhaft in verschiedenen Bozner Stadtvierteln. Auf welche Weise sie zu einer Gruppe zusammenfanden, wissen die Ermittler nicht. Nur, dass sich seit Februar die Zwischenfälle häuften, die von ihnen bald in einen Zusammenhang gestellt wurden: „Baby Gang“.

     

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    Kommentare (1)

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    • watschi

      In manchen Fällen müsste man das Verbot der Prügelstrafe für eine kurze Zeit ausser Kraft setzen, damit sich die Bürger selbst wehren kònnen. Wenn einem Minderjährige angreifen ist man machtlos; eine Watschn genügt und man hat eine Vorstrafe.

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