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    Julieta

    Die Filmsprache des spanischen Regisseurs Pedro Almodóvar ist unverwechselbar. Er ist ein Perfektionist. Auch bei „Julieta“.

    von Renate Mumelter

    Unter den Titeln des Vorspanns bewegt sich etwas Knallrotes, sanft Atmendes. Es lässt an die Abstraktion eines weiblichen Geschlechts denken. Ist es computeranimiert, tote Materie, lebendig? Die Kamera geht auf und liefert eine einfache Erklärung: es ist weicher, roter Stoff, Teil eines Kleides, in dem die Hauptfigur Julieta steckt. Sie ist gerade beim Packen, wird mit ihrem Lebensgefährten von Madrid nach Portugal ziehen. Mitten in diesen Vorbereitungen trifft sie zufällig auf eine wesentlich jüngere Bekannte aus früheren Zeiten, und es wird alles anders. Rückblende in Julietas Jugend. Bei  Rückblenden wird es in den meisten Filmen heikel, denn zu oft wirken sie wie unbeholfene Stützen, die nur den Erzählfluss stören. Bei Almodóvar ist das nicht der Fall.

    Schritt für Schritt wird das Geheimnis, das Julietas Gegenwart bestimmt, entschlüsselt. In der Jugend wird Julieta von Adriana Ugarte dargestellt, im mitteleren Alter von Emma Suárez. Sehr gekonnt verflicht Almodóvar die beiden Figuren mit wenigen Kunstgriffen.

    Er ist ein Meister der Perfektion. Klare Bilder, das Spiel starker Farben, gezielt eingesetztes Licht, Kostüm und Maske sehr durchdacht. Die Reise durch die Vergangenheit ist langsam, manchmal quälend langsam  aber auch spannend, im Grundton zurückhaltend melodramatisch. Gegen Ende des Films werden im Saal Taschentücher gezückt. Schräg komisch oder gar sarkastisch ist Almodóvar diesmal nicht. Er erzählt eine Muttergeschichte, nicht seine erste übrigens, eine Geschichte von Frauen, von Verantwortung, von Traurigkeit und vor allem von Schuld.

    Wieviel im Leben können wir selbst bestimmen, was ist Prägung, was Fatum, was Fügung, wo beginnt Schuld? Am Ende ist jeder für sich allein. Fast. Sagt Almodóvar.

    Julieta (E 2016), 96 Min., Regie: Pedro Almodóvar. Drehbuch nach Erzählungen von Alice Munro.

    Mit Elma Suárez und Adriana Ugarte. Bewertung: Ein zurückhaltender Almodóvar, sehenswert

    Was es sonst noch gibt: „Vor der Morgenröte“ von Maria Schrader mit Josef Hader, „Mängelexemplar“ mit Lola-Gewinnerin Laura Tonke (Meran), „La pazza gioia“ von Paolo Virzì

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