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    Brennerdoktor Rizzolli

    Brennerdoktor Rizzolli

    Der Bozner Rudolf Rizzolli ist der Vorstandvorsitzende von Deutschlands größtem Autovermieter Sixt Leasing. Auf seinen Doktortitel muss er künftig aber verzichten.

    Der Bozner Manager Rudolf Rizzolli hat in Deutschland eine glänzende Karriere auf das Parkett gelegt. Von 2008 bis 2012 war er als Sprecher der Geschäftsleitung der Hülpert-Gruppe, einer der größten Autohandelsgruppen in Deutschland, tätig. Von 1998 bis 2007 betreute er bei der Boston Consulting Group in Deutschland und in Indien eine Vielzahl von Projekten bei Unternehmen unterschiedlicher Größe. Seit 2012 ist er Vorstandsvorsitzender von Deutschlands größtem Autovermieter Sixt Leasing, den er im vergangenen Jahr erfolgreich an die Börse gebracht hat.

    Doch jetzt hat er ein Problem, das in deutschen Medien für einigen Wirbel sorgte. Rizzolli führte jahrelang einen Doktortitel, obwohl er in Deutschland dazu nicht berechtigt war. Im Börsenprospekt des Unternehmens steht zu lesen: „Dr. Rizzolli erwarb seinen Doktor der Betriebswirtschaft an der Universität Luigi Bocconi.“

    Was für Italien stimmt, stimmt in Deutschland nicht. Rizzolli hat 1998 an der Mailänder Università Commerciale Luigi Bocconi den Abschluss „Dottore in Economia Aziendale“ erworben. In Südtirol wird dieser als „Dr.“ ins Deutsche übertragen und benutzt.

    In Deutschland hingegen darf den Doktortitel nur führen, wer eine Promotion abgelegt hat. Rizzollis Mailänder Abschluss hingegen entspricht in Deutschland einem Diplom. Kurz: Der italienische Titel „Dottore“ berechtigt in Deutschland nicht, den Titel „Dr.“ zu führen. Laut Strafgesetzbuch kann das unerlaubte Führen eines akademischen Grades mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit einer Geldstrafe bestraft werden.

    Dem „Handelsblatt“ gegenüber räumte Rizzolli seinen Fehler ein und kündigte an, sich in Zukunft an deutsches Recht zu halten. Das Problem mit den Doktortiteln ist unter Akademikern als „Brennerdoktor“ bekannt.

    Es gibt sogar einen eigenen Eintrag bei Wikipedia dafür. „Brennerdoktor ist eine Bezeichnung für Südtiroler Akademiker, die aufgrund eines Studienabschlusses auf Bachelor- oder Masterniveau den Doktortitel führen, obwohl keine Promotion erfolgt ist“, erklärt das Onlinelexikon.

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    Kommentare (11)

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    • turad

      „…wird in Deutschland der Missbrauch von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen gemäß § 132a StGB mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe geahndet.[28] In Österreich ist die unberechtigte Führung akademischer Grade und Titel gemäß § 116 Universitätsgesetz eine mit einer Geldstrafe von bis zu 15 000 EUR zu ahndende Verwaltungsübertretung, wenn nicht zusätzlich ein gerichtsrelevanter Straftatbestand gegeben ist.“ Quelle: Wikipedia.

      Eine absolute Lächerlichkeit, dass in Südtirol diese Titelanmassung geduldet wird! Im öffentlichen Dienst und in der Landesregierung sollte diese falsche Führung von Titeln sofort eingestellt werden. Nur weil es schon immer so war, sollte dies nicht geduldet werden.

    • gredner

      Wie sieht es übrigens mit DDr Christof Perathoner aus?
      Siehe http://www.nwv.at/autoren/christoph_perathoner_llm/

    • ft

      Die ganzen Neidhammel sind wieder unterwegs. Wenn man sonst dem Gegner
      nichts ans Bein pinkeln kann, dann versucht man sich mit Erbsenzählerei.
      In Deutschland gelten deutsche Gesetze, die betreffen uns hier nicht. Und kein italienischer Richter wird jemals etwas auszusetzen haben wenn jemand eine laurea einer italienischen Universität besitzt. Es handelt sich laut ital. Gesetz um keine Titelanmassung. Viel Lärm um nichts.

    • yannis

      >>>Und kein italienischer Richter wird jemals etwas auszusetzen haben<<<

      In DE gilt DE Recht und da entscheiden nicht IT Richter über Dinge und Leute die mit dem DE Gesetz in Konflikt sind, sondern DEUTSCHE Richter.

    • wollpertinger

      Die EU hat es nicht einmal geschafft, die akademischen Studientitel in Europa zu vereinheitlichen.

    • checker

      So ein unwichtiges Thema… Europa geht gerade vor die Hunde und den Menschen fällt nichts Besseres ein als über Titel zu diskutieren. Aber die werden nichts nützen wenn die Wirtschaft am Boden ist und die Taschen leer sind.
      Aber im Land der Regeln und Lebenslaufanalytiker ist sowas natürlich ein Kapitalverbrechen.
      Ich würde die Titel ganz abschaffen dann hat sich die Diskussion und die Leute würden sich wieder auf die Inhalte konzentrieren.
      Vielleicht finden sie ja noch eine Lücke im Lebenslauf, mit 2 Monaten die nicht belegt sind. Die Italiener sind solche Gauner, wussten wir ja immer schon…

    • wollpertinger

      Titel abschaffen ist eine Supersache. Dann kann ich morgen Primar im Krankenhaus werden. Wer meldet sich freiwillig für meine erste Blinddarmoperation?

      • george

        @wollpertinger
        Die zuständige europäische wissenschaftliche Gesellschaft hat die Titel durch das Abkommen im Bolognaprozess vereineinheitlich, nur die einzelnen Staaten, allen voran Italien, haben diese Ordnung bis heute nicht nachvollzogen. Wahrscheinscheinlich gibt es in den einzelnen Gremien und Regierungen viel zu viel Pseudodoktoren, die das nicht begreifen oder begreifen wollen und sich dauernd als „Dr.“ sehen wollen und sich darin allzu viel aufspielen.

    • drago

      Vorausgeschickt sei, dass Italien einer der wenigen Staaten in Mitteleuropa war, der nur einen Studienabschlusstitel hatte, nämlich die „laurea“, die dazu berechtigte, den Titel „dott.“ zu tragen. Österreich z.B. hatte mindestens drei Titel für die fünfjährigen Uni-Studien, darunter übrigens auch mind. ein Doktoratsstudium (also ohne Zwischenstation eines Diplom- oder Magistratstitel). Was darüberhinaus den technischen Bereich angeht, so gibt es die Titel „Dr. Arch.“, „Dr. Ing.“ usw. weder in Deutschland noch in Österreich. Der Doktoratstitel ist dort „Dr. Techn.“, womit wahrscheinlich auch kein Grund für eine Titelanmaßung vorliegt, da es die angemaßten Titel dort nicht gibt (aber das kann sich jemand ev. vor Gericht ausstreiten). Abgesehen von der ungeheuren Wichtigkeit dieses Themas, das bereits vor Jahren von einem Leserbriefschreiber der „Dolomiten“ vorangetrieben wurde (er war empört darüber, dass sein in der Schweiz an einer Fachhochschule erworbener Titel in Italien nicht anerkannt wurde), dürfte das Ganze, sollte sich die Landesregierung zu einer Regelung durchringen, ausgehen wie das Hornbacher Schießen. Die „periti“ haben es schon vor langer Zeit vorgemacht: als ihnen durch die Ingenieurskammern gerichtlich verboten worden war, den Titel „Fach. Ing.“ zu führen („ing.“ ist in Italien nur den Ingenieuren mit Universitätsabschluss und Staatsprüfung vorbehalten) und der Titel „Fachtechniker mit Maturaabschluss“ kein Appeal hatte, wurde beschlossen auch im deutschen Sprachgebrauch das Titelkürzel „p.i“ („p.e“ und so weiter) zu verwenden. Es dürfte also zu den Titeln (sowohl in Deutsch als auch in Italienisch) „dott. arch.“, „dott. ing.“ usw. kommen. Oder noch kürzer „arch.“, „avv.“. Damit dürften endlich alle zufrieden sein. 🙂

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