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    Türsteher sieht rot

    Vor der Diskothek Exklusiv in Lana ist es am Freitag zu einem Übergriff von Neonazis auf Jugendliche gekommen. Der Türsteher soll mit einem Schraubenschlüssel auf die Angegriffenen losgegangen sein. DAS VIDEO.

    von Artur Oberhofer

    Bei der Antifa Meran (Antifaschistische Aktion) zeigt man sich fassungslos.

    Am vergangenen Freitag soll es vor der Diskothek Exklusiv in Lana zu einem gewalttätigen Übergriff durch Neonazis gekommen sein. Und: Der Türsteher soll mit einem Schraubenschlüssel auf die Angegriffenen losgegangen sein. „Es kann nicht sein, dass der Sicherheitsdienst selbst zum Unsicherheitsfaktor wird“, so die Antifa.

    Was ist geschehen?

    Laut Antifa sei es bereits im Lokal zu Anfeindungen der Neonazis gegen eine Gruppe „anders gesinnter Jugendlicher“ gekommen.

    Eine Gruppe von 10 bis 15 Neonazis habe sich dann gegen 04.00 Uhr morgens vor dem Lokal positioniert, um auf die Jugendlichen zu warten.

    Beim Versuch, geschlossen das Gelände zu verlassen und den Heimweg anzutreten, seien die Jugendlichen von den Neonazis mit Heil-Hitler-Grüßen empfangen worden.

    Laut Antifa seien die Neonazis zwischen 16 und 25 Jahre alt und stammten aus dem Raum Tisens, Prissian und Völlan. Vor der Diskothek Exklusiv sei es in der Folge zu einer Schlägerei gekommen, in die auch ein älterer Neonazi (H. M. aus Algund) verwickelt gewesen sei. H. M. sei im Jahr 2008 im Zuge der Operation „Odessa“ verhaftet worden.

    Bei dem gewalttätigen Übergriff habe einer der Neonazis einem jungen Mann derart fest ins Gesicht geschlagen, dass die Glassplitter seiner Brille die Haut rund um das Auge aufschlitzten. Er habe mit 14 Stichen im Krankenhaus genäht werden müssen.

    „Skandalös und absolut nicht nachvollziehbar ist zudem die Rolle, die einer der beiden Türsteher im weiteren Verlauf spielte“, so die Antifa.

    Während die beiden Türsteher zunächst noch versuchten, die Situation (mit zwei Schlagstöcken bewaffnet) zu schlichten, habe einer der Türsteher dann Partei ergriffen – nicht für die angegriffenen Jugendlichen, sondern für die Neonazis.

    Dieser Türsteher habe die Jugendlichen „in aggressiver Weise“ aufgefordert, das Gelände zu verlassen, woraufhin diese dann den Heimweg antraten.

    Während sie mehrere hundert Meter entfernt versuchten, ein Taxi zu organisieren, sei laut Antifa „das Unfassbare“ geschehen.

    Ein Beteiligter schildert:

    Der Türsteher hat uns mit seinem Privatauto verfolgt, das Auto mitten auf der Straße stehen lassen und uns mit einem großen Schraubenschlüssel aus Metall bedroht. Er schubste die Leute herum und verteilte Fausthiebe mit seinen Lederhandschuhen. Sogar die minderjährigen Jugendlichen wurden von ihm massiv bedroht.

    Nachdem er bemerkt hatte, dass einige Personen den Vorfall filmten, hat er uns angeschrien und uns gedroht, dass er uns alle finden werde.

    Als dann erneut mehrere der Neonazis mit einem Baseball-Schläger und Glasflaschen bewaffnet auf die Jugendlichen losgingen, ging der Türsteher nur halbherzig dazwischen. 

    Er scheint ein kollegiales Verhältnis zu denen zu haben, kannte sie beim Namen, und war mehr darauf konzentriert, uns zu bedrohen.“

    Die Jugendlichen wehrten den Angriff ab und zogen sich zur Bushaltestelle in der Ortsmitte zurück.

    Ein anderer Augenzeuge gibt an, den Türsteher später im Auto Richtung Völlan davonfahren gesehen zu haben – zusammen mit jenen Neonazis auf dem Rücksitz, die vorher bei der Schlägerei beteiligt waren.

    Laut Antifa lege der Türsteher eine „gewisse Offenheit“ gegenüber dem Nationalsozialismus an den Tag.

    Auf Facebook sympathisiere er mit Seiten wie „Panzerwaffe – German Armored Force in WW2“, „Germanien – Odins Wölfe“ oder „SS Panzer Pionier Wiking“.

    Die Antifa Meran zeigt sich besorgt darüber, dass gewalttätige neonazistische Gruppen aus den Gemeinden Tisens und Lana in letzter Zeit offen auftreten. „Anfeindungen und Übergriffe auf Andersdenkende sind dabei keine Seltenheit mehr“, so die Antifa. Skandalös sei zudem das Verhalten jenes Türstehers, der nicht nur die Fassung verloren habe, wie Videoaufnahmen belegten, sondern Jugendliche mit einem Schraubenschlüssel bewaffnet bedroht und angegriffen habe.

    Die Diskothek Exklusiv sei schon seit längerem als beliebter Treffpunkt der Neonaziszene bekannt, so die Antifa.

    LESEN SIE AM MITTWOCH IN DER PRINT-AUSGABE:

    • Was Exklusiv-Chef Georg Sann sagt.
    • Und: Warum sich der rabiate Türsteher um einen neuen Job umsehen muss.

     

     

     

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    Kommentare (8)

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    • franz

      Diese links Extremisten- Anarchisten der Sozialzentren – ( OstWestClub, Colletivo Studentesco Merano, der Verein Integration rockt!, und die Antifa Meran, ) brauchen sich nicht zu beklagen, schließlich sind sie die immer wieder die Auseinandersetzungen suchen, wie z. B anlässlich zum Opernball in Wien oder am Brenner.

      • horst

        „extrem“ sei es links oder rechts gilt es immer abzulehnen. aber die neonazis sind 1.000 mal schlimmer. hatte mit diesem „gesocks“ selber oft genug zu tun. hohl im kopf, dass sogar ein AFD politiker dagegen intelligent wirkt….

        • markp.

          Ich dachte auch immer dass die Neonazis schlimmer sind, aber gewisse Ereignisse der letzten Jahre lassen mich eines Besseren belehren. Vielleicht nicht direkt die Antifa, aber was da links oft rumschlägt ist genauso schlimm.

    • sigmundkripp

      ich versteh gar nicht, dass noch Menschen in dieses Lokal gehen wollen! Wenn niemand mehr hingeht, muss er zusperren und auch die geplagten Anrainer haben ihre Ruhe…..

      • meinemeinung

        @sigmunkripp
        sie haben sicher keine kinder oder junge menschen zuhause ,dann würden sie nicht eine bekloppten frage stellen .
        Jugend brauch Unterhaltung und auch die auseinandersetzung mit andersdenkenden ,aber nicht mit gewalt das versteht sich

        • gerecht

          Unterhaltung geht auch ohne Gewalt
          der Verantstalter darf nicht bestraft werden, sondern die Besucher die sowas verursachen, durch Kamera’s gesehen gespeichert, bestraft werden …
          die müssten dann zuhause bleiben, es gibt auch Enheimische die Verhaltungsregeln nicht kennen …

      • yannis

        @sigmundkripp
        1. Juni 2016 um 07:24

        dies wäre das beste ! nur manche reizt genau der Umstand sich dort aufhalten zu müssen wo Zoff garantiert ist.

        @meinemeinung
        1. Juni 2016 um 08:42

        ich habe Kinder die als Besucher in Frage kämen, allerdings führen sie auch ohne Besuch solcher Zoff-Lokalitäten ein anständiges Leben, vielleicht gerade deshalb !

        Man kennt es aus der eigenen Jugendzeit, auch damals gab es „bestimmte“ Wirtschaften wo eine Schlägerei vorprogrammiert war, während es in überwiegend der „anderen“ nie irgendwelche Gewalttätigkeiten gab. Wenn damals der „Pronto Intervento“ der Carabinieri wegen einer Schlägerei gerufen werden musste, brauchte man den Ort des Problems nicht zu nennen, die wussten schon längst wo sie hin müssen.

    • franzbach

      In einem Dorf im 5 Kilometerumkreis von Bruneck (das Dorf hat keinen Tolomei-Namen) kommt es bei jedem Fest oder jeder größeren Veranstaltung zu rechtsradikalen, Hitlerverehrenden Parolen. Immer zur späteren Stunde und nach reichlich Alkohol, auch immer sind es die selben Personen. Traurig jedoch: einer der lautesten Sieg-Heil-schreier ist Jäger und war im vergangenen Jahr an einer massiven Schlägerei beteiligt. Die Folge, lediglich eine Strafe wegen Trunkenheit in der Öffentlichkeit. Den Waffenpass hat er noch immer

      SOVIEL ALSO IST UNSEREM QUESTOR CARLUCCIO DIE ÖFFENTLICHE SICHERHEIT WERT!!!!

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