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„Gay Refugees Welcome“

„Gay Refugees Welcome“

Die Schwul-lesbische Initiative Centaurus unterstützt die Integration homosexueller Flüchtlinge in Südtirol. Ein arabischsprachiges Faltblatt will man nun in Unterkünften verteilen.

Von Anton Rainer

Bevor die konkrete Beratung beginnen kann, ist es gut, die Grundsätze zu klären: „Nicht alle Männer verlieben sich in Frauen“, heißt es in dem Faltblatt der schwul-lesbischen Initiative Centaurus – und: „Wenn sich zwei Männer oder zwei Frauen ineinander verlieben, dann sind sie homosexuell.“

Für die an Aufklärung Jugendlicher erinnernde Wortwahl gibt es gute Gründe: Das auf Deutsch, Italienisch, Englisch, Französisch und Arabisch vorliegende Faltblatt richtet sich explizit an die rund 1.000 in Südtirol lebenden Flüchtlinge. „Diese Männer kommen meist aus einem Kulturkreis, in dem die Homosexualität eine völlig andere Rolle spielt als hierzulande“, sagt Michael Peintner. Der Brunecker Sexualberater und -pädagoge leitet seit rund einem Jahr ein Projekt, das schwulen Flüchtlingen unterstützend und beratend zur Seite stehen soll – und dabei bereits erste Erfolge vorzuweisen hat.

„Rund 15 Männer aus Afrika und Pakistan haben sich in den vergangenen zwölf Monaten bei uns gemeldet“, erzählt Peintner, drei Personen hätten sogar nur durch eine Vereins-Intervention Asyl in Südtirol bekommen. Tatsächlich genießen Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung in ihrem Heimatstaat verfolgt werden, in den meisten westlichen Staaten das Recht auf politisches Asyl – machen dies aber aus falsch verstandener Zurückhaltung selten geltend. „Die Leute haben einerseits Angst vor Diskriminierung durch andere Flüchtlinge“, erklärt Michael Peintner, „andererseits wissen sie oft gar nicht, dass Homosexualität in Europa keinen Strafbestand darstellt.“

Wer seine sexuelle Orientierung ein ganzes Leben lang versteckt, tut das in der Regel auch bei der Anhörung durch eine Asylkommission – und riskiert häufig eine Ablehnung des Antrags. In diesen Fällen kann ein Kontakt zu „Centaurus“ Wunder wirken: „Ein Mitgliedsausweis und ein Begleitschreiben haben vor Asylkommissionen einen hohen Wert“, sagt Peintner, der nach dem Vorbild Berlins auch in Südtirol eigene Flüchtlingsheime für homo-, bi- und transsexuelle Flüchtlinge fordert. „Das ist natürlich ein Wunschdenken“, meint der Brunecker Sexualberater, „aber bei 15 bis 20 betroffenen Personen könnte es sich auch in Südtirol auszahlen.“

Bei Centaurus ist man sich darüber bewusst, dass derartige Maßnahmen in Berlin auch zur Entstehung von Vorurteilen geführt haben: Was, wenn Flüchtlinge Homosexualität vortäuschen, um Asyl zu erhalten? „Ich habe intensiv mit allen gesprochen und lasse mir Fragen schriftlich beantworten:“, erzählt Michael Peintner, „Welche Erfahrungen sie gemacht haben, wann sie zum ersten Mal andere Männer kennen gelernt haben und vieles mehr.“

Bis jetzt wurde noch kein Flüchtling beim Flunkern erwischt.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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