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    „War nie in Syrien“

    flash-terroristenDie vier in Südtirol ansässigen mutmaßlichen Dschihadisten bestreiten im Trienter Prozess jegliche Teilnahme an einer terroristischen Organisation. Das Urteil fällt am 25. Mai.

    Von Thomas Vikoler

    Kann es sein, dass jemand einer terroristischen Organisation angehört, dessen Namen er gar nicht kennt? Glaubt man den in Bozen ansässigen Hasan Saman Jalal und den in Klobenstein gemeldeten Abdula Ali Salih, dann ist das in diesem Fall tatsächlich so. Die beiden gebürtigen Iraker sagten gestern am Landesgericht Trient im Prozess aus, in dem sie der Bildung einer internationalen terroristischen Vereinigung angeklagt sind.

    „Wir haben von Rawti Shax nie gehört und wissen erst davon, seitdem man uns verhaftet hat“, erklärten Saman Jalal und Ali Salih im Zeugenstand. Ihr Bozner Verteidiger Stefano Zucchiatti unterzog sie einer längeren Befragung unterzogen.

    Die einzigen neuen Beweismittel in dem verkürzten Verfahren, denn Richter Marco La Ganga hatte zuvor eine Neu-Übertragung einiger Abhörungen abgelehnt.

    Von Verteidiger Zucchiatti befragt wurde auch der in Meran wohnhafte Kosovare Eldin Hodza. Seine wichtigste Aussage: „Ich war nie in Syrien, es gibt auch keinen Beweis dafür“.

    Laut Anklageschrift war der 26-Jährige zeitweilig als mutmaßlicher Dschihadist im Irak. Hodza bestritt auch jeglichen Kontakt mit dem mutmaßlichen Rawti-Shax-Anführer Mullah Krekar in Norwegen, den er angeblich gar nicht kennt. Gegen Krekar hat die Staatsanwaltschaft Trient nun die Auslieferung beantragt, die dazugehörige Verhandlung in Oslo soll am 9. Juni stattfinden.

    Der vermeintliche Meraner Chef der Terrorzelle, Abdul Rahman Nauroz, gab im Gerichtssaal eine spontane Erklärung ab, die sich inhaltlich mit jenen der anderen Angeklagten weitgehend deckte: Keine Verwicklung in eine kriminelle Vereinigung, von Rawti Shax nie gehört. Nauroz erklärte auch, dass in den Abhörprotokollen festgehaltene Begriffe wie Dschihad (Heiliger Krieg) und Sharia (Islamisches Gesetz) nicht wörtlich zu verstehen sein.

    „Dieser Prozess entscheidet sich mehr auf der juristischen als auf der faktischen Ebene, denn es geht um die mutmaßliche Absicht, etwas Terroristisches zu unternehmen. Die schlechte Absicht wird normalerweise von der Kirche bestraft“, sagt Verteidiger Zucchiatti.

    Das Urteil im Trienter Prozess soll am 25. Mai fallen, die vier vor sieben Monaten verhafteten Angeklagten bleiben weiterhin in U-Haft.

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