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    Der gesperrte Waalweg

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    Im Bild: BM Gustav Tappeiner

    In Kastelbell hat ein Landwirt unter Berufung auf die neuen Spritzmittel-Bestimmungen den Durchgang durch sein Grundstück verboten, wodurch der Latschander Waalweg umgeleitet werden muss. Ein Präzedenzfall für Südtirol?

    von Karin Gamper

    Das Durchgangsverbot besteht seit Mitte April und die Abzäunung kam – zumindest für den örtlichen Tourismusverein – unerwartet. Ein Landwirt aus Kastelbell hat von seinem Recht Gebrauch gemacht und den Zutritt zu seinem Grundstück verboten. Da dieses am Latschander Waalweg liegt, ist die durchgehende Begehbarkeit des beliebten Wanderweges nicht mehr gegeben, was umgehend zu Protesten geführt hat.

    Entlang des Latschander Waalweges wurden mittlerweile Umleitungsschilder angebracht, um die vielen Wanderer rechtzeitig auf die Unterbrechung aufmerksam zu machen. Diese provisorischen Schilder, die bereits zwei Mal zerstört wurden, werden in den nächsten Tagen durch neue ersetzt und im Boden verankert. Damit möchte der Tourismusverein weitere Beanstandungen seitens der Wanderer vermeiden.

    Doch das Problem ist damit nicht aus der Welt. Der Landwirt beruft sich auf das Recht, sein Grundstück zu bewirtschaften und auf die neuen Spritzmittel-Bestimmungen, die damit zusammenhängenden Abstandsregelungen und das Betretverbot von behandelten Flächen. Außerdem führt er die Haftungsfrage ins Feld. Was passiert, wenn sich jemand beim Queren seines Grundstückes verletzt?

    Bürgermeister Gustav Tappeiner ist bemüht, gemeinsam mit Alpenverein und Tourismusverein eine Lösung zu finden. Aber das ist gar nicht so einfach. „Es finden bereits seit Monaten Aussprachen statt“, sagt der Bürgermeister, der allerdings auch Verständnis für den betreffenden Landwirt signalisiert. „Es handelt sich um Privatgrund und er hat das Recht, diesen zu bewirtschaften.“ Immerhin habe das Land neue Auflagen erlassen, an die sich die Bauern halten müssen. „Wir sind dabei, die Sache rechtlich abzuklären“, so Tappeiner.

    Tappeiner ist sich der Tragweite des Kastelbeller Durchgangsverbotes bewusst. Immerhin verlaufen in Südtirol zahlreiche Wanderwege durch Wiesen und Felder. Was, wenn sich auch weitere Landwirte weigern, Ausflügler durch ihren Privatgrund spazieren zu lassen?

    Das hoffe ich nicht, hier handelt es sich um einen sehr speziellen Fall“, so der Bürgermeister, der allerdings auch klar stellt: „Ich denke, dass für ein gutes Nebeneinander sowohl die Gesellschaft als auch die Landwirte einen Schritt zurück machen und Kompromisse schließen müssen“.

    LESEN SIE MORGEN AUF TAGESZEITUNG ONLINE: WIE LANDESRAT ARNOLD SCHULER AUF DEN FALL KASTELBELL REAGIERT.

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    Kommentare (17)

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    • politikverdrossener

      der Schuler hot wichtigere Dinge zu tian.Er muss den Unter und Oberwind in den Griff bekommen sonst werd es mit dem Pestizide spritzen nichts !

      • mike69

        Ich kann den Landwirt voll verstehen. Recht hat er. Die neuen Bestimmungen und das ständige herummkomandieren seitens der Bevölkerung ,haben Ihn leider zu diesem Schritt gezwungen und es werden noch hunderte Bauern der Öffentlichkeit das Durchgangsrecht durch Ihren Privatgrund verweigern . Schade ,aber die Bauern tun das einzig Richtige !!

    • politikverdrossener

      Die Waalwege gibt es doch seit hunderten von Jahren.Schilder:Durchgang bis auf Widerruf gestattet.habe Ich noch keine gesehen,folglich müsste das Gesetz angewendet werden:Erworbenes Recht.

    • jeronimo

      hm…. solong die Bauern öffentliche Beiträge kassiern sollnse a die Wege für Olle passierbor lossn. Ansonstn kennsise sperrnet, obo i glab gsperrt war sem kuan Weg 🙂

    • jeronimo

      hm, i glab solong die Bauern öffentliche Beiträge kassiern sollnse die Wege offn lossn. Ansonstn kennsise sperrn, obo i glab sem wersch kuan Weg gsperrt 🙂

    • realist

      Die Bauern haben Probleme genug.

      Es ist vielleicht an der Zeit, zu erinnern, dass viele um nicht zu sagen alle Wander u. Freizeit-Wege ursprünglich von den Bauern in mühevoller Handarbeit gebaut wurden.

      Waalwege/Wanderwege zu den Höfen/ Forstwege zur Pflege ihrer Wälder/ auch Radwege usw.

      Nicht zu sprechen vom Wintertourismus mit Pisten u. Lanlaufloipen.

      Unterm Strich vieles, was vom Tourismus bzw. der gesamten Öffentlichkeit mit einer Selbstverständlichkeit genutzt wird, ohne zu bedenken, was diese Strukturen für eine Geschichte haben.
      Denn in der Entstehungsgeschichte dieser viel genutzten Strukturen waren nur Bauern am Werk.
      Es ist ja in Ordnung so wie`s ist.

      Aber mit gegenseitigem Respekt u. Anerkennung.

      Und dann noch ein erworbenes Recht einfordern wegen der Gutmütigkeit der Betroffenen ?

      Wenn so ein gutes “ Nebeneineander “ aussieht, dann muss der betroffene Bauer reagieren !

    • einereiner

      @realist, gut erklärt!

    • meinemeinung

      mit einen Schritt zurück ist hier nichts getan, Gesetze sind zu befolgen ,Strafen bezahlt der Bauer und nicht irgend jemand.
      Mals lässt grüßen.
      Entlang der Waalwege linke und rechts 30 bis 50 mt abholzen damit unsere Grünen Freunde spazieren gehen können ,soweit kommt´s mit unseren neuen Gesetzen die für bestimmte Mitbewohner das Leben hier um 100% verbessern.

    • gredner

      Hier werden zwei Dinge vermischt:

      Das eine ist die Haftung für Unfalle beim Durchgang auf Privatgrund. Dies wurde vor einigen Jahren bereits geregelt: Gemeinde und Tourismusverein haften auch wenn der Weg auf Privatgrund verläuft, sofern dieser als öffentlicher Wanderweg eingestuft ist. Also deswegen braucht der Bauer nix abzuschliessen.

      Das andere sind die Spritzmittel. Wenn durch die Spritzmittel und deren Abdrift Passanten o.v.a. Kinder gesundheitlich gefährdet sind, so hat der Bauer das Recht und die moralische Pflicht die Passanten davor zu schützen und er darf/soll natürlich sein Grundstück (zeitlich begrenzt für die Spritzdauer) einzäunen.

    • meinemeinung

      @gredner
      ja bei Unfälle (Knochenbruch usw.) aber in der Heutigen Zeit sind Leute auf´s Geld aus und man kann Geld machen mit allen Mitteln ,auch mit nicht gekennzeichnete Wiesen und Obstgärten die bespritzt werden egal mit was für ein Mittel ,wenn ich deshalb Kopfweh bekomme und einen guten Anwalt habe . und dann noch ,was ist öffentlich ?? (eingetragen im Bauleitplan oder nur in einer Tourismuskarte so eingetragen oder wurde es immer schon so genutzt oder nur geduldet oder was… ??
      So wird´s heute gemacht .

      • morgenstern

        Hmm…., also doch kein „Zuckerwasser“, wenn das Grundstück nach dem Spritzen angeblich nicht betreten werden darf.

      • gredner

        @meinemeinung: das ist doch einfach: ist der Weg im Bauleitplan eingetragen , haftet die Gemeinde, steht er auf der Tourismuskarte, haftet der Tousrismusverein, und wurde der Weg schon immer so genutzt, lässt sich das schnell nachweisen (d.h. Zeugen finden) und es haften somit immer Gemeinde und/oder Tourismusverein: Gemeinde/TV halten die Wege übrigens instand, und sind somit auch dafür verantwortlich. Eventuell greift auch die Haftpflichtversicherung vom LTS – das Gesetz dazu müsste aus dem Jahr 2008 sein. Auf Wiesen (wo kein Weg ist), ist der Gast bei Unfällen hingegen selbst schuld.

        Ich bin selbst Besitzer eines Grundstücks über den ein Wanderweg, Radweg und Schiweg verläuft, und habe mich daher vor einigen Jahren informiert. Wenn ich eine Anzeige erhalte, leite ich diese sofort an die Gemeinde weiter, und der erste, der meint er muss mich dennoch durch den Kakao ziehen, kriegt zuerst mal eine Besitzstörungsanzeige und eine Anzeige wegen unerlaubten Betretens von Privatgrund – habe das schon mit meinem Rechtsanwalt geklärt.

    • victoria_amat_curam

      Ne also man kann hier die Sache wieder hochpauschen und einen Glaubenskrieg anzetteln zwischen Landwirtschaft und Umweltschützern bzw. Grünen etc oder man geht her und betrachtet die Sache wie sie sich momentan darstellt. Um Polemiken, wie sie in Mals entstanden sind auch nur im Ansatz zu vermeiden, würde ich letzteres empfehlen. 1. Nämlicher Bereich des Waalweges wurde schon öfter vom betreffenden Landwirt gesperrt, bzw. es wurde der Versuch vom nämlichen Landwirt unternommen, noch bevor Spritzabstände etc überhaupt ein Thema waren,2. Durch diese Entwicklung hat nämlicher Landwirt nunmehr eine juristische und auch politische Argumentationsgrundlage… ihn aber als Märtyrer der Landwirtschaft zu stilisieren ist schlichtweg falsch und spiegelt nicht die Wirklichkeit wieder, 3. ist dieser Waalweg ein „Kulturgut“ durch den Leute wandern und zwar seit Jahrhunderten und dies soll nun aufgrund von reinen privaten Interessen geändert werden! 4. Wenn dieser Umstand nicht gelöst wird, ist es auch Tatsache das der Waalweg Richtung Latsch geschlossen werden kann, da sich dieser zumindest auf Kastelbeller Seite zu einem Großteil auf Privatgrund befindet und man es anderen dann auch nicht verbieten kann. 5. Man darf aber fragen, warum eigentlich nur dieser Bauer die Notwendigkeit zur Schließung sieht und die anderen nicht?! 6. Weil die Tragweite einer solchen Schließung angesprochen wurde, … wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen in der Tat überall so angewendet würden, wie im Gesetz stehen, könnte man Fahrradwege, Wanderwege und Waalwege in ganz Südtirol schließen, bzw. umgekehrt den Bauern würde ein vernünftiges Arbeiten (und das ihnen zweifelsfrei ZU!!) unmöglich machen. Abschließend ein gutes MITEINANDER war immer noch die beste Lösung, einseitige Schließungen, Verbote etc schaffen eine ungute Situation, die NIEMANDEN hilft (–> Mals), Danke

    • realist

      Lieber @Jeronimo bezüglich Beiträge
      Denk mal nach:
      Wenn alles wo Beiträge im Spiel sind der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden müßte,
      dann würde in Südtirol wohl wenig übrig bleiben .
      Auch außerhalb der Landwirtschaft. (Tourismus/Wohnbau/Handwerk/Handl/ usw.)

    • kurtduschek

      Der Schritt des Bauern und Grundbesitzers in Kastelbell, das Durchgangsverbot am Waalweg durchzusetzen, dies ist meiner Meinung richtig. Es ist dies das Eingeständnis, dass der Bauer selbst nicht sicher ist, ob er dem Waalwegbenützer nicht doch mit seiner „Spritzerei“ ungewollt Schaden zufügt. Gleichzeitig hoffe ich und alle „Gegner“ von Glyphosatspritzungen im Obstanbau, dass jetzt auch die Hoteliers, Tourismusvereine und der HGV sich auch in dieser wichtigen Frage mit einer Stellungnahme positionieren. Welche Meinung wird hier wohl der Präsident des HGV vertreten? Öffnung aller Waalwege und eventuelle Gefährdung unserer Südtirolbesucher ?

    • george

      Die Erde gehört uns allen und nicht nur einigen wenigen.

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