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    „Beautiful Stranger“

    Aakash Odedra Company (Foto: Jean Goldthorpe)

    Aakash Odedra Company (Foto: Jean Goldthorpe)

    Vom 14. bis 30 Juli bringt das Festival Tanz Bozen – Bolzano Danza wieder internationale Stars der zeitgenössischen Tanzszene nach Bozen. Mit hochwertigen Aufführungen, urbanen Tanzaktionen und Tanzinstallationen begeistert das Festival längst nicht mehr nur lokale Tanzliebhaber.
    Das diesjährige Festivalprogramm weist inhaltlich, wie gewohnt, einen roten Faden auf. Leitmotiv der 32. Ausgabe ist das Thema Identität, ausgehend vom Phänomen der Migration, einer Konstante in der heutigen Zeit, widmet sich der künstlerische Leiter des Festivals (Performances) Emanuele Masi den Globetrottern der Tanzszene: „Seit Jahrhunderten überwinden Künstler, Intellektuelle und Wissenschaftler, aber auch gewöhnliche Leute allein dank ihres Erfahrungsschatzes und ihrer Geschichten Sprachen und Grenzen und erschaffen und erneuern eine Kultur-Koine, deren Wurzeln auf einzigartige Weise miteinander verflochten sind. Die Ausgabe 2016 mit dem Titel Beautiful Stranger wird getragen von kosmopolitischen Künstlern und Interpreten, die ihrer Herkunft, Religion oder Hautfarbe wegen, die Idee der Begegnung zwischen den Kulturen und der Auseinandersetzung mit dem Anderssein verkörpern, ein Thema, das derzeit in unserer Region und weltweit heftig diskutiert wird.“

    Die Säle des Stadttheaters, die Straßen im historischen Stadtkern, Parkanlagen, Museen und das malerische Umland, wie der Ritten und die Seiser Alm, werden zu Bühnen für über 20 Aufführungen und Performances, davon 9 italienische Erstaufführungen und 1 Uraufführung.

    Emanuel Gat; Dance Gold (Foto: E. Gat)

    Emanuel Gat; Dance Gold (Foto: E. Gat)

    Den Auftakt im Stadttheater macht die afroamerikanische Tanzikone Alonzo King mit seinem Lines Ballet aus San Francisco (Biophony/Writing Ground, 18. Juli): Kristalliner Tanz, schwindelerregende Choreografien und postklassische Bewegungssprache zeichnen seine effektvollen Kreationen aus. Es folgt am 20. Juli die deutsche Choreografin Helena Waldmann. In Made in Bangladesh, einem Stück für zwölf Kathak-Tänzerinnen und Tänzern, setzt sie sich mit der Ausbeutung und der Emanzipation der Textilindustrie in Asien auseinander (italienische Erstaufführung). Immer im Zeichen des traditionellen indischen Tanzes steht auch die Aufführung Aakash Odedras, dessen Künstlerleben symbolisch für die Fusion orientalischer und abendländischer Kultur steht: Er ist mit zwei Soli, Murmur und Inked, die in italienischer Erstaufführung gezeigt werden, am 19. Juli zu Gast.

    Verschiedene Bewegungssprachen treffen in Kokoro, der ersten abendfüllenden Choreografie der Katalanin Lali Ayguadé (22. Juli, italienische Erstaufführung), aufeinander. Mit einem neuen außergewöhnlichen Werk des mehrfach ausgezeichneten Choreografen Marco Goecke reist die Gauthier Dance//Dance Company Theaterhaus Stuttgart an: Nijinski, eine Hommage an die Tanzlegende des 20. Jahrhunderts Waslaw Nijinski (italienische Erstaufführung am 27. Juli).

    Das diesjährige Festival wirft auch einen Blick auf Frankreich, ein Land, das sich Gastfreundschaft und Multikulturalität verschrieben hat und zur künstlerischen Heimat des Israeli Emanuel Gat wurde. Er ist auf dem Festival mit dem Doppelstück Gold – zu den Goldberg-Variationen von Bach ausgeführt am Piano von Glenn Gould – und Sacre zu Le sacre du Printemps von Stravinskij (25. Juli) vertreten.

    Frankreich ist auch Wahlheimat des Sizilianers Emilio Calcagno, der für seine Tanzkompanie Eco seine Heimatstadt Catania evoziert und Pina Bausch und den mediterranen Wurzeln huldigt (Catania Catania, 30. Juli, Uraufführung). Heddy Maalem, Sohn einer Französin und eines Algeriers, beeindruckt mit seinen multiethnischen Arbeiten. Auf dem Festival zeigt er am 29. Juli Nigra sum, Pulchra es und Toujours sur cette mer sauvage, zwei poetische Choreografien, in denen er sich mit den Themen Begegnung und Identität auseinandersetzt, inspiriert am Hohelied und an einem Gedicht Victor Hugos.

    Helena Waldmann: Made in Bangladesh (Foto: Foulkes-Taylor)

    Helena Waldmann: Made in Bangladesh (Foto: Foulkes-Taylor)

    Nach seinem Erfolg im vergangenen Jahr mit Tenir le temps präsentiert Rachid Ouramdane, inzwischen Kodirektor des Centre Chorégraphique National von Grenoble, heuer bei Tanz Bozen zwei neue Projekte: Tordre, sein Kultstück, das in Italien zum ersten Mal aufgeführt wird (26. Juli), und eine Installation im Museion im Rahmen der Veranstaltungsreihe Museion Media Façade. Die Choreografie Les yeux tournent autour du soleil (Die Augen kreisen um die Sonne), für die Ouramdane gemeinsam mit dem Videokünstler Mehdi Meddaci verantwortlich zeichnet, eröffnet am 14. Juli im Museion die 32. Ausgabe des Festivals. Weitere Aufführungen finden am 21. Juli und am 28. Juli statt.

    Highlights des Rahmenprogramms sind die „Nacht im Theater“ (23./24. Juli) und der „Schaufenstertanz“ (16. Juli). Die Nacht im Theater ist Kindern vorbehalten und umfasst eine geführte Besichtigung des Theaters, eine Bewegungswerkstatt und eine Nacht im Schlafsack sowie die multimediale Aufführung Home Alone von Alessandro Sciarroni/Balletto di Roma (zwei Vorstellungen am 23. und 24. Juli). Anlässlich des Schaufenstertanzes beleben Amateur- und Berufstänzer die Auslagen der Geschäfte in den Gassen der Altstadt. In Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Anticorpi XL finden im Vorprogramm Aufführungen von jungen aufstrebenden Choreografinnen und Choreografen statt: das Solo der außergewöhnlichen Tänzerin Claudia Catarzi 40.000 centimetri quadrati (27. Juli), das Tanztheater-Duett von Francesca Penzo und Tamar Grosz über Beziehungsdynamiken des weiblichen Geschlechts (Why are we so f***king dramatic?, 20. Juli) und das Trio von Gabriele Valerio zum Thema Urinstinkte (Triptych, 2. Juli).

    Schauplatz von Tanz Bozen 2016 sind auch heuer wieder der Semirurali-Park und das Parkhotel Holzner (Ritten) mit der Aufführung 500/CINQUECENTO der französischen Tanzkompanie Ke Kosa. Im Mittelpunkt des Geschehens steht ein Oldtimer Fiat 500, magischer Begegnungsort eines jungen und lebenslustigen Paares, das eine Reise in die Zeit unternimmt – ausgehend von den 60er Jahren bis heute. Auf der Seiser Alm fordert hingegen die französische Kompanie Retouramont mit ihrem Tanz in schwindelerregender Höhe die Gesetze der Schwerkraft heraus und hält das Publikum in Atem (Voluminosité, 24. Juli). Für die große Abschluss-Performance mit DJ-Set am 30. Juli (22.00 Uhr) im Kapuzinergarten zeichnet die Künstlerin Cristina Kristal Rizzo verantwortlich. Das Festival Tanz Bozen/Performances wird organisiert von Stiftung Haydn von Bozen und Trient

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