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    Vom Wegschauen

    Der Schweizer Micha Lewinsky verbindet in seinen Spielfilmen Leichtigkeit mit Tiefgang. In „Nichts passiert“ passiert viel.

    von Renate Mumelter

    Lewinskys letzte Spielfilme sind beim Filmfestival Bozen in bester Erinnerung. „Die Standesbeamtin“ (2009/10) hatte als Eröffnungsfilm mit Marie Leuenberger die Herzen des Publikums erobert, „Der Freund“ (2008/9) erzählte eine spannende Geschichte und in beiden Filmen war der Soundtrack bemerkenswert. In „Der Freund“ war Sophie Hunger Musikerin und Darstellerin, in „Die Standesbeamtin“ stand eine Band samt Ohrwurm im Mittelpunkt. Diesmal kommt der Titelsong von Heidi Happy.

    In „Nichts passiert“ geht es um den Alltag in einer ganz normalen Familie. Devid Striesow überzeugt in der Hauptrolle des Vaters Thomas. Er ist Journalist, die Mutter Schriftstellerin, die Tochter pubertierend. Die Familie fährt zum Relaxen in den Skiurlaub, auch Sarah, die Tochter des Chefs darf mit. Als die Mädchen eines Abends ausrücken, geschieht etwas Unvorhergesehenes und das Drama nimmt seinen Lauf.

    Thomas ist ein „ganz normaler, netter Mann“ wie er selbst sagt, ein netter Kerl, der aber lieber wegsieht als Dinge anzugehen. Es fehlt  ihm an Direktheit und Mut, wie vielen von uns. Angst, Harmoniebedürfnis, falsche Scham. Thomas weiß als einziger, was in der Nacht, um die sich alles dreht, wirklich geschehen ist, er deckt aber lieber zu und das treibt ihn in einen Strudel, der alle mitreißt. Die Beziehungen zwischen den Menschen spitzen sich zu, niemand weiß mehr weiter, Thomas am wenigsten. Warum sagt er denn nichts, fragt sich das Publikum im Kinosessel. Wer aber meinen sollte, dass das im Film Erzählte wenig mit Realität zu tun hat, muss eines Besseren belehrt werden. Was Thomas geschieht, ist gar nicht selten. Wer kennt sie nicht, die Familiengeheimnisse, die über Generationen verschwiegen werden und allen schaden, auch denen, die nichts davon wissen.

    Nichts passiert (CH 2015), 92 Min., Regie: Micha Lewinsky mit Devid Striesow, Maren Eggert. Bewertung: Gut gespielt, thematisch interessant, trotzdem leicht

    Was es sonst noch gibt: Siegerfilme des Filmfestival Bozen (SO), „Von Männern und Vätern“ (SA und SO), „For my Sisters“ (SA und SO), „König Laurin“ (SA und SO)

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