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    Das Leben mit der Prothese

    LR Mussner, Doris, LR Gilmozzi und Ressortchef Pagani mit dem neuen Plakatmotiv von No credit (FOTO: Roman Clara)

    LR Mussner, Doris, LR Gilmozzi und Ressortchef Pagani mit dem neuen Plakatmotiv von No credit (FOTO: Roman Clara)

    Doris hat nach einem Motorradunfall mit 17 nur mehr ein Bein: Sie arbeitet an der Sensibilisierungskampagne No Credit mit.

    „Mit 17 Jahren hörte sich meine Welt einen Moment lang auf zu drehen“, erzählte Doris, die nach einem Motorradunfall nur mehr ein Bein hat, bei der Sensibilisierungskampagne No Credit mitarbeitet und das heurige Plakatmotiv ist. „Wir wollen eingefahrene Verhaltensmuster ändern, das braucht Zeit, deshalb geht No Credit weiter“, so LR Florian Mussner am Montag bei der Vorstellung im Safety Park.

    Seit über zehn Jahren setzt sich das Land Südtirol mit dieser Bewusstseinskampagne für mehr Sicherheit auf Südtirols Straßen ein. „Ziel war und ist es, die Verkehrsteilnehmer für ein sicheres, vernünftiges Verkehrsverhalten zu sensibilisieren“, betonte der Landesrat für Mobilität und Straßennetz Mussner bei der Vorstellung der heurigen Ausgabe im Safety Park in Pfatten. „Jeder, der auf den Straßen unterwegs ist, trägt Verantwortung für sich, für seine Mitfahrer und für die anderen Verkehrsteilnehmer – dies wollen wir in den Köpfen der Menschen verankern“, unterstrich Mussner. Die Kampagne werde laufend an die Erfahrungen angepasst.

    „Um mehr Sicherheit auf den Straßen zu erreichen, darf die Kampagne nicht an den Landesgrenzen enden, weshalb wir uns auch Im Trentino daran beteiligen“, betonte der Trentiner Mobilitätsassessor Mauro Gilmozzi. Erstmals ist auch die Provinz Trient in der Arbeitsgruppe vertreten. Die großen Straßen-Plakate werden 2016 auch im Trentino aufgestellt, der gemeinsame Flyer auch in der Provinz Trient verteilt.

    „In diesem Jahr sind wir einen neuen, mutigen Weg gegangen – wobei der Mut, über den wir sprechen, der Mut von Doris ist, die unser Testimonial für das diesjährige Palaktmotiv ist“, sagt Mussner.

    Das Kampagnenmotiv sei nämlich keine Fotomontage, sondern das Leben – das Leben nach einem Unfall, erklärte der Landesrat.

    Es zeigt Doris, die als 17-Jährige einen schlimmen Motorradunfall hatte, in dessen Folge sie ein Bein verloren hat. Zu sehen sind sehr persönliche Fotos, welche die ganze Tragweite einer Sekunde Unachtsamkeit zeigen und die auf sehr einprägsame Weise die Tragik eines Unfalls und dessen lebenslange Folgen vermitteln.

    „Meine Überwindung bei der Kampagne mitzumachen, hat sich gelohnt, wenn wir andere vor einem Unfall bewahren und vor Verletzungen oder dem Tod schützen können“, sagte die junge Frau, deren Mut und Engagement für Straßensicherheit von allen Seiten gelobt wurde.

    „Auf dem Bild bin ich bewusst mit Bikerkleidung und einer kurzen Hose, damit alle sehen, was passiert ist und auch, um zu sagen, dass ich seither keine kurze Hose mehr getragen habe; außerdem trage ich bewusst Stöckelschuhe, denn sie symbolisieren für mich einen Teil der Weiblichkeit, den ich verloren habe“, erklärte Doris.

    Stöckelschuhe könne sie keine mehr tragen, so Doris. Sie wolle auch junge Frauen ansprechen, sich mehr Gedanken zu machen, da diese oft unbeschwert als Beifahrerinnen auf den Bikes sitzen. „Mein Leben hatte ich mir anders vorstellt; während meine Freunde bergsteigen, in die Disco gingen oder ans Meer fuhren, habe ich meine Wunden geheilt und gekämpft, meinen Körper zu akzeptieren und noch immer ist die Versorgung meine Prothese schwierig“, erzählt Doris.

    Der Landesrat unterstrich seine Bewunderung für den Mut, den Doris aufgebracht hat, indem sie ihre Geschichte erzähle, um anderen zu helfen und seine Bewunderung dafür, wie sie ihr Leben lebe und mit ihrem Handycap umgehe.

    „Weiterhin baut die Kampagne auf die drei Säulen Sensibilisierung, Kontrollen und Baueingriffe“, erläuterte der Chef des Ressorts für Mobilität und Straßennetz Valentino Pagani. In den vergangenen Jahren haben sich die Todeszahlen laut Pagani auf jährlich 35 bis 40 Opfer eingependelt. Bei aller Strenge der Gesetze könne eine Verminderung der Unfälle neben Sensibilisierung und baulichen Maßnahmen allerdings nur durch zusätzliche verstärkte Geschwindigkeitskontrollen erfolgen, so der Ressortchef.

    Auch heuer werden die Ordnungskräfte wieder kapillare Geschwindigkeitskontrollen durchführen. Zum einen soll direkt auf den Straßen sensibilisiert werden und zu anderen, dort wo es vorgesehen ist, auch gestraft – immer mit dem Ziel, riskantes Fahrverhalten zu unterbinden und die Straßen sicherer zu machen. Zur Unterstützung der Ordnungskräfte hat das Land Südtirol zwei neue Radarmessgeräte angekauft. Diese werden den Ordnungskräften landesweit kostenlos zur Verfügung gestellt. Besonders an vielbefahrenen und unfallträchtigen Straßenabschnitten sollen damit verstärkt Kontrollen durchgeführt werden.

    Die baulichen Eingriffe beinhalten eine ausreichende Beschilderung und Beleuchtung der Straßen, die Sanierung beschädigter Straßenbeläge und die Montage von Leitplanken mit Unterfahrschutz an unfallgefährdeten Stellen.

    Der Straßendienst des Landes verfügt zum Schutz für Motorradfahrer über eigene Leitplanken. Diese weisen keine messerscharfen Kanten auf und verringern so Deformationen beim Aufprall und können Motorradfahrer demnach schützen. An besonders gefährlichen Stellen wird an den Leitplanken der Unterfahrschutz für die Motorradfahrer angebracht.

    Im Zeitraum 2011 bis 2013 wurden landesweit 9411 Meter Leitplanken auf 125 gefährdeten Straßenabschnitten installiert, 2014/2015 weitere 2630 Meter an 63 Schlüsselstellen. 2016 sollen an 15 gefährlichen Kurven zusätzliche 1200 Meter Leitplanken montiert werden. Auf dem gesamten Südtiroler Straßenetz gibt es derzeit insgesamt 10.600 Meter Leitplanken mit Unterfahrschutz, die insgesamt 142 neuralgische Stellen entschärfen.

    Der Safety-Park in Pfatten spielt mit seinem Angebot für Biker eine wichtige Rolle im Bereich Verkehrssicherheit und Unfallvermeidung. Nach der Vermittlung der theoretischen Grundlagen werden bei praktischen Übungen auf abgesperrter Strecke die wichtigsten Gefahren-Situationen simuliert und bewältigt. In Zusammenarbeit mit den Moho-Hotels organisiert das Fahrsicherheitszentrum auch eine Safety-Tour. Dabei gibt es zuerst eine Einführung durch die Fahrlehrer sowie einen Warm-up-Kurs gefolgt von einem vierstündigen Ausflug auf die Dolomitenpässen mit den Lehrern des Safety Parks.

    Am Samstag, 9. April, geht im Safety Park wieder der inzwischen zur Tradition gewordene Moto Test Day über die Bühne, der in Zusammenarbeit mit allen Konzessionären Südtirols organisiert wird. Beim Moto Test Day können die Safety-Park-Besucher verschiedene Motorräder auf den Pisten des Safety Parks testen, wobei sie von den Lehrern begleitet werden und Tipps zum sicheren Umgang mit den Zweirädern bekommen.

     

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