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    „Wieder auf Schiene“

    image680 Aktionäre wurden am Donnerstag über den aktuellen Zustand der Südtiroler Sparkasse informiert. Die Bank wird heuer faule Kredite verkaufen. 

    von Heinrich Schwarz

    Die über 700 Aktionäre der Südtiroler Sparkasse, die vor einem Jahr an der Gesellschafterversammlung teilgenommen hatten, dürften sich noch gut an die einstündige Rede von Präsident Gerhard Brandstätter erinnern. „Ich möchte die Zettel weglassen, das Protokoll vergessen und ihnen einfach von Herzen über ein sehr schwieriges Jahr berichten“, sagte Brandstätter damals einleitend. Er musste der aufgebrachten Meute erklären, wie es zu einem Geschäftsverlust von schier unglaublichen 231 Millionen Euro kommen konnte.

    Schon im Jahr 2013 fuhr die Sparkasse einen Verlust von 37,8 Millionen Euro ein. Brandstätters Vorgänger Norbert Plattner verkündete daraufhin, man befinde sich wieder auf dem richtigen Weg. Das Gegenteil war der Fall.

    Auf der gestrigen Gesellschafterversammlung im Konzerthaus Haydn in Bozen wirkte Gerhard Brandstätter deutlich ruhiger. „Wir haben eine Infrastruktur, die wieder auf Schienen steht“, sagte der Präsident vor rund 680 Aktionären.

    Im abgelaufenen Jahr hat die Südtiroler Sparkasse einen Verlust von 3,4 Millionen Euro eingefahren. Dabei hätte eigentlich ein Gewinn von rund sieben Millionen Euro herausgeschaut. Doch Anfang Dezember erfuhr die Sparkasse, dass sie sich mit über elf Millionen Euro am italienischen Bankenrettungs- und Einlagensicherungsfonds beteiligen muss. „Wie die Stimmung unter den italienischen Banken ist, möchte ich nicht weiter kommentieren“, so Brandstätter.

    Weil sich ein Verlust nicht so gut verkaufen lässt, wies man gestern lieber auf den Reingewinn von 4,3 Millionen Euro hin, den die Gruppe Südtiroler Sparkasse – dazu gehört neben der Bank an sich unter anderem die Tochtergesellschaft Sparim AG – erwirtschaftet hat.

    Eine Dividende für die inzwischen über 26.000 Aktionäre der Sparkasse gibt es heuer nicht. Der Strategieplan sieht erst für 2017 wieder eine Auszahlung vor – vorausgesetzt, das Geschäft läuft entsprechend gut.

    Gerhard Brandstätter betonte, dass man sich an den Strategieplan halten kann. Trotz einer Überraschung: Die Sparkasse wird faule Kredite verkaufen. „Wir dachten, die Rückstellungen langsam aufarbeiten zu können. Aber jetzt müssen wir uns trotzdem beugen und Kreditpakete verkaufen. Das kostet Geld – und wird die Bilanz 2016 belasten. Wir gehen jedoch davon aus, 2017 Dividenden auszahlen zu können“, erklärt Brandstätter.

    Der krisengeschüttelte Markt mache es der Sparkasse derzeit nicht einfach, hieß es gestern. Deshalb gelte es, Kosten einzusparen und die Effizienz zu steigern. Das bekommen auch die Mitarbeiter zu spüren. Es sind für 2016 und 2017 Personaleinsparungen von fünf Millionen Euro vorgesehen. Gerhard Brandstätter dazu: „Es sind Sparmaßnahmen auch im Interesse der Mitarbeiter, weil Arbeitsplätze gesichert werden.“

    Die Gesellschafterversammlung hat den Verwaltungs- und Aufsichtsrat der Bank neu gewählt. Gerhard Brandstätter wurde ebenso wie sein Vize Carlo Costa bestätigt. Bestätigt wurden im Verwaltungsrat auch Nicola Calabrò, Marco Carlini, Sieglinde Fink, Hans Krapf und Klaus Vanzi. Stephan Jäger und Katrin Rieper stellten sich nicht mehr zur Verfügung. Laut offiziellen Angaben aus Zeitgründen.

    Sie werden ersetzt durch Aldo Burgarelli und Christoph Rainer.

    Im Aufsichtsrat wurden Martha Florian von Call als Präsidentin und Massimo Biasin als Mitglied bestätigt. Walter Schweigkofler – er habe ebenfalls zu wenig Zeit – wurde ersetzt durch Ugo Endrizzi.

    • LESEN SIE IN DER PRINT-AUSGABE: Was die Gesellschafter-Versammlung in Bezug auf Haftungsklagen entschieden hat.

     

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    Kommentare (3)

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    • wieder auf schienen? april april!

    • gerecht

      April
      April
      der macht was er will …

    • prof

      Vorerst, Herr Brandstätter ist ein exzellenter Redner,kompetent genau,und deutlich, man sieht er ist (Star) Anwalt das sieht man an seiner Deutlichkeit und Sachlichkeit.
      Bezüglich die Aktionäre haben gewählt,sollten diese auch dagegen stimmen,kein Problem,die Stiftung besitzt ja die Mehrheit der Aktien und somit ist von vornherein schon alles klar.
      Eines möchte ich einmal erleben und zwar daß einige 100 anwesende Aktionäre dagegen stimmen,denn man muß sich nach vorne begeben (damit es ja alle sehen?) sich ausweisen und registrieren lassen und das braucht mindestens einige Minuten pro Person und würde bis nach Mitternacht dauern,also Gute Nacht.
      Jedenfalls Kritik stösst Herrn Brandstätter sauer auf,man hat es gesehen als er auf die gut vorgebrachte Replik ( mit Applaus) von Lorenz Mayr ( Sohn von Rai-Südtirol Chef-Redakteur) ziemlich lange und „inkaziert“ antwortete.

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