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    Enges Leben

    Der Film „Room“ (Raum) macht ein Geschehen fühlbar, das den Fällen Fritzl und Kampusch nachempfunden ist. 

    von Renate Mumelter

    Brie Larson hat für die Rolle in “Room” den Oscar bekommen. Sie spielt die eingesperrte,  traumatisierte Mutter sehr überzeugend. Der neunjährige Jacob Tremblay spielt den fünfjährigen Jack auch sehr überzeugend. Dem Film des Iren Lenny Abrahamson liegt der Roman der Irin Emma Donoghue zugrunde; sie hat darin den Fall Fritzl nachempfunden.

    In “Raum” wird die 17jährige Joy entführt, weggesperrt, sexuell missbraucht. Sie gebiert einen Buben. Als das Kind fünf Jahre alt ist, denkt die Mutter an Flucht. Ma hat ihren Sohn bis dahin so liebevoll wie möglich aufgezogen, diszipliniert und mit klarem Tagesablauf. Jack kennt nur seine Welt mit Blume, Oberlicht, Bett, Schrank, Maus, Fernseher und zwei Menschen. Alles was außerhalb ist, ist für ihn Fernsehen. Da sind die Menschen flach, aber das stört ihn nicht weiter.

    Die lang ersehnte Flucht kommt. Das Leben danach ist ganz anders. Jetzt geht es um die Frage, wie die Außenwelt von einem Kind wahrgenommen wird, das ohne eine solche groß werden musste. Und es geht um die Frage, wie eine traumatisierte Frau und ihre Umwelt mit der Situation umgehen.

    “Raum” beginnt mit engen Nahaufnahmen und öffnet sich erst langsam. Schon gleich stelle ich mir die müßige Frage danach, was ich selbst in Joys Lage getan hätte, warum Joy den Entführer nicht überlistet, warum sie nicht durch das Oberlicht schlüpft, warum sie den Öffnungscode der Tür nicht knackt. Die Dramaturgie von “Room” bietet ein Wechselbad der Gefühle zwischen Unbehagen, Voyeurismus, Mitgefühl, Erleichterung.

    Warum tu ich mir das an, frage ich mich im Kinosessel, dann wieder der Reflex, auf die Uhr zu schauen, weil alles so unterträglich ist. Schließlich überwiegt doch das starke Interesse an diesen zwei Menschen und an einer Sozialisation (!), die so ganz anders verläuft, die aber, wenn liebevoll gestaltet, annährend gelingen kann.

    Room (2015, IRL, CDN) 118 Min., Regie Lenny Abrahamson mit Brie Larson und Jacob Tremblay. Bewertung: Anstrengend aber sehenswert

    Was es sonst noch gibt:
    „Brooklyn“ und „Hail Caesar“ gleich in mehreren Kinos

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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