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    „An Visiten erstickt“

    sportmedizin-mitterhofer-alexAlex Mitterhofer verlässt den Dienst für Sportmedizin am Krankenhaus in Bruneck – er wird Hausarzt in Ehrenburg. Die Zukunft der Sportmedizin steht auf des Messers Schneide.

    von Silke Hinterwaldner

    „Wir sind zunehmend an den Eignungsvisiten erstickt. Wir können kaum mehr auf allfällige gesundheitliche Probleme der Freizeit- und Gesunheitssportler eingehen. Wir haben in unserer Dienstzeit keinen Raum mehr für Präventionsarbeit, dafür muss die Freizeit herhalten.“

    Was Alex Mitterhofer hier auf facebook anspricht, klingt nach einem Aufschrei. Der Leiter der Sportmedizin in Bruneck ist an einem Punkt angelangt, an dem er beschlossen hat, dass es so nicht weitergehen könne. Die Folge: Er hört auf. In drei Monaten schon wird er eine Stelle als Hausarzt in Ehrenburg antreten.

    „Ich will nicht fremdgehen oder einen Marathon Laufen“, sagt er mit einem Augenzwinkern, „ich habe mich für eine berufliche Veränderung entschieden.“ In den vergangenen zwölf Jahren hat Mitterhofer am Krankenhaus in Bruneck einen Dienst aufgebaut, der sich sehen lassen kann. Mittlerweile ist der Arzt über 50 und will so nicht weitermachen. Ein Grundproblem an Dienststelle ist wohl die Personalknappheit. Deshalb besteht Mitterhofers Arbeit derzeit fast ausschließlich darin, sportmedizinische Visiten durchzuführen. Das ist Fließbandarbeit, insgesamt wenig befriedigend für einen Mediziner.

    Es kann sein, dass ihm alles über den Kopf gewachsen ist. Mitterhofer hat den Dienst ausgebaut und geführt wie seinen eigenen Betrieb, er hat sich immer neue Aufgaben aufgehalst. „Eine Arbeit“, sagt Mitterhofer deshalb, „die mich nicht mehr zufrieden macht, kann ich nicht weiterführen.“

    Dabei hat er immer gehofft, dass der Nachwuchs schon noch kommen wird. Aber es gibt praktisch keine jungen Südtiroler Sportmediziner, die einspringen können. „Dabei“, sagt er, „ist die Sportmedizin sicherlich etwas für jüngere Leute.“ Die Frage ist nur: Werden sich diese jüngeren Leute finden? Und damit geht die Frage einher: Wird es diesen Sportmedizinischen Dienst in Bruneck auch in Zukunft noch geben?

    Es gibt sehr wenige Sportmediziner. In Bruneck weiß man deshalb derzeit nicht, wie die Zukunft aussehen kann.

    LESEN SIE IN DER PRINT-AUSGABE:

    • Was Bezirksdirektor Walter Amhof zum Abgang Alex Mitterhofers sagt.
    • Und: Warum sich Mitterhofer auf seinen neuen Job in Ehrenburg freut.

     

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