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Freistaat Dolmythos

Die Frist ist verstrichen, aber Museumsmacher Michael Wachtler hat die vom Land geforderten Ausstellungsstücke nicht abgeliefert. Im Gegenteil. Er verteidigt die Rechte der Bergbewohner und gründet einen eigenen Staat.

von Silke Hinterwaldner

Wenn es darum geht, gewagte Vergleiche zu ziehen, ist Michael Wachtler der richtige Mann. Er sagt:

„Im Jahr 1533, also vor fast 500 Jahren, forderten spanische Eroberer die Indianer des Inka-Reiches auf, innerhalb von drei Monaten all ihre Schätze abzugeben.?Im Jahr 2016 teilt die Autonome Provinz Südtirol dem Museum Dolomythos in Innichen mit, es sollte all seine Schätze, die Menschen dieser Berge sammelten, abliefern.“

Genauer gesagt:

Mitte Dezember hat Museumsmacher Michael Wachtler Post von der Abteilung Denkmalpflege bekommen. Darin wird er aufgefordert, „alle Gegenstände paläontologischer Natur innerhalb von drei Monaten bei der Landesverwaltung zu Händen des Naturmuseums abzugeben“.

Am Montag ist dieser Termin verstrichen. Freilich ist Wachtler in den vergangenen Wochen nie nach Bozen gefahren, um seine Ausstellungsstücke dort abzugeben. Nach zehn Jahren des Kampfes um sein Museum Dolomythos in Innichen ist er nicht bereit, in diesen Fragen klein beizugeben. Michael Wachtler ist ein Kämpfer. Ein origineller Kämpfer zumal.

Denn: Nachdem er leider feststellen musste, dass Politiker und Beamte in Bozen für die Bergbewohner und die Südtiroler in der Peripherie nicht viel übrig hätten, hat er jetzt einen eigenen Staat ausgerufen.

Am Montag gab er die Gründung der „Souveränen Wissenswelt Dolomythos“ bekannt.

Es sei dies das „einzige Land auf dieser Welt, in dem sich alle Menschen der Verbreitung von Wissen und Kunst verpflichten. Das weder Politiker noch Beamte und Richter benötigt und auch kein Staatsoberhaupt“.

Nicht fad, hat Wachtler auch gleich eine Fahne entworfen, die er bald schon vor seinem Museum in Innichen hissen will. Und er hat eine Unabhängigkeitserklärung verfasst um der Gründung seines Staates im Staat eine gewisse Ernsthaftigkeit zu verleihen. Dieses souveräne Land Dolomythos ist einen Hektar groß, aber 6371 Kilometer tief. „Mögen andere Länder Wert auf ihre Oberflächlichkeit geben“, erklärt Wachtler, „so widmet sich Dolomythos der Innerlichkeit und Tiefe.“

Er weiß natürlich, dass dies für die Beamten in Bozen eine Provokation ist. Dabei wurde sein Museum Dolomythos erst vor wenigen Tagen wieder offiziell in das Verzeichnis der Südtiroler Museen aufgenommen, nachdem es vor sechs Jahren dort gestrichen worden war.

Aber Wachtler weiß auch, dass der Streit um seine Fundstücke in Innichen längst nicht zu Ende ist. Zwar hat er bisher keine weitere Aufforderung zum Handeln bekommen. Aber er ist jederzeit gerüstet.

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