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    Frauenwahlrecht

    Sarah Gavron erzählt in „Suffragette“ einen Ausschnitt aus dem Kampf der britischen Frauen um ihr Wahlrecht.

    von Renate Mumelter

    Wenn ich mit meinem erwachsenen Sohn über Feminismus spreche, müssen wir uns immer erst zusammenraufen. Dabei meinen wir eigentlich dasselbe, Gleichberechtigung. Nur dass ich aus der Perspektive einer Frau argumentiere, die geboren wurde, als das Wahlrecht in Südtirol gerade mal sechs Jahre alt war und eine Mutter hatte, die Hausfrau wurde obwohl sie gern Medizin studiert hätte. Der junge Mann hingegen kommt aus einem Elternhaus, in dem Gleichberechtigung nicht nur ein Wort sondern gelebte Wirklichkeit ist. Ohne viel Krampf. Und deshalb ist er überzeugt, dass  Gleichberechtigung für Frauen und Männer gleichermaßen gelten muss, Feminismus sei nur für Frauen gedacht. Stimmt eh.

    „Suffragette“ schaut zurück und erzählt von einigen Aspekten der britischen Bewegung um 1912 aus Sicht der Arbeiterklasse. „Lieber Rebellin als Sklavin“ sagten sich die Frauen damals. Sie versuchten, das Wahlrecht zunächst mit Worten zu erkämpfen, als die nichts brachten, setzten sie auf Bomben. Eine von ihnen warf sich sogar vor ein Rennpferd. Mit den historischen Bildern von dieser Beerdigung schließt Gavron ihren Spielfilm ab. Am Rande zeigt sie auch die „Kollateralschäden“: Männer kamen in Zugzwang, Kinder gerieten in Konflikte, Familien zerbrachen, Existenzen wurden ruiniert. Keine Ahnung, ob ich so etwas auf mich genommen hätte. Unbeantwortet lässt der Film die Frage, ob die Bomben dem Wahlrecht wirklich auf die Sprünge geholfen haben. Fakt ist, dass das Frauenwahlrecht in Neuseeland bereits 1893 eingeführt worden war, nach Österreich kam es 1918, in die Schweiz 1971 und nach Saudi Arabien 2015.

    „Suffragette“ ist ein klassisches Historiendrama mit den üblichen braunstichigen Bildern, das den Vorzug hat, dass es nicht zum 295sten Mal von den Frontabenteuern aus dem 1. Weltkrieg erzählt. Und das ist ja schon etwas.

    Suffragette (GB 2015), 107 Min., Regie: Sarah Gavron. Bewertung: Klassisches Historiendrama mit interessantem Thema

    DER TRAILER.

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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