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    „Der Kragen geplatzt“

    arzt krankenheuas ärzteZwischen den Hausärzten und den Verantwortlichen im Gesundheits-Ressort fliegen jetzt die Fetzen. 

    Simon Kostner nimmt sich kein Blatt vor den Mund:

    „Die Drohgebärden von Ressortdirektor Michael Mayr, an Unverschämtheit kaum zu überbieten, jagen uns Hausärzten kein bisschen Angst ein. Zu unverfroren glauben Landesbeamte seit geraumer Zeit, das schöne und das schlechte Wetter machen zu können.

    Wenn sie meinen, die Hausärzte wegen Unterbrechung eines öffentlichen Dienstes belangen zu können, dann sollten sie zuvor lieber schauen, ob sie vor der eigenen Haustür sauber gemacht haben.“

    Der Hintergrund:

    Am Donnerstag waren die Verhandlungen zwischen Land und den Hausärzten abgebrochen worden. Die Hausärzte hatten eine Erhöhung der Pro-Kopf-Quote um 6 Euro gefordert, was dem Land 2,5 Millionen Euro pro Jahr gekostet hätte.

    Die Landesregierung hatte eine Million Euro „geboten“. Zu wenig für die Gewerkschaften.

    Der Vertreter der Ärztegewerkschaft Snami, Simon Kostner, schreibt am Samstag:

    „Seit Anfang des Jahres zwingen sie die Hausärzte, von Wolkenstein nach Bozen oder von Reschen nach Meran zu fahren, um 5 (!) Rezeptblöcke abzuholen, und das zu den ihnen angenehmen Bürostunden. Das wäre vergleichbar einem Transportunternehmer, der seine LKW-Fahrer zwingt, dauernd zu Fuss zur Tankstelle zu laufen, um jeweils 2 Liter Treibstoff zu holen.

    Das wäre ja längst schon eine Unterbrechung eines öffentlichen Dienstes: als nächstes werden wir alle Rezepte auf weißes Papier drucken (müssen), um eine Versorgung vor Ort aufrechterhalten zu können. Und die Märchen über angebliche technische Defekte der Druckerei glauben wir ihnen schon lange nicht mehr: warum sonst haben alle Regionen Rezeptblöcke zur Genüge ausser Südtirol? Alles riecht sehr nach einer faulen Ausrede für eigene Unzulänglichkeiten.

    Simon Kostner

    Simon Kostner

    Dass von uns Hausärzten der besagte Landesregierungsbeschluss zur Anbringung der Ticketbefreiungen aus Einkommensgründen, in klarem Widerspruch zum zugrundeliegenden Ministerialdekret, seit 2012 nicht angefochten wurde, liegt einzig daran, dass die Hausärzte, immer konzentriert auf Beruf und Patienten, bisher so naiv und blauäugig waren, von der wohlwollenden Verantwortung unserer Volksvertreter auszugehen, und sie daher diese arbeitsrechtlich unsauber hineingeschwindelte bürokratische Mehrbelastung genauso stillschweigend hingenommen haben wie die unzähligen übrigen verwaltungstechnischen Aufgaben, die mit einer medizinischen Tätigkeit rein gar nichts zu tun haben und den ohnehin schon überbelasteten Ärzten wertvolle Zeit für die Behandlung der Patienten wegnehmen.

    Wenn sie es in einfacheren Worten ausgedrückt haben wollen: wir Hausärzte waren bisher so blöd, Tag und Nacht zu ackern, Samstag Sonntag inbegriffen, immer schneller und immer mehr, dass wir nicht einmal die Zeit hatten mitzubekommen, wie clever und unverschämt Juristen, die diese „Aktionen“ in ihren 38 Wochenstunden (plus Urlaub, plus Krankenstand, plus Fortbildungsurlaub, plus plus plus …) hauptamtlich tun, uns klammheimlich die Arbeit zum Nulltarif unterjubeln, immer mehr und immer unverhohlener.

    Bis uns jetzt der Kragen geplatzt ist: müssen wir uns wegen 6 Euro pro Jahr und Patient (Geld, das wir niemandem gestohlen haben) durch den Kakao ziehen lassen? Und das von Leuten, die millionenschwere Lottogewinne einstreichen, ohne je einen Lottoschein gekauft zu haben (siehe Politikerpensionsvorschüsse).

    Wenn man dann in der Zeitung noch liest, wie 134 Millionen für die „Forschung“ (wofür und für wen?) locker gemacht werden, während man die medizinische Grundversorgung unserer Väter und Mütter aushungern lässt, oder wie der sündteure Schlamassel der medizinischen Informatisierung (wir sind längst die Letzten mit Calabrien und Basilicata, hinter Neapel, Sizilien und Apulien) versucht wird zu vertuschen mit weiteren 73 Millionen Euro für die dafür verantwortliche Firma, oder wie großzügig die tollen Rettungshubschrauber mit Millionen überschüttet werden (1 Einsatz zu 5000 Euro würde einen Notarzt in einem Tal für ein ganzes Jahr erhalten, 1 Lawineneinsatz zu 100.000 Euro würde Notärzte ganzjährig für alle Seitentäler Südtirols finanzieren), dann können Sie vielleicht nachvollziehen, warum die bisher so „braven“ Hausärzte auf einmal „die Wände hochgehen“.

    Das Urvertrauen der Hausärzte auf die in dieser katastrophalen Entwicklung beteiligten Beamten und Politiker ist unwiederbringlich verloren. Sie werden daher auch verstehen, dass die Hausärzteschaft – und nicht nur ihre Gewerkschaftsvertreter -, in Zukunft Verhandlungen mit Personen, die so viel Respektlosigkeit vor der Tätigkeit des Hausarztes an den Tag gelegt haben, ablehnen wird.

    Die Hausärzteschaft weiß sich der Solidarität der Bevölkerung sicher und fordert die gesamte öffentliche Delegation, die für dieses Schlamassel verantwortlich ist, zum Rücktritt auf. Sie erwartet sich von den Volksvertretern, insofern sie noch das Volk und nicht ihre eigenen Interessen vertreten, ein klares Zeichen. Sonst geht der Krieg noch lange weiter.“

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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    Kommentare (2)

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    • franz

      “Die Hausärzteschaft weiß sich der Solidarität der Bevölkerung sicher und fordert die gesamte öffentliche Delegation, die für dieses Schlamassel verantwortlich ist, zum Rücktritt auf. Sie erwartet sich von den Volksvertretern, insofern sie noch das Volk und nicht ihre eigenen Interessen vertreten, ein klares Zeichen. “(…….)
      Die Interessen der Bevölkerung ist den Verantwortlichen die das ganze Schlamassel was Sanität – Immigration und Sicherheitsproblematik betrifft angerichtet haben und weiterhin stur bei ihrer Haltung bleiben, interessiert sie nicht.
      Die Verantwortlichen halten das Volk für dumm und verarscht das Volk. Anstatt auf‘ s Volk zu hören.
      Wozu das führt sieht man ja in Sachen Willkommenskultur von Frau Merkel Renzi und Frau Stocker & Co.
      Aber, wie Merkel einmal meinte: “der Wille des Volkes interessiert mich nicht!“
      http://www.efk-riedlingen.de/wordpress/?p=959
      Nein, so hat sie es nicht gesagt. Sie hat gesagt: „Umfragen sind nicht mein Maßstab“. Im Endeffekt läuft das aber auf dasselbe hinaus, denn Umfragen sollen ja den Willen des Volkes repräsentieren. Das juckt Merk nicht. Merkel zieht ihr Ding durch. Der Wille des Volkes geht ihr am Allerwertesten vorbei.
      So herrscht man über ein Volk! Merkels Regierungsstil erinnert mich immer mehr an Ludwig XIV. Der sagte ganz ähnlich „l’état c’est moi – der Staat bin ich!“ Wer so denkt, der macht Umfragen nicht zum Maßstab seines Handelns. Ob das allerdings das ist, was das Grundgesetz meint mit der Feststellung: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“?
      Sonst geht der Krieg noch lange weiter.“(…….) Die Revolution findet bei den Wahlen statt, das gilt auch für Frau Stocker & Co.
      Die AfD überrollt Deutschland. Wir erleben eine Revolution. Und wie jede Revolution hat auch diese ihre Berechtigung. “der Spiegel“
      Bei den Landtagswahlen morgen am 13.03.2016 gibt es eine kleine Kostprobe in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz

    • franz

      Anstatt Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner heftig zu kritisieren und zu attackieren.
      http://tv.orf.at/program/orf2/20160221/763185601/408936
      21.02.2016, 22:00. IM ZENTRUM. Schranken runter – Aus der Traum vom grenzenlosen… Darüber diskutieren bei Ingrid Thurnher: Johanna Mikl-Leitner…..
      http://www.tageszeitung.it/2016/02/22/verliebt-in-arno/
      Oder die Bürger mit lächerlichen Floskeln zu verarschen und für dumm zu verkaufen,( wie am runden Tisch 07.03.2016 auf rai südtirol. “Wir wollen nicht`s schönreden oder Panik machen – Nicht das Land finanziert die Unterkünfte ( 32.5 € -35 € laut Innenministerium ) sondern der Staat. mit ( 30 € sagt der LH. ) Aha und wer ist der Staat – Nicht die Steuerzahler, also wir ?“(….) ))
      ..sollte der LH lieber einmal ein Machtwort sprechen und die Posten der Landesrätin Frau Stocker sowie deren Generaldirektor Dr. Schael mit Neuen Personal besetzten.
      Der Herr mit der Fliege der mit Erfahrung aus CROTONE der wohl seine Erfahrung aus Crotone auch bei uns durchziehen will.
      “Jeder Bürger/jede Bürgerin erhält weiterhin wie bisher die Erste-Hilfe-Versorgung und wird nach klinischer Dringlichkeit betreut. ( “Vielfach bedarf es danach keiner stationären Aufnahme mehr “).:-) Aber einer bis zu 36-Stunden dauernden „Beobachtungsphase“, innerhalb derer alle diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen getroffen werden.“ (….)
      Was heißt nachdem ein Patient bereits 36 Stunden in der Ersten – Hilfestation wartet wird ihn ( wenn es sich um ältere Patienten ab 70 handelt ) schließlich eine minderwertige Prothese implantiert, vielleicht aus der ( „Second Hand“, Prothesensammlung Würzburg. )
      …..hat Schael doch selbst einen treffenden Vergleich geliefert. Knieprothesen gibt es zu einem Preis von 1.000 oder zu 2.000 Euro. Ist der Patient 70 Jahre alt, könne man die billigere nehmen, er habe nur noch eine Lebenserwartung von 15 Jahren – so ließ sich Direktor Schael zitieren.Wenn Patienten so etwas hören, reagieren sie freilich besorgt. Wenn Ärzte so etwas hören, sind sie empört. „Das ist eine Einmischung in ärztliche Entscheidungen“, sagt Ivano Simioni, Psychiater und Sprecher der Ärztegewerkschaft VKS-BSK, „welche Therapie die richtige ist, muss der Arzt wissen. Wenn darüber Verwalter befinden, bekommen wir ein großes Problem.“ (……..)
      http://www.tageszeitung.it/2015/08/17/thomas-der-schreckliche/

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