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    Kriminelles Südtirol

    Szene aus der ersten Crimetube-Episode: Netzwerk voller Intrigen und krimineller Machenschaften, das seine Kreise bis in die höchsten Gesellschaftsschichten Südtirols zieht.

    Szene aus der ersten Crimetube-Episode: Netzwerk voller Intrigen und krimineller Machenschaften, das seine Kreise bis in die höchsten Gesellschaftsschichten Südtirols zieht.

    Crimetube Südtirol von Andy Hartner und Ricardo Angelini ist die erste Südtiroler Webserie. Die ersten beiden Folgen der 5-teiligen ersten Staffel sind im Kasten und werden beim Filmfest im Filmclub erstmals gezeigt. Ein Gespräch mit den beiden Creators Andy Hartner und Ricardo Angelini.

    Tageszeitung: Wie entstand die Idee zu Crimetube Südtirol?

    Ricardo Angelini: Die Idee entstand beim Münchner Filmfest 2015 zusammen mit Andy Hartner. Von da an benötigten wir ca. einen Monat um ein Team zusammenzustellen, einen Monat, um das Konzept zu überarbeiten und Medienpartner zu gewinnen und dann noch zwei Wochen, um den Wettbewerb zu starten. Letztlich sind zwischen Idee und 1. Drehtag nur 7 Monate vergangen.

    Wann war klar, dass es nicht nur bei einer Idee bleibt?

    Der entscheidende Punkt war im Grunde die Idee und die Entscheidung der involvierten Filmemacher Südtirols. Wir haben allen Filmemachern ein provisorisches Konzept unserer Idee geschickt und bis zu einer bestimmten Deadline um Zu- oder Absage gebeten. Dies galt auch für uns als Indikator, dass die Idee umsetzbar ist. Als wir dann die Zusagen erhielten, war für uns klar, dass die Idee ankommt und realisierbar ist. Von da an haben wir dann systematisch das Konzept ausgearbeitet und umgesetzt.

    Wie habt Ihr Sponsoren für Euer Projekt gewinnen können?

    Das Crimetube-Team: Erste Webserie „Made in Südtirol“

    Das Crimetube-Team: Erste Webserie „Made in Südtirol“

    Das ist der schwierigste Teil unseres Unterfangens. Wir haben eine Weile überlegt, was wir haben, was wir bieten können und was dabei für eventuelle Sponsoren rausschauen kann. Schnell haben wir begriffen, dass Productplacement unser stärkstes Mittel ist und haben hierfür einige unterschiedliche Konzepte ausgearbeitet, die überwiegend auf Productplacement basieren. Hierfür haben wir auch zusammen mit Lissy Pernthaler und Simon Schwarz ein eigenes Promotionvideo gestaltet, welches uns Gabriel Stabinger gra?sch aufgepeppt hat. Obwohl es in Zeiten der Krise und wirtschaftlicher Unsicherheit schwierig ist, haben wir einige wichtige Unterstützer gefunden, die im Vorfeld an uns glauben und somit den ersten Drehblock ermöglicht haben. Ein riesiges Dankeschön an dieser Stelle.

    Dazu kommt, dass es bis dato noch keine Webserie in Südtirol gibt. Das hat die Suche nach Förderern wahrscheinlich nicht einfacher gemacht.

    Andy Hartner: In der Tat. Deshalb ist es nun wichtig, dass wir die erste Folge präsentieren können, damit die Menschen ein Produkt sehen und verstehen, ob sie sich oder ihre Firma sich damit identifizieren kann. Internetwerbung ist die Werbung der Zukunft, bzw. der Gegenwart. Youtube ist ein sehr starker Multiplikator für die Werbung.

    Die ersten beiden Folgen sind im Kasten. Wie geht es weiter?

    Ricardo Angelini: Wir haben jetzt eine sehr schwierige Hürde genommen und das war ein wichtiger Schritt. Wir organisieren uns gerade neu, da im Zuge der Dreharbeiten neue und ungemein talentierte und motivierte Leute dazu gestoßen sind, die nicht nur dasselbe Potenzial wie Andy und ich in diesem Projekt sehen, sondern auch ein Teil davon sein wollen. Was dem Projekt gerade in dieser Phase wahnsinnig gut tut.

    Andy Hartner: Im Moment erstellen wir Pläne zur Weiterentwicklung der restlichen Folgen und überlegen eine Finanzierungsstrategie, um das Budget aufzustocken und alle Beteiligten fair bezahlen zu können. Das war und ist schließlich auch einer unserer wichtigsten Grundsätze von Anfang an. Auch wenn’s verdammt schwierig ist.

    Ihr seid als Local Artists beim Bozner Filmfestival 2016 eingeladen. Was erwartet die Zuschauer an diesem Abend?

    Lissy Pernthaler und Ricardo Angelini: Schaut nach einem simplen Fall aus, ist es aber nicht.

    Lissy Pernthaler und Ricardo Angelini: Schaut nach einem simplen Fall aus, ist es aber nicht.

    Zunächst möchten wir den Organisatoren des Festivals ein großes Dankeschön aussprechen, da sie sich „nur“ auf unsere Zusage gestützt haben und sich auf etwas völlig Unbekanntes einlassen. Es ist nicht selbstverständlich, dass sie uns dafür Platz einräumen. Die Zuschauer erwartet die 10 minütige Pilotfolge der ersten Staffel. Und, wenn man will, ein Stück Südtiroler Filmgeschichte, die eben geschrieben wird.

    Andy Hartner: Die Zuschauer sollten wissen, dass der Rahmen von 10 Minuten Filmmaterial sehr klein ist, um inhaltliche Kernpunkte voll auszuarbeiten. Daher wird diese erste Pilotfolge viele Fragen aufwerfen und inhaltlich vermutlich auch ein großes Fragezeichen zurücklassen. Dennoch sind wir vorab mit dem Endschnitt sehr zufrieden und denken, unsere Zuschauer auf eine spannende Reise zu schicken. Die Zuschauern können Fragen stellen oder Anregungen geben und darüber diskutieren. Das wäre sehr schön! Eine Diskussion nach der Projektion zeigt, dass man Menschen berührt und anregt, sich mit dem Projekt auseinander zu setzen. Und diese Möglichkeit werden wir im Rahmen eines anschließenden Umtrunkes bieten.

    Ihr steckt sehr viel professionelle Arbeit in eine Serie die man gratis im Internet schauen kann. Wollt ihr gratis arbeiten?

    Andy Hartner: Wir wollten und werden nie gratis arbeiten. Wir haben Gelder gesammelt, mit denen wir jetzt losgelegt haben, um unsere Vision zu realisieren. Uns war klar, dass wir anfangs nicht viel zahlen können, das haben wir auch von Anfang an transparent an unser Team weitergegeben. Youtube hat als Plattform gerade ihre Hoch-Zeit und hat unheimliches Potential. Es gibt auch Independent Filme, die groß von sich reden machen, wie man am aktuellen Beispiel von „Room“ sieht, für den der Regisseur Lenny Abrahamson mit vielen internationalen Preisen bedacht wurde und für den die amerikanische Schauspielerin Brie Larson neben dem Screen Actors Guild Award als beste Hauptdarstellerin, den Golden Globe und auch den Oscar für die weibliche Hauptrolle gewann.

    Ricardo Angelini: Gegen das „Gratisschauen“ im Internet kann man aufgrund des Überangebotes im Web nicht wirklich dagegensteuern. Wir sehen unsere bisherige Arbeit im Moment mehr als Investition, die hoffentlich ihre „Rendite“ abwirft. Und sollten wir Förderungen und noch einige zusätzliche Sponsoren erhalten, die den kulturellen Wert dieses Projektes erkennen, sind wir in der Lage relativ faire Gagen zu zahlen.

    Ist Internet-Tv die Zukunft?

    Ricardo Angelini: Internet TV ist sicher die Zukunft, wird aber nicht alleine bestehen können. Die Sehgewohnheiten sind bereits ganz andere als vor 10 Jahren, die Technik eröffnet neue Möglichkeiten Filme zu machen und zu zeigen, von denen eben vor 10 Jahren noch keine Rede war. Dies haben wir auch in unser Konzept mit einbezogen. 10 Minuten Filme sind genau die Zeitspanne, die man jemandem zumuten kann auf einem Smartphone zu schauen.

    Warum ein Krimi, ist das der Trend der Zeit?

    Ricardo Angelini: Ich denke, der Trend geht schon wieder in eine ganz andere Richtung. Genres wie Mystery, Adventure, History geben im Moment die Richtung vor. Wir haben auch nicht bewusst Krimi gewählt sondern beim Wettbewerb das Genre offen gelassen, bis auf Horror und Fantasy, da wir ja auch an die Umsetzung denken mussten. Da ist natürlich Krimi, Thriller, Drama viel einfacher und kostengünstiger umsetzbar.

    Wie kam es zum Namen Crimetube?

    Andy Hartner: Es war tatsächlich eine unserer ersten Ideen die wir im Laufe der Entwicklung noch mal überprüft haben, aber er sagt einfach sehr genau aus, was wir machen. Tube bezieht sich auf Youtube. Es ist ein grif?ger Name, den man sich leicht merken kann.

    Ihr habt im Südtiroler Dialekt gedreht, schränkt das nicht die Reichweite enorm ein?

    Andy Hartner: Wir haben wirklich sehr lange überlegt, ob wir es machen sollen oder nicht und auch intern eine Abstimmung gemacht.

    Ricardo Angelini: Schlussendlich denken wir, dass wir als ein Projekt von Südtirolern für Südtirolern ganz klar im Dialekt sprechen müssen. Das gibt dem ganzen erst die richtige Authentizität. Wir sprechen einen verständlichen Dialekt und wenn es über den deutschen Sprachraum hinaus geht, werden wir sowieso mit englischen Untertiteln arbeiten.

    Mit welcher Technik habt ihr gedreht?

    Andy Hartner: Wir haben mit einem Team von Kameramann, Kameraassistent, Beleuchter und Tonmann gearbeitet. Und mit professionellem Equipment mit einer Bildau?ösung von bis zu 5K gedreht.

    Wo seht ihr Crimetube Südtirol in 5 Jahren?

    Ricardo Angelini: Immer noch im Internet.

    Andy Hartner: Da würde ich mich nicht so festlegen. Ich wünsche mir, dass das Projekt selbstständig für sich steht und dass es der Inbegriff für die Zusammenarbeit talentierter Südtiroler Filmschaffender wird, die innovativ denken. Ich kann mir schon vorstellen, dass Crimetube auch im Fernsehen läuft, nach oben ist alles offen. Es ist toll, so etwas selbst zu kreieren und das ganze Engagement der Beteiligten auf das wir gestoßen sind, hoffen wir dann vom Publikum zurück zu bekommen.

     

    Die Story

    Als Karl, ein junger Mönch, nach einem Überfall im Krankenhaus Bozen zu sich kommt, erinnert er sich nur bruchstückhaft an die Geschehnisse der letzten Nacht. Die ehrgeizige Journalistin Chiara, die eine neue Story wittert und Erich, der Kommissar, der den Fall untersucht, treffen im Krankenhauszimmer aufeinander. Was nach einem simplen Fall aussieht, entpuppt sich zunehmend als ein geheimes Netzwerk voller Intrigen und krimineller Machenschaften, das seine Kreise bis in die höchsten Gesellschaftsschichten Südtirols zieht. Es entspinnt sich ein Versteckspiel um die neusten Erkenntnisse und jeder der Beteiligten wird zum erbitterten Einzelkämpfer.

     

     Was ist Crimetube?

    Crimetube Südtirol steht für ein Künstlerkollektiv bestehend aus Südtiroler Schauspielern und Regisseuren, die sich zum Ziel gesetzt haben, die allererste Webserie „Made in Südtirol“ zu realisieren. Aus der Idee entstand ein landesweiter Schreibwettbewerb, der im Herbst 2015 die Story für die erste Staffel ermittelte. Gewonnen hat die Schülerin Silvia Fischnaller aus Villnöß. Sie arbeitet mit den Filmschaffenden an den Drehbüchern für die einzelnen Folgen. Im Februar 2016 starteten die Dreharbeiten für die 5-teilige erste Staffel. Auf den Bozner Filmfestival im April 2016 feiert Crimetube mit der ersten Folge mit dem Titel „Der Koffer“ Premiere. Alle weiteren Infos unter www.crimetube.bz/de

     

    Besetzung Die Schauspieler der ersten und zweiten Folge

    Erich, Kommissar – Ricardo Angelini

    Karl, Mönch – Andy Hartner

    Chiara, Journalistin – Lissy Pernthaler

    Doris, Thereapeutin – Katja Lechthaler

    Severin, Mönch – Simon Schwarz

    Johanna, Journalistin – Martina Schölzhorn

    Josef, Abt – Roland Selva

    Ambrosius, Politiker – Thomas Hochkofler

    Krankenschwester – Petra Rohregger

    Arzt – Martin Pardatscher

    Patientin – Melly Goldner

    Regie und Drehbuch: Andy Hartner und Ricardo Angelini

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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