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    Schlechte Luft

    Bildschirmfoto 2016-03-10 um 15.13.23Ozon- und Feinstaubwerte schnellten 2015 witterungsbedingt in die Höhe; nach wie vor hoch sind die Stickstoffdioxidemissionen, deren Hauptverursacher der Verkehr ist.

    Luft- und Lebensqualität sind untrennbar miteinander verbunden:

    Dementsprechend groß ist der Stellenwert, der der Überwachung der Luftwerte in Südtirol eingeräumt wird. „Es geht uns um die Gesundheit der Bürger, aber auch um die Wirtschaft, vor allem die Landwirtschaft und den Tourismus“, erklärte Umweltlandesrat Richard Theiner bei der Vorstellung der Luftwerte 2015 am Donnerstag in Bozen.

    Mit 13 ortsfesten und fünf mobilen Luftmessstationen sowie zehn Meteo-Stationen für Simulationen im ganzen Land, deren Daten in Echtzeit übermittelt werden (und unter www.provinz.bz.it/luft einsehbar sind), überwacht die Landesumweltagentur die Emissionen und setzt – wo immer nötig – Maßnahmen.

    „Dieser Ansatz ist uns wichtig“, unterstreicht Theiner. „Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität sollen auf der Grundlage von wissenschaftlichen Daten getroffen werden. Und es sollen nicht kosmetische Maßnahmen sein, sondern solche, die greifen.“

    Dabei sei klar zu sagen, dass die Messstationen in Südtirol völlig EU-konform sind. „Eine Harmonisierung der Messdaten, wie in der Vergangenheit immer wieder gefordert, ist bereits seit langem der Fall“, so der Landesrat.

    Im Mittelpunkt standen heute die Luftmessdaten des vergangenen Jahres: „Die Entwicklung der Luftschadstoffe Ozon (O3), Stickstoffdioxid (NO2) und Feinstaub (PM10), spiegelt dabei auch die besonderen Witterungsbedingungen 2015 wider“, fasst Landesrat Theiner zusammen.

    Heißer Sommer erhöht Ozonbelastung

    So hat der heiße Sommer 2015 wieder in punkto Ozon aufhorchen lassen: In den Monaten Juni, Juli und August wurden erhöhte Konzentrationen des bodennahen Ozons festgestellt, vor allem am Rittner Horn und im Unterland. „Hier wurde der Info-Schwellenwert von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter über 40 Mal überschritten“, führt Luca Verdi, Direktor des Labors für physikalische Chemie der Landesumweltagentur, aus. Da Ozon ein Schadstoff ist, der sich weiträumig ausbreitet und in Südtirol durch die norditalienischen Emissionen stark beeinflusst wird, sei es nicht möglich, Maßnahmen gegen die Ozonbelastung auf lokaler Ebene zu treffen, so Verdi. Umso wichtiger sei es, die Bevölkerung über die gesundheitlichen Auswirkungen zu informieren.

    Stickstoffdioxide: bei Verkehr ansetzen

    Nach wie vor sehr aktuell in Südtirol ist die Stickstoffdioxid-Problematik, die zu 70 Prozent vom Verkehr verursacht wird: Hier bestätigen sich die Überschreitungen der Jahresmittelwerte. Die Werte 2015 sind wetterbedingt sogar leicht angestiegen. Lange, stabile Wettersituationen begünstigen einen Verbleib der Schadstoffe in der Luft. Eine Tendenz, die im vergangenen Jahr auch in den Nachbarregionen festgestellt wurde. „Wollen wir die Stickstoffdioxid-Emissionen eindämmen, müssen wir beim Hauptverursacher dieser Schadstoffe, dem Straßenverkehr, ansetzen“, führt Landesrat Theiner aus. „Inzwischen geht das Land dieses Thema auf mehreren Wegen an.“

    Zu nennen ist das Programm zur Reduzierung der NO2-Belastung, das die Landesregierung bereits 2011 genehmigt und zusammen mit den Gemeinden eine Reihe von Maßnahmen setzt. Speziell für den Verkehr auf der Autobahn, wo die Zuständigkeit beim Staat liegt, hat die Landesregierung im März 2014 den Maßnahmenkatalog zur Eindämmung der NOX-Emmissionen der Landesumweltagentur genehmigt. Er liegt bei der eigens dafür einberufenen Technischen Kommission im römischen Ministerrat auf, bis heute ist aber – trotz mehrerer Interventionen – eine Antwort aus Rom ausständig.

    Um zusätzlich Druck aufzubauen, hat Südtirol 2014 ein Abkommen mit den oberitalienischen Regionen und Provinzen zur Verbesserung der Luftqualität abgeschlossen. Zudem wurde gemeinsam mit der A22 und dem Trentino das EU-Projekt „BrennerLEC“ eingereicht , um im Unterland die Auswirkungen einer dynamischen Geschwindigkeitsregulierung auf der Autobahn auf die Luftqualität zu testen. Diesen Frühjahr dürfte es genehmigt werden. „Positiv stimmt uns auch, dass es im Zuge der Autobahnkonzession die Möglichkeit gibt, in Übereinstimmung mit den Nachbarländern die Eurovignette einzuführen, d.h. wer mehr verschmutzt, soll auch mehr zahlen“, ergänzt Landesrat Richard Theiner. Interessante Daten in punkto NO2-Werte verspricht man sich auch von der neuen Messstation unmittelbar an der Schnellstraße MEBO, die demnächst auf der Höhe von Terlan errichtet wird.

    Feinstaub: Problem unsachgemäße Verbrennung

    Bedingt durch die starken Inversionswetterlagen war im November und Dezember 2015 auch der Feinstaub wieder ein Problem, während in den Jahren zuvor die Feinstaubwerte kontinuierlich zurückgegangen waren. „Beim Feinstaub ist die Ursache vor allem in unsachgemäß betriebenen Holzheizungen zu suchen. Öl- und Gasheizungen spielen beim Feinstaub hingegen eine geringe Rolle“, berichtet Georg Pichler, Direktor des Landesamtes für Luft und Lärm. Zwar wurden vergangenes Jahr beim Feinstaub keine Überschreitungen des Jahresgrenzwertes verzeichnet (d.h. der Tagesgrenzwert wurde nicht mehr als 35 Mal überschritten), doch einige Gemeinden waren nahe dran, darunter die Gemeinde Latsch. „Dennoch gilt es, auf den Feinstaub ein besonderes Augenmerk zu legen, denn er ist verknüpft mit hohen Benzoapyren-Konzentrationen, die krebserregend sind“, betont Pichler.

    Circa die Hälfte der Feinstaubbelastung stammt aus der Holzfeuerung, im ländlichen Gebiet sind es sogar bis zu 70 Prozent. Holzrauch ist etwas natürliches, aber deswegen nicht harmlos. „Das Hauptproblem ist nicht die Holzfeuerung an sich, sondern die unsachgemäße Verbrennung“, unterstreicht Amtsdirektor Pichler. Große Anlagen (über 1 MW) wie Fernheizwerke müssen strenge Emissionsgrenzwerte und Kontrollvorschriften einhalten; nur diese haben auch einen entsprechenden Staubfilter. „Fernheizwerke haben daher einen guten Einfluss auf die Luftqualität – auch weil vielfach kleine und mittlere Holzheizungen ersetzt wurden“, so Pichler. Bei mittleren Heizanlagen (35 kW bis 1 MW) erfolgt die jährliche Emissionskontrolle durch den Kaminkehrer und es gelten die Standard-Emissionsgrenzwerte. „Auch hier haben wir daher einen guten Überblick: Jene, die nicht funktionieren, werden neu eingestellt oder ersetzt“, führt der Amtsdirektor aus.

    Das Problem liegt vielmehr bei kleinen Anlagen (unter 35 kW) wie Holzherden und Kachelöfen. Denn von den insgesamt rund 90.000 Holzheizungen, die Südtirol zählt, entfallen rund 86 Prozent auf diese kleinen Anlagen. „Die Kontrolle erfolgt hier durch Gemeinde und Kaminkehrer, ist aber oft schwierig, und eine Emissionsmessung ist nicht möglich. Umso wichtiger ist eine regelmäßige Wartung der kleinen Heizanlagen und eine sachgemäße Befeuerung“, sagt Georg Pichler. Die Landesumweltagentur setzt daher auf die Zusammenarbeit mit Kaminkehrern und Hafnern und mit konkreten Tipps für das richtige Heizen auf die Beratung und Sensibilisierung der Bevölkerung.

     

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