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    Glückliches Europa

    Michael Moores Dokumentarfilm “Where to Invade Next” will die USA aufrütteln und nimmt Europa als leuchtendes Beispiel.

    von Renate Mumelter

    Wer mehr über die USA erfahren möchte, ist in Moores neuem Film gut aufgehoben. Noch interessanter ist der Film allerdings für Europäer, denn ganz nebenbei zeigt Moore, wie unvereint Europa ist – auch abseits der Flüchtlingsproblematik. Der rote Faden des Films: Moore sammelt positive Beispiele, die er in die USA mitnehmen will, um seinem Land dabei zu helfen, nicht immer auf der Verliererseite zu stehen. Viele dieser Good Practices sind in den USA undenkbar, obwohl sie eigentlich dort erfunden wurden.

    Der Film zeigt Italien mit seinem Recht auf bezahlten Urlaub, 13. Monatsgehalt, Hochzeitsurlaub und Mutterschaftsurlaub und mit Betrieben, die nichts dagegen einzuwenden haben. In Frankreich entdeckt Moore die Schulmensa, die köstlich kocht und sogar billiger ist als die Fraßmensa in den USA. Aus Finnland, dem Land mit den weltweit besten Lernerfolgen, nimmt er ein besonders schönes Beispiel mit. Dort haben die Kinder keine Hausaufgaben und sie gehen weniger zur Schule, weil sie andere Dinge tun sollen. Außerdem sind alle Schulen gleich gut. Das finnische Modell ist in Europa noch eine Ausnahme. In Slowenien überrascht die Tatsache, dass die Uni keine Studiengebühren verlangt, wie in Österreich übrigens auch. Deshalb kommen viele US-Studenten zu den englischen Lehrgängen, weil sie sich daheim das Studium nicht leisten konnten. Sie finden die Qualität des Angebots zudem besser als zuhause. In Norwegen besucht Moore Gefängnisse, die nicht strafen sondern annehmen. Die Rückfallquote liegt bei 20%, in den USA sind es 80%. Die Kultur des Vergebens funktioniert. Aus Island berichtet er über die Kraft der Frauen, die die Welt nicht mit Waffen retten sondern mit Worten. Bei der Bankenkrise wurde den isländischen Bankern übrigens nicht aus der Patsche geholfen, sie wurden weggesperrt.

    “Where to Invade Next” erzählt pointiert und dauert satte 120 Minuten. Etwas weniger hätte es auch getan. Aber die gezeigten Beispiele sind interessant genug, um durch den ganzen Film zu tragen.

    Where to Invade Next (USA 2015), 120 Min., Regie: Michael Moore. Bewertung: Interessant

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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