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    „Schwierige Sache“

    „Schwierige Sache“

    Enttäuschung bei Sven Knoll und Co.: Der Landtag spricht sich gegen eine verpflichtende Zweisprachigkeit für Medikamente-Beipackzettel aus.

    Sven Knoll

    Sven Knoll

    Die einschlägige Durchführungsbestimmung von 1989 sei immer noch nicht umgesetzt, erklärte Sven Knoll (Süd-Tiroler Freiheit).

    „Die Medikamente sind bis heute einzig und allein mit einem in italienischer Sprache verfassten Beipackzettel versehen. Bis heute begnügt man sich mit einem Provisorium, wonach die Apotheker auf Verlangen auch einen deutschen Beipackzettel ausdrucken. Es ist jedoch eine klare Diskriminierung, wenn die italienischen Bürger automatisch jedes Medikament mit dem Beipackzettel in ihrer Muttersprache erhalten, die deutschen jedoch nicht.

    Das Provisorium erfüllt das Recht auf Gebrauch der deutschen Muttersprache nicht, und dem Gesetz ist damit auch in keiner Weise Genüge getan. Die angeblichen Abmachungen über die Handhabe des genannten Provisoriums haben in keiner Weise den Wert einer gesetzlichen Bestimmung.”

    Es gehe hier nicht nur um das Recht auf Muttersprache, sondern etwa auch um Haftungsfragen. Der Antrag forderte daher: 1. Der Südtiroler Landtag spricht sich gegen diese Diskriminierung aus. 2. Der Südtiroler Landtag verpflichtet den Landeshauptmann, alle nötigen Schritte zu unternehmen, damit dem oben erwähnten Gesetz endlich voll entsprochen, und die in Artikel 36 vorgesehenen Medikamente nicht nur mit italienischen, sondern auch deutschen Beipackzetteln automatisch versehen werden. 3. Sollte es, aus welchen Gründen auch immer, nicht möglich sein, zweisprachige Beipackzettel beizulegen, so ist in jedem Fall sicherzustellen, dass ein Beipackzettel in der Sprache der Mehrheitsbevölkerung Südtirols, also in deutscher Sprache, beiliegt.

    Walter Blaas

    Walter Blaas

    Walter Blaas (Freiheitliche) unterstützte den Antrag. Er habe schon oft auf die Einhaltung der Bestimmung gepocht, aber ohne Erfolg. Man habe das Problem ausgelagert, an die Unifarm, die die deutschen Beipackzettel zum Ausdruck an die Kunden zur Verfügung stelle. Laut Unifarm seien die Beipackzettel für einige Medikamente der Klasse A immer noch nicht übersetzt. Blaas sprach sich gegen Punkt drei des Antrags aus, man sollte keine Kompromisse mehr akzeptieren.

    Auch Hans Heiss (Grüne) stimmte dem Antrag zu. Das Recht auf Information und auf Muttersprache sei wesentlich. Es wäre auch besser, wenn die Beipackzettel menschenfreundlicher gestaltet würden. Das Land hätte über den Großeinkäufer Sanitätsbetrieb die Möglichkeit, zweisprachige Beipackzettel einzufordern. Südtirol habe den niedrigsten Medikamentenverbrauch in Italien, aber er nehme zu, und vor allem ältere Menschen seien darauf angewiesen. All das spreche für eine bessere Regelung der Materie.

    Erstunterzeichnerin des Antrags sei Eva Klotz, bemerkte Pius Leitner (F), das Anliegen sei also nicht neu. Das Gesetz sei eigentlich klar, nur sei es für die Pharmakonzerne uninteressant, für diesen kleinen Markt zweisprachige Zettel beizulegen. Leitner fragte, warum dieses Recht bisher noch nicht durchgesetzt wurde.

    Alessandro Urzì (L’Alto Adige nel cuore) kündigte seine Zustimmung an. Es gehe immerhin um die Gesundheit der Menschen. Die Beipackzettel seien in Fachsprache abgefasst, die in einer anderen Sprache noch schwieriger zu verstehen sei. Für die Pharmafirmen sei es umständlich, allein für Südtirol andere Beipackzettel beizulegen, aber das sei keine Ausrede. Seiner Meinung nach sollten auch die Hinweise auf den Zigarettenpäckchen zweisprachig sein, denn der Tabak bringe auch Deutsche um.

    Richard Theiner

    Richard Theiner

    Natürlich müsse jeder den Beipackzettel in seiner Sprache erhalten können, bestätigte LR Richard Theiner. Die Sache sei aber schwierig, da in Italien die Materie völlig anders geregelt sei als bei den deutschsprachigen Nachbarn. Die Landesregierung habe sich sehr um eine Lösung bemüht. Die gefundene Lösung, die auf Wunsch ausgedruckten Beipackzettel – was übrigens auf dem ganzen Staatsgebiet möglich sei -, sei aber noch nicht zufriedenstellend. Der deutsche Beipackzettel müsse unaufgefordert ausgehändigt werden, dies sei für den Apotheker Pflicht. Daher würden sich die Punkte zwei und drei des Antrags erübrigen.

    Der Antrag wurde mit 12 Ja und 16 Nein abgelehnt.

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    Kommentare (4)

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    • Wenn die Mehrheit schon selber gegen die Durchsetzung eines Rechtes aufgrund einer Durchführungsbestimmung zum Autonomiestatut stimmt…
      …sem kemmer glei zommpockn!

      Und von Voll-Autonomie u.dgl. braucht von denen auch keiner mehr reden!

      Recht bleibt Recht, unabhängig davon ob die Sache aber schwierig und in Italien die Materie völlig anders geregelt sei als bei den deutschsprachigen Nachbarn. Und wenn die Landesregierung meint, sie habe sich sehr um eine Lösung bemüht, dann hat sie wahrscheinlich noch nicht kapiert, was man unter Recht versteht…

    • gredner

      Habe noch nie den Beipackzettel in Deutsch verlangt. Ich werde nun damit anfangen und ALLE sollen es nachmachen!

      Das wird den Apothekern dann schon zu lästig, und es werden dieselben Apotheker sein, die sich dann dafür einsetzen, dass die Übersetzung von vornheren in der Packung steckt.

    • gerecht

      % jeder Tote kostet nix mehr …
      Da hat sich wiedermal gezeigt, wie egal es den Politikern ist,
      ob es den Volk gut geht !!!…
      und keine falsche M. oder zu falsch nehmen muß ….
      da würden die Bürger länger leben und Pflege kostet eben mal …
      & jeder Tote kostet nix mehr …

    • meintag

      Jeder Tote nützt den Pharmakonzernen nichts mehr denn Solcher nimmt keine Medikamente zu sich. Es müsste sich aber jeder Arzt und Apotheker in Südtirol sträflich schuldig fühlen wenn Medikamente ohne schriftliche Anweisungen ausgegeben werden.
      Hat unsere Politik nicht die Macht oder will sie nicht die Obgenannten mittels Gesetz in die Pflicht nehmen. Wenn schon für den Bürger Strafandrohungen wirken wieso nicht auch für diese Kasten. Da in der LR meherer Rechtsexperten vertreten sind wäre ein Umdenken dringend notwendig.

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