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    Angst vor der Mücke

    muecke-falkensteiner-andreasIn St. Sigmund soll nahe der Rienz ein Biotop entstehen: Der letzte Auwald im unteren Pustertal wird so revitalisiert. Warum die Menschen vor Ort keine Freude damit haben.

    von Silke Hinterwaldner

    Wenn Kiens zumindest selbst eine Umfahrung bekommen hätte. Aber so…

    So bekommt die Nachbargemeinde Vintl eine großzügige Umfahrung für die Wohngebiete und Kiens schaut wieder durch die Finger. Mehr noch: Die Fraktion St. Sigmund muss jene Ausgleichsmaßnahmen beherbergen, die Vorschrift für den Bau der Straße in Vintl sind.

    „Das gefällt einigen bei uns nicht“, sagt Andreas Falkensteiner (im Bild). Er ist erst seit einem Jahr Bürgermeister in Kiens und konnte das bereits genehmigte Projekt lediglich zur Kenntnis nehmen. Das Biotop nahe der Rienz bei St. Sigmund ist bereits in den Bauleitplan eingetragen, der Bürgermeister kann die Umsetzung wohl kaum mehr verhindern.

    Auch wenn sich das manch einer sehr wünschen würde. Allen voran einige Bauern. Derzeit laufen die Enteignungsverfahren, aber nicht alle wollen ihren Grund und Boden hergeben, auch wenn sie dafür neue Felder zugeteilt bekommen. Auch die Verlegung des Traktorweges sorgt bei den Bauern für Stress – zu umständlich, zu viele Kurven.

    Aber nicht nur die Bauern sind wenig erfreut über das, was in St. Sigmund entstehen soll. „Die Menschen sind besorgt“, sagt Bürgermeister Falkensteiner, „sie fürchten, dass mehr Mücken angelockt werden.“ Er stellt zur Bedingung, dass Stechmücken und Kribbelmücken nicht zur Plage werden dürfen. Deshalb hat es bei einem Biologen des Landes ein Gutachten angefordert. In St. Sigmund wird befürchtet, dass an den stehenden Gewässern im aufgeweiteten Flussbett sogar die Tigermückte einen guten Nährboden finden würde. Ganz zu schweigen von jener Mücke, die das gefährliche Zika-Virus überträgt.

    Aber was genau ist in St. Sigmund geplant? Und wie kann es sein, dass die Bevölkerung vor Ort sich gegen eine neue Naherholungszone wehrt?

    Schon seit einigen Jahren befasst sich Maria Luise Kiem, zuständig für Biotope im Amt für Landschaftsökologie, mit den Ausgleichsmaßnahmen in der Gemeinde Kiens. „Dabei“, sagt sie, „handelt es sich um eine tolle Aufwertung des Lebensraumes Ilsterner Au, nicht nur für die Natur selbst, sondern auch für die Besucher. Wir möchten nichts verschlechtern, sondern etwas verbessern.“ Zwischen Rienz und Sportplatz in St. Sigmund bestehen noch die letzten Reste eines Auwaldes im unteren Pustertal. Nachdem man für den Bau der Umfahrung Vintl die Rienz abgesenkt hatte, beginnt das Feuchtgebiet auszutrocknen. Der Auwald wird so langsam durch Fichten oder Föhren verdrängt.

    Um diese Entwicklung aufzuhalten, soll jetzt die Ilsterner Au selbst tiefergelegt werden. So schafft man ein Biotop, in dem der ursprüngliche Lebensraum wieder hergestellt wird. „Der Fluss wird aufgeweitet, das Gebiet wird revitalisiert“, erklärt Kiem, „ähnliche Projekte haben wir etwa bei den Ahrauen in St. Georgen durchgeführt.“ In der Nähe des Fußballplatzes ist zudem ein didaktischer Bereich geplant. Das heißt: Besucher, etwa Schulklassen, können hier auf einem Erlebnisweg Natur hautnah erleben.

    Und das befürchtete Mückenproblem? „Diese Ängste sind nicht begründet“, erklärt Maria Luise Kiem, „wir haben viele Feuchtgebiete in Südtirol, die ohne große Mückenprobleme auskommen.“

    Die Planung für dieses Biotop zieht sich nun bereits seit einigen Jahren hin. Aber langsam wird es Ernst. Derzeit laufen die Enteignungsverfahren, im kommenden Jahr soll mit der Umsetzung des Projektes begonnen werden.

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