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    Loch im Käse

    käse sexten geschäftWer muss das Finanzloch bei der Sennereigenossenschaft Sexten stopfen? Die Bauern sind zornig und verlangen Aufklärung.

    von Silke Hinterwaldner

    Georg Senfter ist wütend und enttäuscht. Er ist als Bauer seit vielen Jahren Mitglied bei der Sennerei in Sexten und seit einem Jahr ist er auch wieder Mitglied im Gemeinderat. „Das wird ein riesiges Problem“, sagt er und spricht dabei von dem Geld, das den Bauern in der Sennereigenossenschaft jetzt fehlt.

    Der Hintergrund: 2013 entschied der Vorstand der Sennerei, dass man ins Lebensmittelgeschäft einsteigen sollte. In der Folge wurde eine Gesellschaft gegründet, über die der kleine Laden im Dorfzentrum gepachtet wurde. Aber dann lief alles nicht wie erwartet.

    Schon im ersten Jahr fehlte mehr Geld als man verdienen konnte – und dieser Trend setzte sich bis 2015 fort. Im November desselben Jahres entschied man, das Geschäft aufzugeben. Die Gesellschaft wurde aufgelöst. Aber wer kommt jetzt für den Schaden auf? Es soll sich ein Schuldenberg von knapp 500.000 Euro angehäuft haben.

    Der Vorstand der Sennerei wurde zwischenzeitlich ausgetauscht, nun steht Paul Fuchs der Genossenschaft vor – er will das Thema bei der nächsten Vollversammlung zur Sprache bringen. Aber jahrelang hatte Josef Villgratter die Zügel in der Hand. Er ist auch Teil jener Gesellschaft, die gegründet wurde, um das Lebensmittelgeschäft im Ort führen zu können. Ob es richtig war, 2013 in diesen Sektor einzusteigen oder ob es falsch war, nach nur zwei Jahren wieder auszusteigen, kann lange diskutiert werden. Jetzt ist aber vor allem wichtig, möglichst unbeschadet aus der Situation wieder herauszukommen.

    Deshalb die Frage: Wer muss, wer kann die Verantwortung für das Finanzloch übernehmen? In jener GmbH, die vor knapp drei Monaten aufgelöst wurde, sitzen namentlich neben Villgratter auch Werner Watschinger und Markus Pfeifhofer. Sie alle hatten sich im Namen der Sennereigenossenschaft in dieser neue Gesellschaft einsetzen lassen. Müssen sie deshalb jetzt bezahlen? Josef Villgratter selbst winkt sofort ab. „Ich kann dazu keine Auskunft geben“, sagt er, „und ich möchte auch nicht meine persönliche Meinung kundtun.“

    Brisant dabei: Als die Sennerei entschied, das Geschäft zu pachten, wurde nicht die Vollversammlung dazu befragt. Allein der Vorstand der Genossenschaft hatte darüber befunden, diesen Weg zu beschreiten.

    Für Bauer Georg Senfter ist derweil längst klar, dass es in einem kleinen Ort, wo jeder mit dem anderen verwandt oder verschwägert ist, schwer ist den objektiv richtigen Weg zu gehen. Deshalb verlangt er, dass umgehend eine außerordentliche Versammlung der Bauern einberufen werde. Dabei sollten Zahlen und Fakten offen auf den Tisch gelegt werden. „Ich gehe nicht davon aus“, sagt er, „dass die Mehrheit der Mitglieder jetzt mitstimmen wird, wenn es darum geht, die Schulden auf alle Bauern abzuwälzen.“

    Bis vor einigen Jahren hat die Sennerei Sexten an ihre Bauern den höchsten Milchpreis im gesamten Land auszahlen können. Diese Milchbauern galten als privilegiert, aber mittlerweile ist die Lage der Bauern auch in Sexten härter geworden. „Man braucht einen zweiten Job, ansonsten schaut gar nichts dabei heraus“, sagt Senfter, „deshalb glaube ich auch nicht, dass die Bauern bereit sind, auf so viel Geld zu verzichten.“

     

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