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    „Habe die Schnauze voll“

    Den Feuerwehren im unteren Eisacktal reicht es. Nach dem Protestbrief von Norbert Merler gehen die Wogen hoch. Wie die Kommandanten reagieren und welche ihre nächsten Schritte sind.

    von Erna Egger

    Norbert Merler treibt die umliegenden Feuerwehren zur Weißglut:

    Mit seinem jüngsten Protestschreiben hat er wieder Öl ins Feuer gegossen – und einen Flächenbrand provoziert. „So kann es nicht mehr weitergehen“, poltert Erich Mayrl, Abschnittsinspektor des Bezirkes Bozen. Er ist für die Feuerwehren Kastelruth, Seis, Tagusens, St. Michael und St. Oswald, Tiers, Ums, Völs, Völser Aicha und eben auch für Waidbruck zuständig ist. „Ich habe die Schnauze voll“, schimpft er.

    Der Hintergrund:

    Norbert Merler, Mitglied der Feuerwehr Waidbruck und Gemeinderat der Freiheitlichen, hat einen offenen Brief an Landesrat Arnold Schuler, dem Landesfeuerwehrpräsidenten Wolfram Gapp, den Bezirksinspektoren Alois Oberkofler und Konrad Unterthiner und an die Feuerwehren Klausen und Villanders
geschickt.

    Darin protestiert er, dass die Feuerwehr Waidbruck zum Verkehrsunfall am Mittwochabend auf der Brennerstaatsstraße bei der Abzweigung nach Sauders nicht alarmiert worden sei. Beim Frontalzusammenstoß zwischen einem Citroën und einem Opel Corsa hatten sich zwei Männer aus Völs und Brixen mittelschwer verletzt. Merler beanstandete, dass die Feuerwehr Klausen zum Einsatz gerufen worden sei, obwohl diese einen längeren Anfahrtsweg habe. Diesen Vorfall bezeichnete er als „Irrsinn“. „Jeder in Not geratene Bürger hat das Recht auf die schnellstmögliche Hilfe“, unterstrich Merler im Schreiben. Er ersuchte die Verantwortlichen von Feuerwehr und Politik auf diesen Vorfall unverzüglich zu reagieren.

    Damit hat er die umliegenden Feuerwehren erneut gegen sich aufgebracht.

    merler unfallDie angeschriebenen Wehrmänner und Bezirksfunktionäre sind in Rage. Markus Mitterrutzner, Kommandant der Feuerwehr Klausen, versucht, sachte Worte zu wählen. Er sagt: „Ich will mich zu den anderen Vorwürfen nicht äußern: Ich möchte jedoch klarstellen, dass von einem Zeitverlust nicht die Rede sein kann: Die Feuerwehr Klausen hatte in diesem Fall nicht eine Anfahrtsstrecke von sieben, sondern nur von vier Kilometern zurückzulegen. Das macht nur wenige Sekunden Unterschied.“

    Die Alarmpläne seien mit den Bezirksinspektoren und dem Land ausgearbeitet worden. „Immer die Sicherheit der Bevölkerung im Auge“, betont Mitterrutzner.

    Walter Klammer, Kommandant der Feuerwehr Villanders, reagiert anders: Er hat an alle Adressanten, an die auch der Brief von Merler gerichtet war, ein weiteres Schreiben geschickt.

    Darin kontert er auf die Vorwürfe. Gegenüber der TAGESZEITUNG erklärt Klammer: „Mich ärgern diese Machenschaften: Dieser Unfall hat sich auf Gemeindegebiet Villanders zugetragen. Wir haben die Feuerwehr Waidbruck schon im Jänner vergangenen Jahres aus unseren Alarmplänen gestrichen, einige Monate bevor das Land agiert hat – weil wir im Notfall keine Schwierigkeiten in Kauf nehmen wollten.

    Die Klausner Wehr ist in diesem Bereich absolut nicht langsamer. Abgesehen davon hat sie eine größere Wehr zu Verfügung. Außerdem: Wenn es heute ein Problem gibt, dann soll der Kommandant der Feuerwehr sprechen, nicht Merler, der ja eigentlich nichts zu sagen hat.“

    Auch in Barbian ist man auf die Nachbarswehr in der Talsohle nicht gut zu sprechen. Kommandant Meinrad Rabanser hält sich jedoch zurück: „Das ist ein Theater: Ich will mich aus der Sache raushalten. Nur soviel: Die Waidbrucker Wehr streitet mittlerweile mit jeder Feuerwehr in der Umgebung. Das größte Problem ist jedoch, dass sie keine Leute mehr haben. Man weiß dann nie genau, wie viele Männer bei einem Einsatz kommen. Daher müssen wir immer in Alarmbereitschaft sein“, so Rabanser.

    Konrad Unterthiner, Feuerwehrinspektor im Bezirk Brixen nimmt vorweg: „Die ganzen Vorwürfe, die Merler vorgebracht hat, entbehren jeglicher Grundlage: Denn innerhalb von zehn Minuten können vier kompetente Feuerwehr im Ort Waidbruck sein.“ Dann fügt er hinzu: „Mittlerweile streitet die Waidbrucker Wehr mit jeder umliegenden Feuerwehr, auch der gesamte Bezirksausschuss ist außer sich. Viele kompetente Männer sind mittlerweile aus der Feuerwehr Waidbruck ausgetreten, was sehr bedauerlich ist. Ich verstehe nicht, wieso sich Merler immer einmischt. Mit der Feuerwehr Waidbruck kann man nichts vereinbaren, am nächsten Tag wird immer alles über den Haufen geworfen. Inzwischen ist die Situation Folgendermaßen: Entweder man ist für die anderen Feuerwehren oder für die Feuerwehr Waidbruck. Für beide kann man nicht mehr eintreten.“

    Mitterrutzer ist die ganzen Streitereien leid: „Die erneute Polemik ist schürt wieder Unfrieden im Feuerwehrwesen“, bedauert Mitterrutzner, „ich hoffe, dass endlich Frieden einkehrt.“

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