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    So war das Krimi-Bozen-Finale

    So war das Krimi-Bozen-Finale

    Endlich fertig: Der Bozen-Krimi geht in seine dritte und letzte Runde. Die TAGESZEITUNG verrät, was Sie verpasst haben.

    Von Anton Rainer

    Frau Commissario kann einem wirklich leidtun. Da wollte die deutsche Aushilfs-Kommissarin Sonja Schwarz gerade noch die Unschuld ihres dackelblickdichten Ehemanns beweisen – und wird schon wieder in einen handfesten Mordfall mit Stallgeruch hineingezogen.

    Los geht’s bei der dritten (und vorerst letzten) Folge der Ex-Kripo-Bozen-Ermittler mit Sex im Heustadel. Wobei, eigentlich müsste man sagen: Petting im Heustadel, schließlich dürfen im Hauptabendprogramm zwar Mähdrescher-verdroschene Leichen gezeigt werden, keinesfalls aber Brüste.

    Auf der Alm da gibt's koa Sünd, weil Frau Commissario net auikimp.

    Sex im Heustadel: Auf der Alm da gibt’s koa Sünd, weil Frau Commissario net auikimp.

    Der Herr, dem hier so nett beim Petting zugeschaut werden darf, ist der Landwirt Karl Grandl (Joachim Raaf). Der Besitzer des gleichnamigen Hofs betreibt nicht nur wenig ansehnlichen Geschlechtsverkehr, sondern auch einen wenig ansehnlichen Buschenschank („so ne Art Besenwirtschaft“, übersetzt der Südtiroler Kommissar fürs deutsche Fernsehpublikum) im Umkreis Bozens.

    Darin findet, der in Folge Zwei bereits ausreichend etablierten Südtirol-Mafia sei Dank, mehr soziale Durchmischung und halbseidene Politik statt als in des Felsenkellers besten Jahren. Hier treffen die Probleme der Welt auf den Geist der Provinz: Kein Wunder also, dass der Fall der Woche ausgerechnet ein Mord durch Traktor ist.

    Todesursache: Traktor

    Und das geht so: Der alte Grandl-Wirt muss seinen Buschenschank an seinen Nachbarn verkaufen, der ihn erpresst, weil er seinen Gästen illegal holländische Schweine anstatt legal holländische Schweine vorsetzt. Sein Stiefsohn wird seinerseits von der Mafia erpresst, die das Törggele-Lokal ebenfalls will, zur Geldwäsche wohlgemerkt – der Leps scheint wohl nicht unter die Bargeldgrenze zu fallen.

    Verkauft wird am Ende gar nicht, weil der alte Wirt von Kellnerin (von ihm missbraucht) und Stiefsohn (von ihm ausgenutzt) gleichzeitig ermordet wird, teils mit oben erwähntem Traktor, teils mit beim Törggelen eher untypischen Medikamenten.

    Die aber erlauben es dem Bozner Kripo-Team, neben reichlich Expositions-Gelaber („Ist das DER Stefan Keller, Hotelbesitzer und zukünftiger Bürgermeister?“) immerhin auch mal zu CSI-Forensiker-Vokabeln zu greifen.

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    Die zweitwichtigste Nachricht: Heimatmuseum bleibt weiterhin geschlossen.

    Plötzlich geht es nicht mehr um lustige Traktorfahrten – sondern um „Eisenvitriol“ und anaphilaktische Schocks, und die Beamten der „Polizia“ dürfen mit atmosphärisch ausgeleuchteten Computern so lange an ein Bild ranzoomen, bis gestochen scharf aufscheint, was im echten Leben wohl nur Pixelbrei wäre. Wie gesund ist so viel Technik?

    Dann aber erinnert sich der hübsche „Commissario Capo“ Zanchetti gerade noch an den betagten ARD-Durchschnittszuschauer – und elias-mbarekt mit geschürzten Lippen der nächsten eindeutig zu rasant geschnittenen Traktor-Verfolgungsjagd entgegen. Sogar eine Seitwärts-Rolle geht sich aus, alle Achtung. Das wirkt so albern, dass es fast schon wieder unterhält.

    Hechtsprung: Turbotraktor sucht Freiheit

    Hechtsprung: Turbotraktor sucht Freiheit

    Spagnollis Nachfolger

    Spagnollis Nachfolger

    Spannender ist dafür Mord Nummer Null, der seit Folge Eins des Bozen-Krimis auf Aufklärung wartet. Grob zusammengefasst geht es in dem folgenübergreifenden Fall um drei Mädchen, für deren Ermordung man gleich zwei Männer beschuldigt: Thomas Schwarz, fürsorglicher und damit natürlich unschuldiger Ehemann von Frau Commissario Schwarz, und Stefan Keller, schleimiger Bürgermeisterkandidat der auch in der Serie fleißig plakatierenden Mehrheitspartei. Letzterer schläft zwar, wohl aus Fraktionstreue, nur mit jungen Mädchen, die ein Edelweiß-Amulett um den Hals tragen – schuldig ist er aber, wenn überhaupt, nur an ihrer Aufnahme in die Parteijugend.

    Am Ende war’s nämlich der Hirte.

    Ludwig Kerschbaumer, Polizisten-Sohn und -Bruder, hat die Mädchen umgebracht, weil sie seine hemdsärmelige Liebe nicht zu schätzen wussten – gleich wie das Messer, mit dem er sie ihnen vergeblich gestand. „Warum kann man mich nicht lieben?“, schreit der Junior-Kerschbaumer am Ende pathetisch, bevor er seinerseits das Zeitliche segnet, „warum werde ich immer um die Liebe betrogen?“

    Gut möglich, dass man diese Auflösung auch vorher schon ahnen hätte können, wenn der liebe Ludwig nur etwas verständlicher gemurmelt hätte. Aber wer 365 Tage im Jahr mit Schafen spricht und Herz-Jesu-Feuer plant, muss zugegebenermaßen nicht artikulieren – oder seine Motive mehr als fünf Minuten vor Folgenende mitteilen. Auf dem Fähigkeiten-Baum deutlich weiter oben stehen bei Schäfern sicher Messer-Schleifen und Ape-Aufmotzen.

    Den Mörder frühzeitig enttarnt hätte höchstens ein Blick ins, in Folge Drei erstmals etwas vielschichtigere, Rollenbuch. Gespielt wird Ludwig von Kai Malina, der derzeit als Uwe Mundlos in „Letzte Ausfahrt Gera“ an der Seite von Beate Zschäpe im Nationalsozialistischen Untergrund kämpft. Wie gut, dass ihm die Kripo Bozen das Handwerk legt.

    Das Sieger-Grinsen: Capo Commissario Zanchetti

    Das Sieger-Grinsen: Capo Commissario Zanchetti

    Ungeschoren kommt dafür ausgerechnet Stefan Keller davon. Der einvernehmliche(?) Sex mit einer 15-Jährigen, den der Edelweiß-Kandidat im Laufe der Handlung zu Protokoll gibt, ist, wie er selbst klug kalkuliert hat, längst schon verjährt. Damit lässt es sich wohl auch noch Bürgermeister werden, in Bozen dürfte eher zählen, wie sich der mutmaßliche Pädophile in Sachen Benko positioniert. Frau Commissario schaut kurz bös und lässt den Handlungsstrang konsequent fallen wie eine heiße Kartoffel.

    Das kann man durchaus als Kritik an der italienischen Justiz verstehen – oder aber als makabere Moral an der G’schicht: Bürgermeister wird, wer sich jugendnah gibt.

     

    Beobachtungen: 

    • „Ich wäre ja nicht seit zehn Jahren im Landtag, wenn ich nicht wüsste, was läuft.“, sagt der Bürgermeisterkandidat, der Mordhinweise statt Umfrageergebnisse an die Presse schickt.
    • Die Gerichtsmedizinerin kann die Todesursache „wegen des Regens leider nicht feststellen“. Andererseits: Wenn ein Mann blutüberströmt unterm Traktor liegt, war es meistens der Traktor.
    • „Wie Südtiroler schaut’s es aber net aus“, sagt der Bauer zu den deutschen Carabinieri. Zum Glück fragt er nicht nach der Zweisprachigkeit.
    • Frau Commissario hat in drei Folgen Italienisch gelernt – dafür hat ihr Partner noch immer Schwierigkeiten mit dem Wort „Commissario.“
    • „Das Schaf ist süß.“ „Ja. Schade, dass es sterben muss.“ Mörder können mitunter auch Veganer sein.
    • Apropos: Die alte Frau Kronstadt macht auf ihrer Alm Käse. Sie macht nur Käse. Sie macht täglich Käse. Käse.
    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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    Kommentare (7)

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    • andreas

      Der Krimi war lustig, vor allem auch weil er so klischeebehaftet war.
      Ich kann dieses sinnlose Niedermachen nicht recht nachvollziehen, die ersten beiden Krimis hatten sehr gute Quoten und es handelt sich um Unterhaltung und nicht um eine Doku.
      Was soll das eigentlich verzweifelt nach einem Bezug zur Realität zu suchen, wie beim holländischen Speck, um irgendwelche Kritik an Südtirol anzubringen?

      Witzig war James Bond auf südtirolerisch, der „Commissario capo“ läuft dem Traktor mit Hänger hinterher, springt auf und überwältigt den Fahrer, einzig der Kampf auf dem Hänger mit fahrendem Traktor hat gefehlt. 🙂
      Die einzige Erkenntnis über Südtirol. welche ich gezogen habe ist die, dass wir wirklich ein neues Gefängnis brauchen, das alte sieht ja wirklich besch…..eiden aus. 🙂

    • Na dann warten wir mal ab, bis der Anton Rainer auch den nächsten „Donna-Leon-Krimi“ zerpflügt…

    • yannis

      >>>Die TAGESZEITUNG verrät, was Sie verpasst haben.<<<

      man hat NIX verpasst, genauso wenig wie bei Dieter Bohlens "DE sucht den super Narr"

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