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    Keine neue Brenner-Grenze!

    Gerhard Ruiss: Wir sind entsetzt über die Ankündigung, die Brenner-Grenze wieder zu ziehen.

    Gerhard Ruiss: Wir sind entsetzt über die Ankündigung, die Brenner-Grenze wieder zu ziehen.

    Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren, protestiert gegen die geplanten Grenzzäune und Grenzbefestigungen am Brenner, am Reschenpass und bei Sillian.

    Wir sind entsetzt über die Ankündigung, die Brenner-Grenze wieder zu ziehen. Wir sind entsetzt über die Kaltschnäuzigkeit mit der sich Nordtiroler Regierung und die Österreichische Bundesregierung über die besondere Bedeutung und besondere Verantwortung gegenüber dieser historisch dramatischen Grenze hinwegsetzen. Wir sind entsetzt über die Kaltschnäuzigkeit, mit der die Nordtiroler Regierung der Südtiroler Regierung empfiehlt, selbst die Grenze zu ziehen, wir sind entsetzt mit welcher Kaltherzigkeit und mit welchen Mitteln die Nordtiroler Regierung und die Österreichische Bundesregierung auf das größte Flüchtlingselend in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg reagieren. Wir sind entsetzt über diese Ankündigung, die europäische Region Tirol wieder in zwei und mehr Teile zu zerschneiden.

    Wir fordern den österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann bei seinem Treffen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi am Freitag dieser Woche auf, klar und unmissverständlich zum Ausdruck zu bringen, dass an keine neue Errichtung von Grenzbefestigungen zwischen Italien und Österreich, diesmal von österreichischer Seite aus, gedacht ist, weder am Brenner, noch am Reschenpass, noch bei Sillian. Wir fordern darüber hinaus die Österreichische Bundesregierung dazu auf, ihre besondere Verantwortung gegenüber Südtirol wahrzunehmen. Wir fordern die Nordtiroler Regierung dazu auf, nicht sehenden Auges die Südtiroler Wirtschaft, die Südtiroler Kultur und den Tourismus in Südtirol zu schädigen und Südtirol von Österreich abzuschneiden oder die Abschneidung Südtirols von Österreich zu verlangen. Wir fordern die Nordtiroler Regierung auf, sich klar und unmissverständlich zur Region Tirol zu bekennen und sich nicht auf Kosten Südtirols einer gemeinsamen Fragestellung der Region Tirol und Österreichs und Italiens zu entledigen.

    Es hat Jahrzehnte gebraucht, um die historischen Schwierigkeiten zu überwinden und zu neuen Gemeinsamkeiten ohne Ressentiments zu finden, es hat Jahrzehnte gebraucht, um das kulturelle Erbe fortzuführen und eine neue gemeinsame kulturelle Gegenwart zu entwickeln, das alles darf nicht durch ein neues Gegeneinander, dazu sogar noch innerhalb der Region Tirol wieder zerstört werden. Mutwillig, ohne Not.

    Es ist dringend geboten, den Kurs der Grenzbefestigungen gegen einen Kurs der gemeinsamen organisatorischen Bewältigung des Flüchtlingsdramas in Europa auszutauschen, sonst wird das einzig gemeinsame am gemeinsamen Europa bald nur noch sein, überall Grenzzäune zu errichten, um ein Land vom anderen noch besser abzugrenzen. Politik ist eine größere Aufgabe, als sich nur einzuigeln und voneinander abzugrenzen.

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