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    Die vielen Fragezeichen

    mord sWie konnte so etwas passieren? Am Tag nach der Bluttat ist St. Lorenzen fassungslos. Das Familiendrama: Cleto Tolpeit hat am Sonntag seine alte Mutter totgestochen.

    von Silke Hinterwaldner

    Irma Denicolò war eine rüstige alte Dame. Bis vor kurzem hat sie ihr Dorf St. Lorenzen noch mit dem Fahrrad erkundet, trotz ihres fortgeschrittenen Alters von 87 Jahren. Letzthin musste sie auf ihr Rad verzichten, die Ausflüge ins Dorf hat sie sich aber nicht nehmen lassen.

    Sie war ein geselliger Mensch, im Seniornclub aktiv und oft für einen kleinen Plausch zu haben. So hat Bürgermeister Martin Ausserdorfer erst vor einigen Tagen vor dem Rathaus mit ihr gesprochen. „Wir können uns hier in St. Lorenzen nicht erklären, wie so etwas passieren konnte“, sagt er, „das Dorf steht unter Schock.“ Am Tag nach der Bluttat wollen viele Dorfbewohner noch immer nicht glauben, dass im neuen Haus an der Pustertaler Straße ein Sohn seine Mutter totgestochen hat.

    Am Sonntagnachmittag haben sich im Wohnhaus Tolpeit dramatische Szenen abgespielt. Nach einem Streit soll der 45-jährige Cleto Tolpeit mit einem Küchenmesser auf seine Mutter losgegangen sein.

    Mutter und Sohn haben eigentlich immer schon zusammen unter einem Dach gewohnt. Cleto Tolpeit war wohl das, was man gemeinhin einen eingefleischten Junggesellen nennt. Erst im Sommer hatten sie die umgebaute Wohnung in ihrem Haus bezogen. Im Erdgeschoss wohnten Irma und ihr Sohn Cleto. Im ersten Obergeschoss lebt der ältere Bruder mit seiner Frau und den beiden Kindern.

    Cleto Tolpeit ist das jüngste von insgesamt drei Kindern, die von der Mutter allein großgezogen worden sind. Schon früh hatte sich Irma Denicolò von ihrem Mann getrennt. Der jüngste Sohn Cleto hat sich nie gern in kleinbürgerliche Schubladen stecken lassen, er gibt sich gern alternativ. Auf Fotos ist er mit längeren Haaren und langem Bart zu sehen, der zu einem Zopf geflochten ist. In seiner Freizeit hat er am liebsten Fantasy-Bilder gemalt, 2010 hat er diese Bilder bei einer Ausstellung im Jugend- und Kulturzentrum UFO in Bruneck gezeigt.

    Auch sein Brotberuf ist mit Farbe verbunden. Bereits seit vielen Jahren arbeitete Cleto Tolpeit für den Malerbetrieb Dantone in St. Lorenzen, der von SVP-Gemeinderat Rudolf Dantone geführt wird.

    Cleto Tolpeit gilt in St. Lorenzen als liebenswerter Kerl, der keiner Fliege etwas zuleide tun könnte. Umso unverständlicher ist für die Dorfbewohner, was sich an diesem Sonntagnachmittag im Hause Tolpeit abgespielt hat. Dass Cleto seine alte Mutter mit Stichen in den Brustkorb, in Hals und Gesicht getötet haben soll, wirft in St. Lorenzen viele Fragen auf. Ein brutaler Mord, mitten im Ort, Opfer und Täter als Teil der Dorfgemeinschaft, das scheint surreal, schier unmöglich. Aber am Sonntagnachmittag ist es in St. Lorenzen zur tragischen Wahrheit geworden.

    Bürgermeister Ausserdorfer hat die Angehörigen am Montagvormittag besucht. Er sagt: „Die Familie braucht jetzt vor allem Ruhe.“

     

    LESEN SIE IN DER PRINT-AUSGABE:

    DAS VERHÖRPROTOKOLL: Was Cleto Tolpeit im ersten Verhör ausgesagt hat.

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