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    „Verwöhnte Lümmel“

    Der SEL-Parlamentarier Florian Kronbichler schießt in der Flüchtlingsfrage ungewohnt scharf gegen Arno Kompatscher. Und er wundert sich: „Welcher Teufel reitet neuerdings den Landeshauptmann?“

    Dass Landeshauptmann Arno Kompatscher und Europaparlamentarier Herbert Dorfmann die Tiroler Regierung in Bezug auf mögliche Grenzschließungen kritisieren, scheint Florian Kronbichler nicht besonders gut zu bekommen. In einem Facebook-Eintrag schreibt der SEL-Abgeordnete:

    „Dass wir Heulsusen sind und Schnorrer, das weiß man in Wien, und es hat sich dran gewöhnt. Dass uns klagen und betteln nicht mehr reicht, sondern dass wir auch frech werden können und Österreich vorschreiben wollen, was es zu tun hat, diese Erfahrung muss Mama Schutzmacht in diesen Tagen machen. Wäre ich Österreich, würde ich uns verwöhnte Lümmel zum Teufel wünschen.

    Oder war es etwa nicht schlicht frech, wie Europaparlamentarier Herbert Dorfmann am Sonntag in der Rai-Südtirol Bundeskanzler Faymann und Landeshauptmann Platter abgekanzelt hat? Die beiden hatten sich unterstanden, angesichts des Flüchtlings-Notstands von einer Aussetzung des Schengen-Abkommens auch an den Grenzübergängen zu Italien zu reden. Nur zu reden, wohlgemerkt. Geschehen ist es ohnehin nicht. 

    Unser Dorfmann fand dafür Worte, ja Drohungen, die einem Schutzbefohlenen (sind wir doch, oder?) seiner Schutzpatronin gegenüber nicht ansteht. „Kann doch nicht sein, dass…“, „Wenn Österreich damit anfängt, dann …“ Hätte grad noch gefehlt, dass der Südtiroler in Europa Österreich vors Menschenrechttribunal zitiert hätte. Kein Wort der Anerkennung, dass Österreich in all diesen schwierigen Monaten so gut wie keine Flüchtlinge an den Südtirol-österreichischen Grenzen rückverwiesen hat. Kein Wort hingegen, dass, im Gegenteil, die italienische Grenzpolizei letzte Woche 200 Flüchtlinge nach Österreich rückverwiesen hat.

    Doch es komme noch schlimmer, so Kronbichler: „Welcher Teufel reitet neuerdings den Landeshauptmann? Sonst so moderat, so bedächtig und den (wenigen) Flüchtlingen im eigenen Land gegenüber fürsorglich gesinnt, kommt er Österreich plötzlich ebenfalls mit den Genagelten.“ Für den SEL-Abgeordneten eine unerhörte Belehrung, „unerhört und schäbig. Die Grenze zu uns nicht, zu Slowenien schon. Heiliger Florian schütz unser Haus ,zünd’ andere an!“

    Weiter schreibt der (heilige) Florian:

    Quousque tandem abutere, Catilina, patientia nostra! Den Namen Catilina mit Südtirol ersetzend: Wien muss dieser Ausruf Ciceros immer öfter auf den Lippen liegen. Irgendwann wird es ihn offen aussprechen: Wie lang wollt ihr uns noch …? Im Grund: Andreas Khol hat es letzte Woche schon ausgesprochen: Er hat gesagt, das Ding mit der Doppelstaatsbürgerschaft ist Unfug, unnütz, unrealistisch, gefährlich. So lang haben wir geeiert. Und so lang haben es auch die Höchstverantwortlichen im Land, auch der Landeshauptmann, treiben lassen. Nicht einmal der Landeshauptmann, der selbst dagegen ist, hatte die Schneid, offen zu sagen: aufhören mit der Forderung nach Doppelstaatsbürgerschaft! Jetzt hat es der Mann sagen müssen, der wahrscheinlich nächster österreichischer Bundespräsident wird. Danke, Herr Khol.

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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    Kommentare (10)

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    • franz

      Diesmal hat Kronbichler nicht ganz unrecht. mit der Frage “welcher Teufel reitet neuerdings den Landeshauptmann?“
      Ganz nach System Renzi, anstatt die Hausaufgaben im eigenen Haus zu machen, die Schuld auf andere schieben mit der EU bzw. mit der Schutzmacht Österreich einen unnützen Krieg vom Zaun brechen. Anstatt die von allen Seiten kritiserte Willkommenskultur zu beenden kritisiert der LH & Co, jene die anscheinend die Zeichen der Zeit, zwar etwas spät, aber immer erkannt haben

    • andreas

      Österreich bzw. der Rest von Europa, haben die Grenzstaaten jahrelang mit der Flüchtlingsproblematik allein gelassen und sich nicht darum gekümmert.
      So großartig brauchen die Staaten, welche jetzt Flüchtlinge aufnehmen, sich nicht feiern lassen, denn Italien hat schon vor Jahren gewarnt, nur wurden sie nicht ernst genommen und passiert ist gar nichts.

      Italien wurde sogar für Mare Nostrum kritisiert, da sie dadurch, dass sie Menschen gerettet haben, andere anscheinend dazu animiert haben auch zu kommen, politisch gewollt wäre es anscheinend gewesen die Leute ersaufen zu lassen.

      Warum soll Südtirol gegenüber Österreich nicht seine Meinung sagen dürfen?
      Peinlich ist es eher wenn ein gewählter Volksvertreter einen solchen Text schreibt, welcher wie der eines Spätpubertierenden wirkt, der es jemanden heimzahlen will.

    • franz

      Na Ja für Realitätsverweiger und Gutmenschen sind eben die anderen schuld.
      Sie weigern sich zur Einsicht zu kommen, dass sie mit der Willkommenskultur “alle können zu uns kommen“ ohne zu differenzieren zwischen Kriegsflüchtlingen und Wirtschaftsflüchtlingen die anstatt in ihrer Heimat mit Arbeit ihren Unterhalt zu finanzieren, angelockt von den Gutmenschenpolitik von den linken der Regierung Renzi bzw. der Willkommenskultur Merkel all zu uns wollen um ohne zu arbeiten auf unsere Kosten in teuren Unterkünften ein bequemes Leben zu führen:
      Es ist aber nicht immer so wie diese naiven Gutmenschen allen versprechen, teure Unterkünfte Arbeit für alle +++
      So gesehen sind sie schuld an der ganzen Misere .
      Anstatt anderen die Schuld geben, müssten diese Gutmenschen endlich einsehen, dass man nicht alle aufnehmen kann und Nichtkriegsflüchtlinge -Wirtschaftsflüchtlinge, kriminelle- Immigranten anfängt in ihr Heimatland zurückzuschicken anstatt in 4 Sterne Hotels auf unseren Kosten unterzubringen.
      Wenn es nicht Gutmenschentum ist dann sind es wohl andere Interessen wenn die Regierung Renzi die mit der EU vereinbarten Abkommen bezüglich Registrierung der Flüchtlinge nicht nachkommt.
      Nicht ohne Grund wurde gegen Italien ein Vertragsverletzungsverfahren wegen nicht Registrierung der Flüchtlinge eingeleitet.
      http://www.repubblica.it/cronaca/2015/12/10/news/migranti_eurostat_in_italia_91_prime_richieste_asilo-129161067/
      Daher sollte LH Kompatscher anstatt Österreich zu kritisieren die Regierung Renzi auffordern diesen Verpflichtungen nachzukommen bzw. Menschen die kein Recht auf Asyl haben in ihr Heimatland abschieben.
      Warum das die Regierung Renzi nicht will lieg auf der Hand, ist es ja ein durchaus erträgliches Geschäft ( Beispiel “mafia capitale “ ) Carminati & Buzzi die mit Auffanglagern wie z. B den “CARA di Mineo “ / Jahr 100 Millionen € vedient haben.

    • sepp

      Österreich wird sicher nett in kompatscher frogen ob sie die grenzen schliessen schaugat mo gern ohn wos der landeshauptmann und die stocker taten wen die grenzen zui waren und itz ba der kälte 3000 leute an brenner waren

    • george

      Sehr gut, Florian Kronbichler.

    • aufklaerer

      Nein, gar nicht gut. Offensichtlich können es Kronbichler und seine Fans nicht erwarten, bis auch Südtirol im Chaos versinkt wie Deutschland!

    • george

      Dann haben Sie Kronbichler nicht verstanden, ‚aufklaerer‘, wenn sie so etwas von ihm behaupten. Ins Chaos versinkt Südtirol sicher nicht wegen Florian Kronbichler.

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