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    Digitale Überwachung

    Bootes Dokumentarfilm „Alles unter Kontrolle“ muss man gesehen haben, weil das Thema alle angeht, ausnahmslos.

    von Renate Mumelter

    Egal ob FB-Freaks oder strenge FB-Gegnerinnen, ob Kreditkartennutzerinnen oder Matratzensparer, mit digitaler Überwachung müssen wir alle leben. Die Meinungen zum Thema sind vielfältig, das Thema auch, und niemand kann sagen, wo der Segen aufhört und der Fluch anfängt. Digitale Überwachung ist mehr als eine Kamera an der Straßenecke. Sie geschieht viel subtiler. Über die Kundenkarte des Supermarkts zum Beispiel könnten Ernährungsgewohnheiten erhoben werden, Privacy hin oder her. Wieviel diese Privacy wert ist, zeigen die streng bewachten NSA-Zentralen. Der Regisseur besucht zwei davon, kommt aber nicht weit. Boote bereist die ganze Welt, um herauszufinden, wie überwacht wir sind und was Fachleute darüber denken. In England trifft er einen Ex Geheimdienstchef, für ihn ist Überwachung fürsorglicher Schutz für das Volk. Beim Aadhaar-Projekt in Indien werden erste digitale online Ausweise erstellt – mit weit reichenden Folgen. In Chicago lässt sich Boote von einem Rapper durch das trotz zahlloser Kameras gefährlichste Stadtviertel der USA begleiten. Aus Hongkong bringt er Bilder von der Großdemo der Chinagegner mit. Die kommunizieren mit bunten Post-its, nicht mit Postings, um keine unauslöschlichen Spuren zu hinterlassen. Den Soziologen Zygmunt Baumann fragt Boote nach den Gründen für den Boom der sozialen Netzwerke. Die Erklärung ist so simpel wie komplex. Das existentielle Bedürfnis nach Geborgenheit macht Netzwerke und Smartphones so beliebt. Für den ersten Walkman wurde einst der Werbeslogan „ Nie wieder allein“ erfunden. Das war der Anfang der technischen Geborgenheit, sagt Baumann. Freiheit bedeute Einsamkeit, Geborgenheit setze Kontrolle voraus. Solange diese von den liebenden Eltern kommt, kein Problem. Bei kontrollierenden Gesellschaftssystemen liegt die Sache anders.
    Der Film liefert Informationen und Denkanstöße, ohne groß zu werten. Er klärt auf, und das ist auf jeden Fall nützlich.

    Alles unter Kontrolle (A 2015), 93 Min., Regie: Werner Boote. Bewertung: Interessant

    Was es sonst noch gibt:
    La Corrispondenza, Der Große Diktator am Mittwoch, The Revenant

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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