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    Vermarktete Stadt

    bruneck huberDas Stadtmarketing Bruneck löst ein kleines politisches Erdbeben in der Gemeinde aus. Nach dem Rücktritt einer Stadträtin gilt es viele offene Fragen zu klären.

    von Silke Hinterwaldner

    „Ich habe meine Aufgabe im Stadtrat mit Herzblut begonnen“, sagt Gertrud Niedermair Pescoller, „aber es hat unterschiedliche Vorstellungen und Diskussionen über die Zukunft des Stadtmarketing gegeben. Deshalb ist es besser so.“

    Niedermair Pescoller hat am 30. Dezember ihren Rücktritt aus dem Brunecker Stadtrat eingereicht. Sie war vor eineinhalb Jahren von außen berufen worden und hatte die Bereiche Wirtschaft und Kultur betreut. Dass sie jetzt aufhört, hat viele überrascht. Was bleibt, ist die offene Frage: Was ist wirklich los im Stadtmarketing Bruneck?

    Die ehemalige Stadträtin selbst will nicht weiter ins Detail gehen. Sie überlässt es jetzt anderen, über neue Strategien für Bruneck nachzudenken.

    In den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten war Bewegung in das Stadtmarketing Bruneck gekommen. Der Reihe nach: Im Mai war Andreas Mariner kurzerhand als Präsident für das Stadtmarketing abberufen worden. Seine Amtszeit war nach fünf Jahren zwar offiziell ausgelaufen, aber er wurde gar nicht erst gefragt, ob er weiterzumachen gedenke. An seiner statt wurde Christian Tschurtschenthaler an die Spitze des Vereins Stadtmarketing gesetzt. Als ehemaliger Bürgermeister und Abgeordneter im Landtag schien er plötzlich die bessere Wahl zu sein.

    Mariner selbst war über den Wechsel zunächst alles andere als erfreut. Aber er ließ sich doch noch einmal dazu überreden, im Ausschuss des Stadtmarketing weiterzuarbeiten. Das tat er auch – bis Dezember. Dann reichte auch er seinen Rücktritt ein. Er kann sich mit der Neuausrichtung des Vereins nicht mehr identifizieren und sagt: „Unter meiner Präsidentschaft wollten wir immer möglichst finanziell unabhängig, politisch neutral und transparent arbeiten. Das hat recht gut geklappt. Aber jetzt wird alles wieder sehr politisch gefärbt.“

    Mit Christian Tschurtschenthaler sitzt ein Mandatar der SVP an der Spitze des Stadtmarketing und mit Michael Oberrauch bekommt der Verein jetzt den ehemaligen Pusterer SVP-Sekretär als Geschäftsführer. Das ist manchen ein Dorn im Auge. „Es ist notwendig“, sagt etwa PD-Gemeinderätin Cornelia Brugger, „dass die neuen Aufgaben nicht immer von denselben Personen in immer denselben Bereichen übernommen werden. Wir brauchen eine echte demokratische und transparente Diskussion.“

    In ihrer Stellungnahme prangert sie vor allem an, dass alles dafür getan wird, um Christian Tschurtschenthaler als Präsident des Stadtmarketing halten zu können. An und für sich war beim ehemaligen Bürgermeister von Bruneck eine Unvereinbarkeit diagnostiziert worden: Er darf nicht gleichzeitig Abgeordneter und Präsident des Vereins Stadtmarketing Bruneck bleiben. Jetzt wird diese Unvereinbarkeit einfach ausgehebelt, indem man die Struktur in eine Gesellschaft oder eine Genossenschaft umwandelt. Ein schlauer Trick, um Tschurtschenthaler halten zu können.

    Aber wohl auch eine notwendige Konsequenz nach einigen Jahren Erfahrung. Es war Tschurtschenthaler selbst, der als Vizebürgermeister vor vielen Jahren das Stadtmarketing entwickelte. Mittlerweile schreibt der Verein einen Umsatz von über einer Million Euro, die Tätigkeitsfelder sollen weiter ausgebaut werden.

    Aber darüber, wie die Zukunft des Stadtmarketing aussehen soll, scheiden sich die Geister. Trotzdem sagt Martin Huber: „Ich spüre keinen Konflikt. In meinen Augen ist es einfach nur wichtig, dass die verschiedenen Akteure gut zusammenarbeiten können.“ Huber ist als Präsident des Tourismusvereins Bruneck selbst Mitglied der Vollversammlung des Stadtmarketing. Ihm zur Seite stehen dort ein Vertreter des HGV, ein Vertreter der Kaufleute und ein Vertreter der Gemeinde. Diese Konstellation ist nicht immer glücklich, die Meinungen darüber, welche Richtung das Stadtmarketing einschlagen soll, gehen mitunter auseinander. Manche sehen im Verein nur eine Struktur, die einige Veranstaltungen im Jahr abzuwickeln hat, andere wollen die Aufgaben auf die Stadtentwicklung in unterschiedlichen Bereichen ausweiten.

    Martin Huber ist ein Mann, der das Gespräch sucht. Nicht nur im Tourismusverein, sondern vor allem auch im Gemeinderat Bruneck. Dort arbeitet er als Präsident des Gemeinderates, offenbar zur Zufriedenheit aller. Auch er kommt als Nachfolger für Stadträtin Niedermair Pescoller in Frage. Schließlich ist er selbst Hotelier und Vertreter der Fraktion Reischach, der historisch gesehen immer ein Platz im Stadtrat zuerkannt wurde.

    Aber ob ein Mann oder eine Frau in den Stadtrat berufen wird, hat Bürgermeister Greissmair offenbar noch nicht entschieden.

    LESEN SIE IN DER PRINT-AUSGABE:

    • Wer für Gertrud Niedermair Pescoller in den Stadtrat nachrückt
    • Das Interview mit Roland Grießmair.
    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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    Kommentare (12)

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    • einereiner

      Klingt nach einer SVP-Schlangengrube.
      In Sand in Taufers und St. Lorenzen binden die neuen Bürgermeister die Opposition und die Bevölkerung in die Entscheidungen mit ein.
      In Bruneck wird jeder nicht-SVP-ler bzw. jeder nicht Kollaborant von den Futtertrögen weggebissen.

    • andreas

      Es ist immer wieder erstaunlich wie aus jedem Konflikt gleich eine SVP Verschwörung konstruiert wird.
      Die Nicht SVPler sind immer die Guten und die SVPler die Bösen und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie heute noch……

    • george

      Da muss ich ‚roberto‘ voll zustimmen. Es ist nicht die SVP bzw. die Satzung, die dahintersteht, die schlecht ist, sondern das System, das von eingen Wenigen immer wieder daraus gemacht wird und wie man mit dieser Macht umgeht bzw. für wen man dann hintergründig Posten schafft und arbeitet. Und die schweigende Mehrheit weiß oft nichts oder schaut zu, in der Überlegung, dass man ohnehin nichts dagegen machen könne oder eh alle so handeln, wenn sie einmal drinnen sind. Der Rücktritt von Mariner und von Peskoller und die Machenschaften, die damit offenkundig wurden, zweigen uns aber, dass es auch anders gehen würde.

    • und in der zwischenzeit wird die ex chefsekretärin vom stadtkomitee
      marketing dame für den flughafen bozen. dens in einem jahr nach dem referendum ja nicht mehr gibt, gell andreas.

    • franzbach

      Die eigentlichen Drähte in Bruneck werden von Herren gespannt, welche im obigen Artikel nie genannt werden, ein Anwalt, ein Immobilienmogul mit bläulichen Brillen und ein SVP-Ortsobmann.

      Waren es auch jene, die am Abend des 19.11.2013 im „Künstlerstübele“ beim Weißen Lamm in Bruneck beim gemeinsamen Abendessen entschieden haben, ob Mariner oder Grießmair Bürgermeister von Bruneck werden solle. Ihre damalige Entscheidung ist heutige Realität. Seit jenem 19.11.13 ist mir klar, dass Grießmair nur eine Marjonette ist. Und, er ist es wirklich, ich kann nichts anderes erkennen.

      Auch bin ich davon überzeugt, dass jene fragwürdigen drei Herren der Stadtmarketingsuppe ihren gewünschten Geschmack diktiren.

    • einereiner

      @franzbach
      Meinst du Schramm, Niederkofler und wieder Schramm?
      Griessmair ist die Marionette, die dafür aber dreimal abkassieren darf: als Bürgermeister, als Bezirkspräsident und als Inhaber einer Ingenieurfirma mit vielen Aufträgen (da seine Projekte „natürlich“ schneller durch die Baukomission gehen).

    • martin

      Ich sehe, dass es doch noch Leute gibt die sehen was in Bruneck wirklick gespielt wird und woher die Winde wehen. Sehr treffende Kommentare @franzbach und @einereiner!!

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