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    Mussolinis „Held“

    „Der Südtiroler" vom November 1928

    Die Zeitschrift „Der Südtiroler“ vom 1. November 1928

    Die Süd-Tiroler Freiheit kritisiert: Ein Kriegsverbrecher, der für ein Massaker an 1500 Menschen mitverantwortlich sei, ist noch immer Ehrenbürger von Brixen.

    Der Kriegsverbrecher Gennaro Sora ist immer noch Ehrenbürger von Brixen.

    Darauf macht Hartmuth Staffler, Bezirkssprecher der Süd-Tiroler Freiheit, aufmerksam.

    Es sei höchst an der Zeit, die von einem faschistischen Podestà verfügte Ernennung, die eine Beleidigung für alle anderen, verdienten Ehrenbürger darstellt, rückgängig zu machen.

    Hartmut Staffler in einer Aussendung:

    Hartmuth Staffler

    Hartmuth Staffler

    „Der Alpinioffizier Gennaro Sora, ein Freund des Kriegstreibers Cesare Battisti, dem in Brixen sogar eine Straße gewidmet ist, hatte am Ersten Weltkrieg teilgenommen und war danach auch in Brixen stationiert. Er nahm 1928 mit einer Gruppe Alpini an der Nordpol-Expedition von Umberto Nobile teil.

    Als Nobile mit dem Luftschiff Italia abstürzte, startete Sora auf eigene Faust vom Expeditionsschiff „Milano“ aus eine Rettungsaktion, die kläglich scheiterte, so dass Sora selbst von einem schwedischen Flugzeug gerettet werden musste. Trotzdem ernannte Mussolini Gennaro Sora zum ,eroe del polo‘ (Held des Poles). Sora wurde in ganz Italien gefeiert; in Brixen verlieh ihm der faschistische Podestà Felice Rizzini die Ehrenbürgerschaft der Stadt.

    Im italienischen Vernichtungskrieg gegen Äthiopien spielte Major Sora mit seinen Alpini eine verheerende Rolle. So war er unter anderem der Verantwortliche des Massakers von Gaia Zeret im Jahr 1939, bei dem etwa 1500 Menschen ermordet wurden.

    Diese Personen, vor allem Frauen, Kinder, alte Leute und Verwundete, begleitet von einigen wenigen Kämpfern, hatten sich auf der Flucht vor den Italienern in eine Grotte in vermeintliche Sicherheit gebracht. Sora ließ die Grotte mit Giftgas und Flammenwerfern ,ausräuchern‘. Wer noch in der Lage war, die Grotte zu verlassen, wurde erschossen.

    Dieses Kriegsverbrechen war wie viele andere lange Zeit kaum bekannt.

    Für die Einheimischen ist das schreckliche Ereignis ein Tabu, über das sie nicht sprechen können. Erst im Jahr 2008 hat ein italienischer Historiker, Matteo Dominioni, im Buch ,Lo sfascio dell’Impero – Gli italiani in Etiopia 1936-1941′ die Ereignisse geschildert.

    Damit gibt es jetzt für die Gemeinde Brixen keinen Grund mehr, an der Ehrenbürgerschaft für den Kriegsverbrecher Sora festzuhalten, die eine Beleidigung für die anderen 63 Brixner Ehrenbürger darstellt.“

     

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