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    Das Steuerkarussell

    Das Steuerkarussell

    Günstiger Strom, eine Turiner Vermittlerfirma und ein Innsbrucker Konto mit einer besonderen Prokura. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen Steuerbetrugs gegen die Bozner Strommanager Renzo Dolzan, Hermann Tonner und Stefano Podini abgeschlossen.

    Von Thomas Vikoler

    Das Vermögen in der Höhe von 862.545 Euro, das im April bei Hermann Tonner beschlagnahmt wurde, bleibt weiterhin beschlagnahmt. Im Oktober hat die Kassation die entsprechende Verfügung wegen Verletzung von Sprachbestimmungen zwar aufgehoben, die Maßnahme bleibt aber bis zu einer Neuprüfung durch das Landesgericht aufrecht. Die Verhandlung hätte vor kurzem stattfinden sollen, wurde aber auf Antrag von Verteidiger Francesco Coran aber vertagt.

    Das ist lediglich ein Aspekt einer Geschichte zu einem mutmaßlichen Steuerkarussell, dem die Finanzwache im Zuge der Operation Black Energy, zu der es vor einem Jahr mehrere Verhaftungen gab, auf die Schliche kam. Der Bozner Strommanager Renzo Dolzan und der Turiner Unternehmer Mario Marocco sind in beide Fälle verwickelt. Marocco hat im April nach einer umfangreichen Aussage einen gerichtlichen Vergleich über zweieinhalb Jahre Haft abgeschlossen. 300.000 Euro aus seinem Vermögen wurden eingezogen.

    Marocco ist damit auch raus aus der Ermittlung zum Steuerkarussell, bei dem er eine nicht unwesentliche Rolle spielte. Er ist der gesetzliche Vertreter der Firma Energy Life, die bei der in Innsbruck ansässigen Firma Eneco (eine Tochtergesellschaft der Podini Holding) Strom einkaufte und an eine Veronerser Firma weiterverkaufte.

    Für den Bozner Staatsanwalt Axel Bisgnano, der die Ermittlungen zum Steuerkarussell koordiniert, verfolgte die Firma Energy Life vor allem einen Zweck: Mehrwertsteuerbetrug. Eneco fakturierte den Strom (weil sie ihren Sitz im Ausland hat) ohne Mehrwertsteuer, Energy Life bediente sich hingegen eines einfachen Tricks: Durch die Anwendung eines zwanzigprozentigen (anstatt zehnprozentigen) Mehrwertsteuersatzes sicherte sie sich ein stattliches Guthaben gegenüber dem Fiskus, insgesamt 862.545 Euro. Das bei Hermann Tonner, dem gesetzlichen Vertreter von Eneco, beschlagnahmte Vermögen.

    Verteidiger Francesco Coran, der auch den mitbeschuldigten Stefano Podini vertritt, betont, dass Eneco lediglich Strom an Energy Life verkauft und sich somit keines Mehrwertsteuerbetrugs schuldig gemacht habe. Die Ermittler sehen das anders: Die beiden Eneco-Vertreter seien sehr wohl in das (mutmaßliche) Steuerkarussell verwickelt gewesen. Wie? Wegen der erhöhten Erlöse infolge des Mehrwertsteuertricks und über ein Konto bei einer Innsbrucker Bank, das auf die Turiner Firma Energy Life lautete. Allerdings war dort nicht Firmenchef Mario Marocco zeichnungsberechtigt, sondern allein Eneco-Manager Hermann Tonner. Laut Verteidigung vor allem deshalb, um die Zahlung des gelieferten Stromes sicherzustellen.

    Es gibt aber ein Problem: Die 290.000 Euro, die von Tonner in bar von dem Innsbrucker Konto der Firma Energy Life abgehoben wurden. Für die Staatsanwaltschaft, die ein Rechtshilfeansuchen an die österreichischen Behörden gerichtet hatte, handelt es sich bei den 290.000 Euro um den Gewinn aus dem vermeintlichen Steuerbetrug. 40.000 Euro davon sollen an Renzo Dolzan, dem Vermittler der Stromlieferungen, geflossen sein. Der Zielort des übrigen Geldes dürfte nun in einem Strafprozess geklärt werden.

    Staatsanwalt Bisignano hat nun nämlich gegen Dolzan, Hermann Tonner und Stefano Podini Anklage wegen Mehrwertsteuerbetrugs erhoben. Die Vorverhandlung findet in den nächsten Monaten statt.

     

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