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    Seidls Mitbringsel

    Statt des Sonntagsfilms ein Rückblick auf die Masterclass mit Ulrich Seidl in Bozen. Er hatte auch einen Rohschnitt im Gepäck.

    von Renate Mumelter

    Es ist schon spannend, sich von einem Regisseur in lockerem Rahmen erzählen zu lassen, wie er zu seinen Themen kommt, wie er seine Stoffe entwickelt, wie er seine Darsteller aussucht, wie er dreht.  Für solche Angebote lohnt es sich, auch einmal einen halben Tag Urlaub zu nehmen. Ich habe das am Donnerstag getan, um bei Ulrich Seidls Masterclass in der Filmschule ZeLIG dabeizusein. Das wäre für alle möglich gewesen, gratis übrigens. Am Abend vorher hatte Seidl seinen letzten Dokumentarfilm „Im Keller“ nach Meran begleitet. Eingeladen hatten der Kulturverein Mairania 857 mit Docu.emme, die Filmschule ZeLIG und Mov(i)e it der BLS.

    Seidl wird für seine besonderen Filme gelobt, geliebt und gehasst. Er stellt Wirklichkeiten so dar, dass Lachen und Entsetzen sehr nahe beeinander liegen. Der österreichische Regisseur, der von der Fotografie kommt, zeigt in stimmigen Bildern gnadenlos, wie Menschen sind. Einem breiteren Publikum wurde er durch die Paradies-Spielfilmtrilogie bekannt. Die Recherche für seine Filme dauert oft jahrelang, erzählte Seidl, seine Drehbücher sind dialogfrei. Damit müssen Geldgeber und Darsteller erst zurechtkommen. Den Laien fällt das weniger schwer als den Profis. Um z.B. die Menschen zu finden, die sich für „Im Keller“ in ihre Abgründe schauen lassen wollten, hat er es mit Flugblättern in Wohnsiedlungen versucht. Seidl findet immer Darsteller, die zu dem stehen, was sie tun. Er sieht seine Arbeitsweise als das genaue Gegenstück zu der von Michael Haneke, bei dem alles bis ins kleinste Detail durchgeplant ist. Für Seidl ist jeder Film eine Reise, ein Lebensabschnitt.  Beides geht, das zeigt der Erfolg, den beide Österreicher haben.

    Für die Menschen, die zur Masterclass bei ZeLIG gekommen waren, gab es ein ganz besonderes Mitbringsel: den Rohschnitt des neuesten Seidl-Films „Safari“, der für Cannes fertig sein soll. Darin geht es um den Tod, das Töten, Tiere im fernen Afrika aber auch um uns selbst. Bisher hatte den Film nur Seidls Team gesehen. Bei ZeLIG gab es die erste öffentliche Vorführung. Das sind Gelegenheiten, die es nur einmal gibt.

    Ah so, das Sonntagskino: Da gäbe es „Star Wars“, wenn’s unbedingt sein muss, ist aber schon ausverkauft, den neuen Woody Allen „Irrational Man“ oder „Mon Roi“, der vor allem sehr gut gespielt ist.

    Seidl stellt Wirklichkeiten so dar, dass Lachen und Entsetzen sehr nahe beieinander liegen.

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