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    „Habe nicht gedopt“

    Silvia Weissteiner ist ins Visier der Dopingermittler geraten. Die Leichtathletin möchte aber klarstellen, dass es sich hierbei um bürokratische Fehler handelt, die man nicht mit Doping gleichsetzten könne.

    Tageszeitung: Frau Weissteiner, die Antidoping-Staatsanwaltschaft hat eine zweijährige Sperre gegen Sie beantragt. Was sagen Sie dazu?

    Silvia Weissteiner: Dieser Antrag kam für uns alle eigentlich sehr überraschend. Für die italienische Leichtathletik ist dies sicher kein schönes Bild, aber es handelt sich um einen bürokratischen Fehler und hat mit Doping an sich nichts zu tun. Die Mehrheit der Personen, die nur die Überschriften aber nicht den Text lesen, stellen diesen Fehler mit Doping auf eine Ebene, obwohl es damit überhaupt nichts zu tun hat. Es ist ein bürokratischer Fehler, bei dem die Athleten die Opfer sind, weil sie nichts dafür können.

    Wie haben Sie auf diese Mitteilung reagiert?

    Ich war sprachlos. Man wird für etwas beschuldigt, was man nicht gemacht hat: Wir wurden nie offiziell benachrichtigt, dass wir einen oder zwei Fehler gemacht haben – es gab nie offizielle Mitteilungen von Seiten der Dopingkontrollen. Das hat mit Doping nichts zu tun, aber leider wird dies in den Medien vermischt.

    Weissteiner1_Göteborg2013Laut Anti-Doping Gesetz wird eine fehlende Mitteilung mit einer verweigerten Kontrolle gleichgesetzt…

    Das stimmt. Aber wir wussten nicht, dass Mitteilungen fehlen oder dass wir einen Fehler gemacht haben – daher konnten wir auch nicht reagieren.

    Die Begründung der Staatsanwaltschaft lautet, dass Sie Ihre Aufenthaltsorte für etwaige Dopingkontrollen nicht ordnungsgemäß mitgeteilt haben…

    Das haben wir erst im Nachhinein erfahren. Ich habe fünf nicht gemeldete Aufenthalte, aber zum Zeitpunkt selbst wurde ich nicht informiert. Ich habe meine Dopingkontrollen immer gemacht. Ich habe den Aufenthaltsort vielleicht zu spät oder falsch angegeben. Damals hat man zudem noch alles über Fax verschickt. Seit 2012 werden diese Mitteilungen über Internet verschickt und von da an gab es keine Fehler mehr. All diese Fehler sind vor 2012 passiert.

    Wurden die Vorschriften bis jetzt allgemein zu locker genommen?

    Es wurde von Seiten der Athleten sich auch zu locker genommen, aber auch weil es nie Sanktionen oder Meldungen gab. Es ist wie wenn man mit dem Auto immer zu schnell fährt, aber nie eine Strafe bekommt und irgendwann dann eine Mitteilung bekommt, dass man keinen Führerschein mehr hat, weil man vor einigen Jahren ein paar Mal zu schnell unterwegs war.

    Was bedeutet das alles jetzt für Sie? Haben Sie sich schon mit Anwälten in Verbindung gesetzt?

    Für uns Athleten ist es schwer unter solchen Bedingungen zu trainieren. Unser Vertrauen in dieses System geht verloren. Ein Athlet widmet sein Leben dem Sport und irgendwann, nach 15 Jahren Hochleistungssport, kommt eine derartige Berichterstattung – das ist nicht schön und fast schon Rufschädigung.

    Sie fühlen sich schon fast auf eine Ebene mit Alex Schwazer gestellt…

    Alex Schwazer hat gedopt – ich habe nicht gedopt. Das ist ein Unterschied, den viele Menschen nicht verstehen.

    Sollte es zu dieser zweijährigen Sperre kommen, könnte der Traum von „Rio 2016“ mehr als nur wackeln…

    Ich habe eigentlich noch nicht einmal die Bedingungen erfüllt, um in Rio teilzunehmen – daher habe ich noch nicht daran gedacht. Aber sicher – für Athleten, die schon dabei sind, ist dies sicher nicht einfach.

    Die Ergebnisse der letzten Rennen können sich durchaus sehen lassen…

    Ich bin in letzter Zeit recht gut in Form und war auch recht zuversichtlich.

    Wurde Ihnen mitgeteilt, wie das Verfahren jetzt weitergeht?

    Ich denke, dass sich dies in den nächsten Tagen zeigen wird. Hier wissen die Medien meist mehr als wir Athleten.

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