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    Das Pistolen-Grab

    Das Pistolen-Grab

     

    Ein junger Mann erbeutet bei einem Einbruch im Tablettenrausch in Bozen/Rentsch drei Pistolen – und vergräbt sie, völlig verschreckt, auf dem Bozner Bahnhofsareal. Nun ist er dafür zu zwei Jahren Haft verurteilt worden.

    Von Thomas Vikoler

    Mit Waffen, so erklärte Wael Belhiba seinem Richter, habe er nichts am Hut. Zu gefährlich. Und eigentlich habe er die drei Pistolen gar nicht stehlen wollen. Sie seien ohne sein Wissen zu seinem Diebesgut geworden.

    Dass der 21-jährige Tunesier am 14. September in eine Parterrewohnung in der Rentscherstraße in Bozen eingebrochen hat, ist aber unbestritten. Die Polizei identifizierte ihn einige Wochen später aufgrund der Fingerabdrücke, die er am Fenster hinterlassen hat, über das er sich Zutritt zur Wohnung verschaffte.

    Wo aber waren die drei Pistolen, die der Wohnungseigentümer als gestohlen gemeldet hatte? Wael Belhiba führte die Polizisten an einen ziemlich abgelegenen Ort des Bozner Bahnhofareals. Er wühlte im Schotter und plötzlich waren sie zu sehen: Eine halbautomatische Pistole der Marke Springfield, Kaliber 45, eine halbautomatische Pistole der Marke Beretta, Kaliber 7.65 mit einem Magazin, in dem sechs Patronen steckten und, schließlich, eine Schreckschusspistole der Marke Springfield mit roten Deckel.

    Ein regelrechtes Pistolengrab am Bozner Bahnhof.

    Kurios ist die Begründung, die der junge Mann der Polizei dafür präsentierte. Er habe erst nach dem Einbruch festgestellt, dass er bei dem Einbruch – neben einigen Elektrogeräten wie Kopfhörern und Handy-Aufladekabel – auch drei Pistolen gestohlen hatte.

    Bitte? Ja, seine Wahrnehmung sei an jenem Abend etwas verzerrt gewesen, eröffnete Wael Belhiba den verblüfften Polizisten, weil er Psychopharmaka eingenommen habe. Als er sein Diebesgut am Tag darauf in Augenschein nahm, sei im erst bewusst geworden, dass er Schusswaffen bei sich hatte.

    Sie am Bahnhofsareal zu vergraben, sei eine Art Verzweiflungsaktion gewesen, gestand der 21-jährige Tunesier.

    Am 9. Oktober wurde er jedenfalls aufgrund eines Haftbefehls ins Bozner Gefängnis gebracht. Gestern konnte er es – unter der Auflage, sich täglich bei der Polizei zu melden – wieder verlassen. Richter Walter Pelino hatte ihn zuvor in einem verkürzten Verfahren zu zwei Jahren Haft wegen erschwerten Diebstahls und illegalen Waffenbesitzes verurteilt. Die zweieinhalb Monate U-Haft, die er bisher abgesessen hat, werden ihm davon abgerechnet. Gestrichen hat Richter Pelino hingegen die Aussetzung auf Bewährung auf eine zuvor kassierte dreimonatige Haftstrafe wegen Widerstandes gegen Amtspersonen.

    Die drei Waffen sind inzwischen wieder beim 27-jährigen Eigentümer in Rentsch, der sie regulär gemeldet hatte.

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    Kommentare (4)

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    • ......

      Da es sich um eher hitzige Gemüter bei den Leuten handelt, werden sie grundsätzlich mit Medikamente versorgt. In Deutschland benutzt man die Ausrede mittlerweile, der argen Traumata vom Krieg und pumpt sie voll. Am Eisackufer konnte ich mich mal mit einer dunklen Gruppe unterhalten. Diese weigerten sich die verblödungspillen zu nehmen, lebten darum auch obdachlos. Einerseits interessant, weil ich mich mit harten, wütenden Männern unterhalten konnte, andererseits ist mir noch mehr bewusst geworden, dass wir einheimische, gewaltlos erzogene Leute, im Notfall, total keine Chance haben. Absolut nicht. Und dann geht’s einzig und allein mehr ums Überleben. Da macht es keinen Unterschied mehr ob mein ein Blödgutmenschtrottel ist, oder ein rechter. Im Gegenteil.

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