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    Ehre für die Buibm

    Puschtra Buibm Pusterer Buam 1963Puschtra Bui Heinrich Oberleiter soll Ehrenbürger der Gemeinde Ahrntal werden – zumindest wünscht sich das die Süd-Tiroler Freiheit.

    von Silke Hinterwaldner

    Heinrich Oberleiter lebt in Deutschland. Aber im Herzen ist er sicherlich immer ein Südtiroler geblieben.

    Oberleiter, Jahrgang 1941, stammt aus St. Johann im Ahrntal und hat sich im Alter von 20 Jahren dazu entschlossen, zusammen mit den Puschtra Buibm für seine Heimat zu kämpfen – auch mit Sprengstoffanschlägen. Unter anderem starb im September 1964 bei einem der Anschläge in Mühlwald der Carabiniere Vittorio Tiralongo. Der Tod des jungen Mannes wurde den Puschtra Buibm zugeschrieben, genauso wie andere Anschläge im Raum Pustertal.

    Heinrich Oberleiter wurde gefasst. Aber im allerletzten Moment gelang ihm die Flucht aus dem Streifenwagen. Oberleiter schaffte es über die Grenze nach Österreich und wurde dann in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Seitdem hat Heinrich Oberleiter seine Heimat Südtirol nicht mehr betreten.

    Trotzdem bleibt er für die Süd-Tiroler Freiheit genauso wie für den Heimatbund und sicherlich für viele andere Südtiroler auch ein Held, dem Ehre zuteil werden soll.

    Für Benjamin Rauchenbichler gibt es gar keinen Zweifel. Zusammen mit Erich Kaiser hat der Gemeinderat der Süd-Tiroler Freiheit im Ahrntal jetzt einen Antrag eingereicht, um Heinrich Oberleiter die Ehrenbürgerschaft zu verleihen. „Schließlich“, sagt Rauchenbichler, „hat vor wenigen Monaten auch der Landtag beschlossen, beim Staatspräsidenten um Begnadigung anzusuchen.“

    Dieser kleine Erfolg im Landtag hat den Männern der Süd-Tiroler Freiheit im Ahrntal Auftrieb gegeben. Denn: Sie hatten bereits vor mehreren Jahren im Gemeinderat um eine Ehrenbürgerschaft für Oberleiter gebeten. Aber ohne Erfolg. Die SVP hatte damals klipp und klar zu verstehen gegeben, dass alles was vorliegt nicht ausreicht, um jemanden eine Ehrenbürgerschaft zuzuerkennen.

    „Wenn ich ehrlich bin“, sagt Benjamin Rauchenbichler, „halte ich es zwar für wichtig, dass wir es weiter versuchen, aber ich habe keine großen Hoffnungen. Ich befürchte, dass die SVP unseren Antrag wieder versenken wird.“

    Was hält Bürgermeister Helmut Klammer  tatsächlich vom neuerlichen Vorstoß der Süd-Tiroler Freiheit? „Wir werden alles sehr sorgfältig prüfen“, versichert er, „danach werden wir gemeinsam entscheiden. Aber dieser Entscheidung möchte ich derzeit nicht vorgreifen.“

    Damit ist noch alles offen. Bei der nächsten Gemeinderatssitzung am 21. Dezember wird der Antrag der Süd-Tiroler Freiheit unter Ausschluss der Öffentlichkeit behandelt werden – das sieht die Gemeindeordnung bei Diskussionen um Ehrenbürgerschaften so vor.

    Zusammen mit den beiden Räten der Süd-Tiroler Freiheit werden wohl auch jene der Teldra Bürgerliste für einen Ehrenbürger Oberleiter stimmen. Wie sich die SVPler verhalten, ist noch ungewiss. Benjamin Rauchenbichler ist sich indes sicher: „Diese Geste der Gemeinde wäre eine schöne Anerkennung für Heinrich Oberleiter.“

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    Kommentare (31)

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    • Andreas

      Puschtra Buibn, RAF Buibn und Madln, IS Buibn, das klingt jetzt aber alles niedlich, scheinbar alles nur eine Sache der Interpretation bzw. des Standpunktes.

    • Mann

      Ich glaube zur Zeit haben die Leute kein Interesse Terroristen, oder „Freiheitskämpfer“, wie sie sich ja alle selbst nennen, zu huldigen. Sie selbst mògen sich nicht mit anderen kämpfenden Gruppierungen vergleichen, für die Bevòlkerung, die sich heutzutage mehr als den je Frieden wünscht, sind Bombenanschläge alles andere als ein Tor zur Freiheit, egal von wem sie ausgeführt werden. Bomben sind eben Bomben und nur Glück verhindert dabei Tote.

      • helmut

        An Mann!.

        „Bomben sind eben Bomben und nur Glück verhindert dabei Tote.“

        Aus Ihrer Sicht war es dann wohl ein Glück, dass am 20. Juli 1944 ein gewisser Gottseibeiuns kein Bombenopfer wurde

        Sie verzeihen, dass ich dieser Logik nicht folge. Aus meiner Sicht wäre es ein sehr großes Glück gewesen, wenn damals der Besagte die Erdoberfläche verlassen hätte.

    • Einereiner

      Zwischen Freiheitskämpfer und Terroristen gibt es große Unterschiede, die auch die Linke erkennen könnte, wenn man denn wollte.
      Bravo STF. Die Puschtra Buibn sind Freiheitskämpfer ersten Ranges.

    • Birgit

      Gewaltanwender für politische oder religiöse Zwecke sind Terroristen, mit menschlichen Opfern auch Mörder.

    • X

      Strafanzeige wegen Verherrlichung von Gewalt u Terrorismus! Sofort! Das ist ein Fall für den Staatsanwalt, u für den Geheimdienst

      • Puschtrabui

        Genau X , und dann in Untersuchungshaft wegen Terrorismus und am nächsten Tag frei, wahrscheinlich wieder 4 Jahre Ermittlungen und 1200 Seiten Protokolle und Steuergeldverpulvern und Wohnungen zur Verfügung stellen und 2000 Euro im Monat Familiengeld….

        Man sollte schon unterscheiden zwischen den IS Terrorzellen und den damaligen „Freiheitskämpfern“ ohne deren Aufmerksamkeit gäbe es unsere freie Autonomie in Südtirol wahrscheinlich nicht, die die Anschläge damals machten um nicht Leute in die Luft zu sprengen, sondern einfach um ihre Heimat zu befreien.

    • Senoner

      Den Mord an Tiralongo haben die Pusterer Buibn stets bestritten. Ein Carabinieri-Kollege selbst behauptet bis heute, der Schuss kam aus den eigenen Reihen..
      Für den Mord an Tiralongo gibt es keine Beweise. Die Buibn sind nicht wegen Mord verurteilt worden, sondern wegen „attentato alla integrità dello Stato e di strage“ – bis heute sehr dehnbarer Begriff.

    • bergbauer

      bravo pusterer buibm…ohne euch wären wir heute tiefste italienische Provinz….das hat mit terrorismus nix zu tun sondern mit dem wunsch eine eigene Identität und die Zugehörigkeit zu einem Volk zu haben…dieses Volk ist nicht das italienische Volk sondern das deutsch-österreichische Volk,wer das nicht versteht hat von geschichte keine Ahnung und ist schon von den italienern assimiliert…..

    • Besorgter Bürger

      Bin ich undankbar, wenn das für mich alles Terroristen waren?

      • Yannis

        @Besorgter Bürger
        schwer zu sagen ob Du undankbar bist oder nicht, aber vielleicht haben diese „Terroristen“ für Südtirol mehr erreicht als die Schwätzer der Politik.
        Immerhin ist die „Südtirolfrage“ durch ihre Aktionen international ins Gespräch gekommen und hat einen gewissen Druck auf die Italo-Politik ausgeübt.

      • helmut

        An den besorgten Bürger!

        Wenn jeder Aufstand gegen Verweigerung elementarer Menschenrechte Terrorismus ist und der Begriff des Freiheitskampfes grundsätzlich negiert wird, dann waren auch diese Leute Terroristen.

        Dann waren aber auch die Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime und die Attentäter gegen Adolf Hitler Terroristen und alle Partisanen im 2. Weltkrieg waren es dann auch.

        Wenn wir weiter in die Geschichte zurück gehen, können wir auch Wilhelm Tell zu den Terroristen zählen.

        Die Logik einer solchen Sichtweise lautet dann, dass immer der Staat Recht hat, die Gestapo Recht hat, der KGB Recht hat und dieser LOgik folgend auch der IS auf seinem „Staatsgebiet“.

        Man sieht: So einfach sollte man es sich wohl nicht machen !

        • Motz

          Wilhelm Tell und das Wort „Geschichte“ in einem Satz zu formulieren spricht für sich, es handelt sich dabei um eine Legende, man sollte tunlichst zwischen Geschichtsschreibung und dem Geschichtenerzählen trennen, will man etwas Ernsthaftigkeit wahren sich nicht selbst diskreditieren…. von dem Vergleich der Unterdrückung der Südtiroler mit den Opfern des Holocaust gar nicht zu sprechen….

        • Yannis

          helmut

          29. November 2015 um 22:00

          Du hast es sehr gut erklärt !!

          Vielen Dank für deinen Post.

          beste Grüße

    • Huber

      Für mich sind das Terroristen wie andere auch. Ob ISIS, RAF, NSU, Boko Haram und andere.
      Gewalt ist kein Mittel.
      Ich wäre dafür wenn Italien einen Auslieferungsantrag stellt. Mord darf nicht ungesühnt bleiben.

      • Einereiner

        Wenn der Staat seine Gewalt angemessen einsetzt, sind die anderen Terroristen.
        Wenn der Staat ungerechtfertigt Gewalt anwendet ist es Freiheitskampf.
        Die Puschtra Buibn sind Freiheitskämpfer.

      • Yannis

        @Huber,
        habe selten so einen so armselig und erbärmlichen Vergleich wie Deinen zu Gesicht bekommen !
        Welchen Mord ? als sog. „Zeitzeuge“ erinnere ich mich dass damals es so gut wie erwiesen war dass der Carabiniere Tiralongo aus den eigenen Reihen wegen einer Eifersuchts-Story ermordet wurde, eben so wie man im Süden von Italy solche Dinge heute noch regelt.
        Zum anderen kam dieser Umstand der damaligen „Staatsgewalt ungemein entgegen.

    • jok

      wer zu wenig hirn hat seine rechte und freiheit gewaltfrei zu erwerben, greift zu waffen und bomben. diese idioten nennt man dann terroristen oder freiheitskämpfer.

    • Silvius M.

      Es ist schon dezidiert zu unterscheiden zwischen Terroristen und Freiheitskämpfern. Bei den Puschtra Buibm – mit Verlaub – erkenne ich aber auch immer wieder einen ziemlich übertriebenen Hang zur Selbstdarstellung, und zur Selbstbemitleidung.

      Wenn schon die Ehrenbürgerschaft verleihen oder eine andere Art der Würdigung, dann posthum an Sepp Kerschbaumer, einen durch und durch integren und von christlichen Werten geprägten Freiheitskämpfer von der nachweislich in Not geratene italienische Familien(!) unterstützt hat und damit eine herausragende Persönlichkeit war.

      Kerschbaumer hat sich gegen die Diktate der damaligen faschistoid und autoritär geprägten Staatsgewalt gewehrt und eben nicht gegen die zum Staat gehörenden Bürger.

      Die Person „Sepp Kerschbaumer“ fällt mir letzthin im Zusammenhang mit der Flüchtlingsdebatte manchmal ein, vor allem wenn gar einige Südtiroler total unreflektiert gegen die Flüchtlinge vom Leder ziehen.

      Würde er heute noch leben so vermute ich, er würde ein Stück seiner Heimat mit jenen teilen, denen es wirklich „dreckig“ geht. Und das sollte gar einigen Südtirolern zu denken geben!

    • Teldra Bui

      Ach liebe Teldra STF-Gemeinderäte….ist das wirklich Euer einziges Problem? Vermisse in Eurer Partei einfach den Hausverstand, einfach mal eine Vision, einfach mal einen guten Vorschlag abseits der „Heim-Nach-Österreich-Diskussion“!

      Bringt Euch doch mal mit guten Vorschlägen für die Bürger ein! Wir leben nämlich HEUTE und nicht in der Vergangenheit! Die Teldra Jugend will nämlich Lösungen für die Gegenwart und Visionen für die Zukunft! Und da dreht es mir im Magen um wenn nur noch „Ein-Tirol“ als Thema behandelt wird – denn das interessiert mich einen „Cazzo“! Trage gerne meine Lederhose sondern auch gerne meine Armani-Jeans und esse neben Pressknödel und Teldra Graukas auch immer wieder gerne mal eine Pizza und eine Spaghetti! 😉

      • Senoner

        ‚azzo, mit eine spaghetto wirst du aber nicht satt! 🙂

      • helmut

        Dass es einem cazzo-Argumentierer den Magen umdreht, wenn auf Deutsch von der Heimat die Rede ist, wundert mich nicht.

        Die Mitteilung, dass er gerne auch mal Pizza und „eine Spaghetti“ („una spaghetti“ ?) isst, bezeugt seine Fortschrittlichkeit und Aufgeschlossenheit.

        Schön, dass er auch Visionen haben will. Da gibt es gute Kräuter dafür.

    • Techno Guy

      Habt ihr keine anderen Themen? Vom Kaiser Erich mit bald 80 Jahren versteht man es ja, dass er nicht mehr anders kann – aber von einem jungen Gemeinderat erwarte ich mir einfach mehr als die ewige gleiche Leier nachzuplappern!

    • verlorenes Schaf

      STOP mit der Glorifizierung!

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